Glass Onion: A Knives Out Mystery – Filmreview

Eine mysteriöse Box wird zu sechs Personen geliefert. Was darin ist, erfährt man erst, wenn man hinter das Geheimnis der Box kommt und einige Rätsel löst. Die sechs bestehen aus einer einfältigen Modeikone (und ihre Assistentin/Babysitterin), einem genialen Wissenschaftler, einer aufsteigenden Politikerin, einem muskulösen Streamer (und seine attraktive Freundin), einer mysteriösen Frau (mit ungewöhnlichen Methoden) und einem gewieften Detektiv: Benoit Blanc, den wir schon aus „Knives Out“ (2019) kennen. Als sie die Box geöffnet haben, erfahren sie, dass sie zu einem Wochenende mit dem exzentrischen, innovativen Multimilliardär Miles Bron eingeladen werden. Dort sollen sie seinen Mord auflösen. 

Wir sind in mitten der Pandemie, alle müssen Masken tragen und eigentlich ist Social Distancing angesagt. Trotzdem machen sich die acht auf die Reise zur Insel des Tech-Gurus. Schnell wird klar, hier treffen sich einige alte Freund:innen, aber zwei wurden eigentlich nicht erwartet und schon gar nicht erwünscht… Und auch alte Freundschaften sind nicht so feste Bande, wie so manche:r es vielleicht denkt… Daraus entspinnt sich ein verstricktes Spiel mit Rätseln, Mord(en) und Intrige. 

Wie schon „Knives Out“ ist auch „Glass Onion“ hochkarätig besetzt. Daniel Craig spielt natürlich wieder den Southern Detektiv Benoit. Den Multimillionär Miles Bron, der stark an Elon Musk erinnert, verkörpert Edward Norton sehr überzeugend. (Regisseur Rian Johnson behauptete übrigens, dass diese Ähnlichkeit wohl Zufall ist und dass sie den Charakter natürlich an viele Tech-Milliardäre angelehnt haben, nicht nur an Elon Musk – ist klar 😉 ) Kate Hudson spielt die überaus seichte, alles sehr wörtlich nehmende und (in ihren Worten) sehr ehrliche Modeikone Birdie Jay ebenfalls wahnsinnig unterhaltsam. Ohne der Requisite dabei Shade vorzuwerfen, aber in einer Szene trägt die Birdie eine „Maske“, die stark an Lana Del Reys kontroverse Maske erinnert und Birdie Jay dadurch indirekt so einordnet, wie wir alle eine Frau mit so einer Maske (seit der Pandemie) einordnen würden. Auch Dave Bautista (den wir bereits aus „Guardians of the Galaxy“ kennen) ist sehr unterhaltsam als „alpha“ Streamer, der unter der Fuchtel seiner Mutter steht. Kathryn Hahn, Leslie Odom Jr., Madelyn Cline und Jessica Henwick runden den Cast des Kammerspiels ab. Janelle Monáe füllt ihre vielschichtige, mysteriöse und spannende Rolle fantastisch aus und setzt dem Casting damit noch ein Häubchen auf. 

Es ist immer sonnig auf Miles Insel. Ähnlich sonnig ist auch die Cinematographie des Films. Während der Film sehr solide mit Techniken arbeitet und durchaus Blockbuster-Feel hat, ist auch nichts Innovatives oder Besonderes zu sehen. Man fokussiert sich eindeutig auf den Plot. Und in dem Bereich geht es hoch her. Was bereits den ersten Film „Knives Out“ so ansprechend gemacht hat, war ein Plot, der wirklich mal „etwas anderes“ war. Es wurden Tropes verwendet, die man vorher nicht so erwartet hat. Auch wenn „Glass Onion“ nun den ein oder anderen Trope aus dem ersten Film aufgreift, in die Mikrowelle stellt und aufwärmt, ist die pointierte Darstellung mancher altbekannter Tropes in Verbindung mit originellen, neuen Ideen sehr unterhaltsam. So fühlt sich dieser Film auch, nicht zuletzt wegen dem veränderten Setting, der sonnigeren Lichtstimmung und dem neuen Cast, frisch und unerwartet an. 

Die Themen, die der Film aufgreift, sind hochaktuell, vermutlich mehr als die Filmemacher:innen jemals hätten erwarten können. Einerseits geht es um die Pandemie und da es relativ zum Anfang der Pandemie spielt, sieht man die unterschiedlichen Arten, wie Leute mit der Pandemie umgegangen sind/umgehen auf sehr satirische Art. Zudem wird das Thema der Tech-Multimilliardäre und deren Macht ausgepackt, dass durch Elon Musks Kauf und Leitung von Twitter gerade relevanter denn je ist. Beide Themen nimmt der Film auf den Korn und führt vor, was aktuell unser aller Leben bestimmt.

„Glass Onion“ ist nicht nur ein unterhaltsamer Krimi mit einigen Twists und Turns. Der Film wirkt auch als ein Abbild unserer Gesellschaft in den letzten zwei Jahren und während der Pandemie. Der Geschichte fehlt leider der finale Twist, der die sie wirklich fantastisch machen würde, vor allem, da es auf Tropes des ersten Films zurückgreift. Trotzdem ist „Glass Onion“ sehr unterhaltsam und definitiv sehenswert. 

Übrigens hatte ich den ersten Film auch schon vor einiger Zeit empfohlen, zusammen mit anderen Mystery-Filmen, die zum Rätseln einladen. Den Artikel dazu findet ihr HIER.

Titelbild: Netflix

ACHTUNG SPOILER: Spannende Fan-Theorien für die, die den Film schon gesehen haben:
  • Eine Theorie im Internet besagt, dass man es auch so sehen könnte, dass Andi gar nicht gestorben ist, den Mordversuch überlebt hat, gar keine Zwillingsschwester hat, sondern sich selbst spielt, um mit Hilfe von Benoit ihren Mörder zu Fall bringen will. Ein Hinweis darauf könnte sein, dass das Auto, in das er Andi setzt, ein Tesla ist.
  • Ein Queer-Reading des Films dreht sich zudem um die Theorie, dass Detektiv Benoit queer ist. Als Beweis wird sein Style genommen, sein Mitbewohner und die Szene, wo alle etwas in ihren Mund geschossen bekommen.
  • Ein Plothole, das einem schnell auffällt, wenn man den Film geschaut hat, ist dass Miles Andi nach ihrem Tod ja eigentlich gar keine Box zugeschickt hätte. Andere Fans geben darauf aber wiederum zu bedenken, dass er die Box vielleicht schon viel früher losgeschickt hatte und einfach schlicht vergessen hatte, dass er es getan hat. Das wäre schließlich auch in line mit seinem Charakter…
  • Ein weiterer Hot Take ist, dass Miles nur einen Fax verwendet, nicht weil er „exzentrisch“ ist, sondern weil er schlicht zu dumm ist, um Technik zu bedienen.
  • Anscheinend ist die Mona Lisa, die Miles bei sich hängen hat, ein Fake. Das Gemälde ist auf einer Leinwand gemalt, während das Original auf Holz gemalt wurde. Sprich, Miles ist ein Idiot und wurde wahrscheinlich betrogen. Außerdem ist der Rothko, der ebenfalls im Hintergrund hängt, falsch herum. Das sind alles sehr schöne sprechende Bilder dafür, dass Miles mehr Schein als Sein ist.

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