Im Alter von sechs Jahren zog die Moderatorin und Podcasterin Miriam Davoudvandi von Rumänien nach Deutschland. Ihre Kindheit verbrachte sie in einem Sozialbau inmitten schöner Einfamilienhäuser und lebte in ständiger Scham, nicht dazuzugehören. Inzwischen ist die Autorin aufgestiegen, doch die Armut begleitet sie weiterhin.
Darum geht’s
Miriam Davoudvandi beleuchtet in ihrem Buch nach und nach verschiedene Lebensbereiche, die von der Armut ihrer Familie geprägt waren. Dabei bespricht sie offensichtliche Aspekte, zum Beispiel Armut und Wohnen oder Armut und Essen. Aber auch Aspekte, an die man in Bezug auf Armut vielleicht nicht sofort denkt, werden hier abgedeckt, zum Beispiel Armut und (psychische) Gesundheit und Armut und Beziehungen. In dem Kapitel über Armut und Beziehungen beleuchtet die Autorin zum Beispiel, wie ihre eigenen Beziehungen von der Armut ihrer Familie geprägt wurden: Als sie ihren ersten Freund hatte, dessen Familie zwar nicht reich, aber eben auch nicht arm war oder eine Kindheitsfreundin, deren Familie noch weniger Geld hatte, als ihre eigene.
Armut ist für Davoudvandi stark verknüpft mit Scham. Die Grundbedürfnisse wie Wohnraum und Essen waren für ihre Familie meist abgedeckt. Aber spätestens als Davoudvandi aufs Gymnasium kam, war sie umringt von Kindern aus Haushalten mit mehr Geld. Sie versuchte ihre Armut zu verstecken, keine Mitschüler*innen mit nach Hause zu bringen und ließ sich immer neue Gründe einfallen, warum sie an bestimmten Freizeitaktivitäten nicht teilnehmen konnte. Ihre Gedanken und die Gedanken ihrer ganzen Familie kreisten ständig um Geld, was sich auf die psychische Gesundheit auswirkt und auch heute noch nachwirkt. Sie beschreibt, wie schwer es ist, sich in manchen Kreisen zurechtzufinden, nachdem man niemals die Gelegenheit hatte, bestimmte Codes und Verhaltensweisen zu lernen. Schlussendlich zieht sie das Fazit: Geld macht sehr wohl glücklich.
Mein Fazit
Miriam Davoudvandi schreibt in diesem Buch sehr persönlich, ehrlich und auch witzig über ihr Aufwachsen und ihre Familie. Zwar lässt sich Armut in Zahlen und Statistiken bemessen, doch diese berührende Geschichte macht das Ausmaß von Armut und die Lebensbereiche, in die sie wirkt, wirklich greifbar. Ich konnte aus dem Buch viel mitnehmen und kann es allen Menschen empfehlen, egal mit wieviel Geld sie aufgewachsen sind.
Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar!
