„Ich hab‘ ziemlich Freude“ – Faber, wir auch mit dir

Viele Konzerte wurden wegen der Corona-Pandemie in den letzten Wochen und Monaten abgesagt. Für echte Musiknerds war die Zeit ohne Livemusik kaum zu ertragen. Doch nun gibt es wieder Auftritte, auch wenn diese etwas anders ablaufen, als man es gewohnt ist. Bei einem kühlen Bier, Snacks und auf einer Decke mit vorgeschriebenem 1,5 Meter Abstand zur nächsten Gruppe, konnte man am Wochenende die Indie-Popband Faber auf einem der Picknick-Konzerte in Köln erleben. Wie Faber selbst feststellt eine etwas andere Art eines Konzertes, doch der Stimmung hat es definitiv nicht geschadet.

Noch bevor die Band auf die Bühne kommt, strömen die ersten Gruppen von Zuschauer:innen mit Maske auf das große Gelände direkt neben der Pferderennbahn in Köln. Die meisten von ihnen sind vollgepackt mit Picknickdecke, Bier, Wein, Brotdosen und Snacks aus dem Supermarkt. Die Stimmung ist sehr gelassen, die ersten Stoßen an und genießen das gute Wetter als die Band auf die Bühne kommt. Während der ersten Lieder sitzt beziehungsweise liegt das Publikum vor der Bühne und wippt mit Kopf und den Füßen zur Melodie. Auch wenn man die Maske auf der Decke abnehmen darf, ist mitsingen eigentlich nicht erlaubt, doch im Laufe des Abends ist das kaum noch zu verhindern. Doch zuerst muss sich nicht nur das Publikum, sondern auch der Sänger Faber aka Julian Pollina in die richtige melancholische Stimmung bringen. Was gar nicht so einfach ist, weil seine Texte unglaublich unterschiedliche Gefühle und Themen ansprechen, singt er gerade noch über Herzschmerz und Selbstzweifel, geht es im nächsten Lied um Rechtspopulismus. In seinen ersten Worten an das Publikum macht er dieses Dilemma mit einem Glas Wein und einem Zwinkern dem Publikum bewusst: „Ich muss mich für meine Lieder erst in Stimmung bringen“.

Bild: Franziska Venjakob

Nach den ersten paar Liedern ist fast das ganze Publikum auf den Decken am Tanzen und Singen. Während Fabers tiefe Stimme selbst die Menschen in der letzten Decken-Reihe zum Lächeln bringt, die großartigen Posaunenklänge von Bandkollege Tillmann Ostendarp und die bemerkenswerten Soloeinlagen von Bassist und Cellist Janos Mijnssen so manchen zum Staunen bringen, geht in der schönen Open-Air-Lokation langsam die Sonne unter.

Quelle: Faber (https://www.youtube.com/watch?v=GCG6-DNXOZY)

Eine andere Form von Nähe

In den Pausen zwischen den Liedern nimmt sich Faber die Zeit nicht nur zu den Zuschauer:innen zu reden, sondern auch in den Dialog mit seinen Fans zu treten. Die nutzen die Chance und rufen dem Sänger Fragen wie: „Woher hast du deine Schuhe?“ zu. Faber ist sich für den Spaß nicht zu schade und antwortet mit einem Grinsen: „Von Gucci, ne Spaß von Ed Hardy“. Er genießt die Art von Zusammentreffen und macht deutlich, es ist einfach eine andere Art von Konzert-Stimmung, oder mit seinen Worten ausgedrückt: „Ich find es geil! Man ist sich näher und wir können quatschen. Es fällt woanders was weg, aber dafür ist was anderes da. Ist ein gutes Konzept. Ich hab ziemlich Freude“.

Bild: Franziska Venjakob

Italienische Zugabe

Bei der ersten Zugabe kommt der Sänger alleine auf die Bühne und ein paar Fans wünschen sich den Song „Tausendfrankenlang“. Doch Faber lächelt nur, und sagt: „Ich bin ja nicht dumm, das machen wir zum Schluss. Sonst laufen uns die Leute weg“. Den Fans gefällt seine freche Schlagfertigkeit und sie freuen sich, dass der Song noch kommt. Doch zunächst überrascht der Sänger mit einem neuen italienischen Song, den er während der Pandemie geschrieben hat. Es ist der erste italienische Song an diesem Abend und das Publikum hört gespannt zu, bis ein fließender Übergang zum Song „Die Tram ist leer“ kommt und alle mitsingen. Natürlich kommt dann noch wie angekündigt der Song „Tausendfrankenlang“ und Faber scheint seine Fans gut zu kennen, denn dieses Lied hebt die Stimmung tatsächlich nochmal auf einen Höhepunkt und alle singen und tanzen mit.

Auch die zweite Zugabe scheint den Fans noch nicht genug zu sein und sie klatschen und rufen die Band minutenlang für eine dritte Zugabe auf die Bühne. Ohne Mikros stehen die drei Bandmitglieder auf den Lautstärkern vor den Fans und fangen an zu singen. Es dauert ein paar Sekunden bis das Publikum ruhig genug ist, um die Band zu hören. Sie spielen Bella Ciao und im Refrain singen alle mit. Man merkt der Band und den Fans an, dass sie noch nicht gehen wollen, doch die Zeit ist gekommen, eine vierte Zugabe wird es leider nicht geben. Der Abend hat gezeigt, dass auch während der Pandemie Live-Konzerte stattfinden können. Die Stimmung war toll und der Abend hat Lust auf mehr Konzerte gemacht. Die Picknick-Konzert-Reihe in Köln geht übrigens nächste Woche weiter mit Kasalla, Giant Rooks und Joris.

Beitragsbild: Franziska Venjakob

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