Iranisches Filmfestival Köln – Drowning in holy water

Der Film „Drowning in holy water“ (2020) von Navid Mahmoudi zeigt eine emotionale und ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Geflüchteten, deren Geschichte unerwartet tragisch endet. Das iranische Filmfestival Köln nimmt mit diesem Film politische Themen wie Migration und Ehrenmord in sein Programm. Der Film überzeugt durch spannende, schonungslose Szenen und interessanten Kameraperspektiven.

Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa

Es ist warm, eng und dunkel in dem Bus, in dem die Geflüchteten aus Afghanistan zu Beginn des Films sitzen. Sie kommen illegal mithilfe von Schleppern nach Teheran und wollen weiter nach Europa. Sie reden über ihre Hoffnungen, einen guten Job zu finden und ihre Ziele für ein Leben in Europa. Einige von ihnen kennen bereits Menschen, bei denen sie unterkommen können, oder haben Familienmitglieder, die bereits nach Europa geflüchtet sind. Rona (gespielt von Sadaf Asgari) hat bereits einen Freund in Köln über Facebook gefunden, der sie aufnimmt. Sie träumt schwitzend im Bus davon, eine Schwimmmeisterin zu werden. Hamed (gespielt von Matin Heydarnia) sitzt neben ihr. Er hat Angst vor dem Wasser. Sie kennen sich zwar erst seit ein paar Stunden, schaffen es aber trotzdem, sich gegenseitig Trost zu spenden und sich näher zukommen. Als sie in Teheran getrennte Wege gehen müssen, schenkt Rona Hamed ein Teil ihres Armbandes, sie behält das gleiche Stück an ihrem Armband.

Nach einer riskanten Flucht vor Schleppern, die erkannt haben, dass sie mit Falschgeld bezahlt wurden, kommt Hamed in Teheran bei seinem afghanischen Freund Sahreb (gespielt von Ali Shadman) unter. Sahreb möchte über die Türkei weiter nach Westen. Den Kontakt zu Rona kann Hamed nicht halten, per Telefon erreicht er sie nicht mehr. Um als Geflüchtete anerkannt zu werden, brauchen Sahreb und Hamed einen Grund – etwa die Konversion vom Islam zum Christentum. Für Hamed kommt das nicht infrage und sie streiten sich.

„Ich bin ein Mulim. Wenn die Europäer mich akzeptieren wollen, müssen sie mich akzeptieren wie ich bin“

Hamed

Satareh (gespielt von Neda Jebreili), die bei Sahreb lebt, gab sich als Lesbe aus, um vor einer Abschiebung geschützt zu sein. Sie durchlebt immer wieder Panikattacken und konnte das Leben mit der Lüge nicht aufrechterhalten.

„Love does not make sense“ (Hamed)

Als Hamed eines Tages sieht, wie ein Rona von zwei Männern mit einem Auto entführt wird, macht er sich auf die Suche. Er findet eine zwielichtige Frau, bei der Rona zuletzt übernachtet hat. Sie bietet den Frauen ein Schlafplatz für sexuelle Gegenleistung für Männer. Aus ihrer Sicht handelte es sich bei den Entführern um Ronas Verwandten und Verlobten, die behaupteten, dass Rona geflüchtet wäre und die Familie beschämt habe. Sahreb glaubt, dass es sich um die Wahheit handeln könnte, schließlich kenne Hamed Rona nur aus der kurzen Zeit im Bus. Die Männer streiten erneut und Sahreb meint Hamed solle sich raushalten und ruhig verhalten, weil sonst er und Rona in Gefahr geraten könnten. Außerdem würden Tausende in Afghanistan wegen „Familienangelegenheiten“ sterben – Sie könnten nichts dagegen tun. Hamed sieht das anders, er kann nicht aufhören an sie zu denken und will nicht fliehen, ohne zu wissen, wie es ihr geht. Er wendet sich an die Polizei, die sie sogar findet. Sie liegt tot in einem Fluss und Hamed identifiziert sie anhand ihres Armbandes. In ihrem Rucksack finden sie eine Bibel.

Stilistisch sehr interessant

Nicht nur inhaltlich ist der Film interessant, auch die wechselnden Kameraperspektiven sind eindrucksvoll. Besonders gut hat mir eine Szene kurz vor dem Schluss gefallen. Kurz bevor sich Hamed an die Polizei wendet, steht er mit den Menschen aus dem Bus, die man zu Beginn des Films gesehen hat, der Kamera gegenüber. Hamed hat beschlossen, trotz der Gefahr, selbst gefasst zu werden, sich der Polizei zu stellen, um Hilfe bei der Suche zu bekommen. Die Gruppe erzählt nacheinander von Rona und ihren Träumen und Begegnungen. Sie wirken trotz ihrer persönlichen Situation stark und beweisen Mut. Ihr Blick in die Kamera zwingt die Zuschauer:innen, ihnen in die Augen zu schauen. Zuvor arbeitete der Film oft mit Kameraperspektiven aus einem Loch oder hinter einem Gitter, wodurch ihre Stellung als illegale und sich versteckende Migrant:innen deutlich wurde.

Der Tod Ronas kommt unerwartet und lässt die Zuschauer:innen mit einem bedrückenden Gefühl aus dem Film. Zum Schluss hört man zu einem schwarzen Bild Ronas Stimme aus dem Off. Sie wiederholt die Worte, die sie zu Beginn des Films sagte: „Wenn ich in Deutschland bin, werde ich eine Schwimmmeisterin“.

Diesen Film und weitere spannende Dokumentationen und Kurzfilme könnt ihr noch bis zum 20.06.2021 online beim iranischen Filmfestival schauen (5,50 € Ausleihgebühr je Film). Schaut euch hier das Programm an.


Beitragsbild: Asseman Parvaz Film

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