Buchcover vor Wasserhintergrund

Rezension: „Fünf Tage im Licht“

So langsam werden die Tage wieder sonniger und wärmer. Passend zum Restart des Sommers, möchte ich euch meinen Sommerroman 2026 vorstellen.

„Fünf Tage im Licht“ bietet aus meiner Sicht alles, was das perfekte Buch für den Urlaub oder den langen Leseabend auf dem Balkon mitbringen soll. Zuallererst spielt es natürlich an einem schönen sommerlichen Ort, der griechischen Insel Sifnos. Und auch ein heißer Urlaubsflirt spielt eine wichtige Rolle. Doch sind wir ehrlich: Ich will etwas mehr als diese Sommerroman-Klischees. „Fünf Tage im Licht“, im englischen Original „Female, Nude“, von Rhiannon Lucy Cosslett bietet genau dieses „mehr“.

Um was geht es?

Protagonistin Sophie verbringt mit ihren drei Freundinnen Alessia, Iris und Helene fünf Tage auf der griechischen Insel Sifnos. Gemeinsam wollen sie den Junggesellinnenabschied von Helena feiern. Nach der Freundinnenzeit sollen dann die Partner nachkommen. Doch in den fünf Tagen passiert so einiges.

Es gibt zwei Hauptmotive in der Geschichte: Zum einen, bittet Alessia ihre Freundin Sophie, die Künstlerin ist, ein Aktportrait von ihr anzufertigen. Zum anderen beginnt Sophie eine wilde Affäre mit dem Griechen Ky. Sophie erlebt in diesen fünf Tagen auf Griechenland nicht nur eine künstlerische Entwicklung, sondern befreit sich auch in ihren Vorstellungen von Sexualität und Leidenschaft. Was sich jetzt als idyllische, sommerlich leichte und etwas vorhersehbare Geschichte anhört, spitzt sich im Laufe des Romans immer mehr zu. Beide Stränge werden ineinander verwoben. Wir Leserinnen erleben ein fulminantes Ende, das ich hier natürlich nicht verraten werde, jedoch die Geschichte krönend abschließt. Es ist, auch wenn es sich stellenweise so anhört, wirklich kein schnulziger Sommerroman.

Was macht das Buch so besonders?

Für mich macht dieses Buch die Themendichte so besonders. Hinter der leichten sommerlichen Atmosphäre, die wirklich sehr gut beschrieben wird, steckt so viel mehr. Es geht um Freundinnenschaft und darin unausgesprochenen Konflikte, um die persönliche sexuelle Entfaltung, um Feminismus und toxische Beziehungen, um Leidenschaft und Freiheit und, um die ganz große Liebe und Begeisterung zur Kunst, in diesem Falle vor allem zur Malerei.

Ganz besonders gut gefallen hat mir, dass jedes Kapitel durch eine Werkschau unterbrochen wird. Protagonistin und Künstlerin Sophie beschreibt bekannte und weniger bekannte Aktgemälde von realen Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Frida Kahlo oder Louise Bourgeois und berichtet, wie diese auf sie wirken und was sie in ihr auslösen. Genau in diesen Kapiteln ist auch immer eine Rückblende oder ein Ausblick in die Zukunft der Protagonistin eingebunden, was natürlich noch mehr Lust aufs Lesen macht. Vielleicht mag die Unterbrechung einige beim Lesefluss stören, mir selbst haben diese Zwischenkapitel jedoch sehr gut gefallen.

So sagt sie beispielsweise über Louise Bourgeois:

„In aller Stille wurdest du zu einer der größten, revolutionärsten, radikalsten Künstlerinnen des Jahrhunderts. […] wie du, nachdem dein Mann gestorben war, als Erstes die Küche herausgerissen hattest. Du warst endgültig fertig mit Kochen, Waschen, damit, dich um andere zu kümmern. Du bautest sie um zum Atelier einer schaffenden Künstlerin.“

Oder über die Kunst von Frida Kahlo:

„Der Schmerz, mit dem du uns unbedingt konfrontieren wolltest, wird mit ewtas bestäubt, das glänzender ist.“

Zwei weitere Aspekte, die mich sehr berührt haben, möchte ich an dieser Stelle noch hervorheben: Zum einen wird in diesem Buch eine sehr enge Verbindung zwischen Sophie und ihrer Schwester beschrieben. Wir Leser*innen erfahren, dass Rosie als Kind fast ertrunken wäre und seitdem eine schwere Behinderung hat. Sophie kümmert sich um ihre Schwester wie um ein eigenes Kind, was wiederum Auswirkungen auf ihren eigenen Kinderwunsch hat.

„Ich glaube, deshalb wollte ich noch nie wirklich eigene Kinder. […] Ich kenne diese Form von Liebe schon.“

Zum anderen finde ich es sehr spannend, was der weibliche Körper und dessen Betrachtung für eine zentrale Rolle in der Geschichte spielt, was vor allem in den Szenen der Aktmalerei oder den Betrachtungen der realen Aktbilder der Künstlerinnen deutlich wird. Hier stehen gesellschaftliche Zwänge und Anforderungen an Frauen, vor allem im Hinblick auf das Kinderkriegen, als wichtiges Motiv im Fokus.

Mein Fazit!

Lest dieses Buch! In mir hat die Geschichte noch lange nachgehallt und ich denke immer wieder gerne zurück. Das Lesen hat mir großen Spaß gemacht. Nicht nur der wirklich schön und atmosphärisch geschriebene Text – man träumt sich richtig in die griechische Sonne – sondern auch all die wichtigen Themen, die ich oben angerissen habe, machen „Fünf Tage im Licht“ zum Sommerroman für dieses Jahr.

„Fünf Tage im Licht“
Rhiannon Lucy Cosslett
Erschienen im Rowolth Verlag, 15. Mai 2026

Beitragsbild: Rowolth Verlag und Unsplash/Wesley Tingey

Hinterlasse einen Kommentar