Melanie Raabe und die Kreativität in Corona und Nicht-Corona-Zeiten

„Die meisten Menschen haben kein Problem damit, etwas zu beenden; viele haben ein Problem damit, etwas anzufangen.“ Dies ist einer der Sätze, der mir von der gestrigen Lesung im Kopf geblieben ist. Melanie Raabe, ihres Zeichens bekannte Thriller-Autorin, hat ihr erstes Sachbuch vorgelegt: Es handelt von Kreativität. Und nach ihrer Buchpräsentation war ich unglaublich inspiriert, in irgendeiner Weise kreativ zu werden. Ich hatte fast schon wieder in dieser langen Zeit der eingedämmten Kultur vergessen, wie viel einem solche Veranstaltungen doch geben können. Und ich hatte auch lange nicht darüber nachgedacht, dass Kreativität doch viel mehr ist als nur künstlerischer Ausdruck. Es gibt so viele Möglichkeiten, kreativ zu werden. Man muss nur einmal anfangen.

Also beginnen wir doch einfach am Anfang.

Als ich noch etwas jünger war und die Welt noch eine ganz andere, machte ich ein Praktikum in einem sehr großen Verlagshaus. An einem meiner ersten Tage dort kam eine der aktuellen Shootingstars der deutschen Literaturszene bei uns in der Abteilung vorbei. Ihr Debüt Die Falle war sehr erfolgreich und die Option für die Filmrechte von einer großen internationalen Produktionsfirma gerade erworben worden: Melanie Raabe. Ich hatte zu meiner Schande noch nie von dieser Autorin gehört und fand es unglaublich aufregend, durch die Glaswand des Praktikant:innenbüros zu sehen, wie sie vorbeilief. Wahnsinn, eine echte Bestsellerautorin! In mehr oder weniger freier Wildbahn!

Ich habe das Gefühl, nur wenige Autor:innen werden wirklich als große Stars gesehen. Ich kenne niemanden, die oder der in der Jugend Poster von Schrifsteller:innen an den Wänden hatte, während Musiker:innen oder Schauspieler:innen stets in allen Zimmern auf uns herablächelten. Klar, es gibt so einige große Namen der Literatur, die man kennt. Allerdings weiß man selbst bei denen häufig nicht, wie sie aussehen. Darum finde ich es vielleicht umso spannender, Autor:innen so wirklich live und in Farbe zu sehen. Siehe da, sie sitzen nicht immer nur fernab von der Welt eingeschlossen in ihren Räumen am Schreibtisch, sie sind sehr lebendig und haben oft so viel mehr zu erzählen als die veröffentlichten Zeilen!

Melanie Raabe im Literaturhaus Köln bei ihrer Buchpräsentation am 28.10.2020

Ich gehe unglaublich gerne zu Lesungen. Und als ich gestern Abend eben endlich mal wieder bei einer war, wurde mir erstmal bewusst, wie sehr mir diese Art von Kultur und Austausch fehlt. Schreiben und Lesen sind Tätigkeiten, die wir irgendwie eher mit Einsamkeit verbinden. Also quasi perfekt für Zeiten der Selbst-Isolation. Aber wie ich schon mal an anderer Stelle gesagt habe, finde ich, dass Literatur sich so sehr zum sozialen Austausch eignet. Lesungen, Signierstunden, Buchpräsentationen… alles gerade nicht oder nur eingeschränkt möglich. Dabei ist es so spannend zu sehen und zu hören, wer und was hinter einem Buch steckt und wenn Autor:innen von ihren kreativen Prozessen und Gedanken erzählen.

Die aktuelle Situation lässt es nun aber nicht zu, viele Menschen nebeneinander in einen Raum zu lassen, um einer Lesung zu lauschen. Tatsächlich muss man ständig darum bangen, welche (Kultur-)Veranstaltungen überhaupt stattfinden. Im nächsten Monat werden es, wie wir nun wissen, keine sein, aber gestern hatten wir noch Glück. Die Buchpräsentation wurde in große Räumlichkeiten verlegt und außerdem gedrittelt. Sprich, statt einem waren es dann drei Events. Alle saßen schön mit Maske und Abstand da. Und um wenigstens noch ein paar mehr Leute teilhaben lassen zu können, wurde die Veranstaltung per Livestream übertragen. Kultur in Zeiten von Corona eben.

Melanie Raabe hat also – vielleicht auch für alle, denen der Austausch über Schaffensprozesse und Ideenanstöße fehlt – ein ganzes Buch über Kreativität geschrieben. Und dabei geht es eben nicht darum, dass Kreativität etwas ist, das nur wenigen Auserwählten durch Musenkuss gegeben wird. Wir alle sind kreativ und wir alle sind es auf unterschiedliche Weise. Das Buch wird beworben mit „Kreativität ist eine Lebenseinstellung“ und genau darum ging es auch gestern Abend. Melanie Raabe sprach über Anfänge und Scheitern, über positive Einstellung und Leichtigkeit. Und das alles tat sie in so zugänglicher Weise und mit so viel Leidenschaft, dass ich eben ganz beglückt den Raum wieder verließ. Und mir außerdem dann natürlich direkt das Buch kaufte und signieren ließ. Deswegen soll an dieser Stelle auch nochmal gesagt werden, wie nett und charismatisch Melanie Raabe als Person ist. Das ist natürlich nicht bei allen Autor:innen, die man bei Lesungen zumindest ein bisschen kennenlernt, so. Aber auch das ist ja eine Erfahrung. Es heißt zwar oft, man solle seine Held:innen nicht treffen, und sicher ist diese Angst vor Enttäuschung auch berechtigt. Aber auf der anderen Seite ist es doch toll, wenn man etwa seine Lieblingsautor:innen zu Gesicht bekommt und hören kann, was sie außer diesem Buch noch zu sagen haben. Es ist sehr gut für die eigene Kreativität, in welcher Form auch immer.

Der Plan für die nächsten Tage: Buch und Tee daheim

Mein vergangenes Praktikantinnen-Ich ging damals quer durch das ganze Verlagshaus auf Suche nach einem Leseexemplar von Die Falle, verschlang den erfolgreichen Fund innerhalb von einem Tag und war dann tatsächlich etwas unglücklich, das Buch dem anderen Praktikanten auszuhändigen, der es auch lesen wollte. Aber wie gesagt, Literatur soll auch Austausch sein. Jedenfalls empfehle ich seitdem allen, die mich nach Thrillern fragen, Melanie Raabes Bücher. Zwar kritisieren viele, dass es sich doch eher um Romane handelt, aber genau das mag ich an ihnen. Für mich sind ihre Bücher – vier Stück inzwischen, die ich alle gelesen habe – wunderbar atmosphärisch und ziehen mich beim Lesen einfach in ihren Bann. Umso schöner, wenn die Autorin auch noch so eine sympathische Person und live eine Bereicherung ist. Ich freue mich jedenfalls jetzt sehr darauf, das neue Buch zu lesen und dann hoffentlich meiner eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen.

„Die meisten Menschen haben kein Problem damit, etwas zu beenden.“ Ich habe durchaus ein Problem, hier einen Schlusspunkt zu setzen, denn ich würde so gern noch mehr über Melanie Raabe, ihre Bücher, über Lesungen und über die Literatur generell sagen. Aber dieser Beitrag braucht ein Ende, also möchte ich mit dem schließen, womit auch die gestrige Buchpräsentation zu Ende ging: Kreativität zeigt sich auf viele Arten. Unter anderem etwa auch in „Random Acts of Kindness“ also kleinen Sachen, die man tut, um anderen eine Freude zu machen. Nicht nur für den Literaturbetrieb gibt es in nächster Zeit wieder weniger Freude, weil Lesungen und alle anderen analogen Austauschformate nicht stattfinden können. Auch andere Menschen können sicher gut Aufmunterung vertragen. Darum hier noch drei buchbezogene, kreative Ideen von Melanie Raabe aus ihrem neuen Buch, um anderen vielleicht ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern:

  • Setze ein schönes Buch aus. Schreib vorne was Nettes rein und lass es liegen. Auf einer Parkbank, in der Bahn oder im Wartezimmer.
  • Lies jemandem etwas vor.
  • Verstecke kleine Nachrichten in dem Buch, das dein Liebster, deine Liebste gerade liest.

Kreativität – Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht erscheint am 2. November im btb-Verlag

Melanie Raabe betreibt außerdem zusammen mit der Künstlerin Laura Kampf einen Podcast, Raabe & Kampf, zum Thema Kreativität.

Dieser Beitrag ist (leider) in keiner Weise gesponsert.

Beitragsbild, Bilder: Populärkollektiv

2 Gedanken zu “Melanie Raabe und die Kreativität in Corona und Nicht-Corona-Zeiten

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