Venedig und der Tod im Orangerie Theater

Venedig ist schon lange dem Tod geweiht. Die Stadt an der Küste Italiens wird langsam aber sicher vom Meer verschlungen. Venedigs Einwohner:innen und auch Gäste sind bereits seit Jahrhunderten gewohnt, dass die Straßen mindestens einmal pro Jahr überspült werden und gleichzeitig die Pfähle langsam einsinken. Doch mit dem Klimawandel und dem steigenden Meeresspiegel verschwindet nun die Stadt immer schneller. Und darum geht es auch hier:

Das Kristóf Szabó F.A.C.E. Ensemble zeigt zurzeit die Tanzperformance „Venedig und der Tod“ im Orangerie Theater in Köln. In dem Stück nutzt der gebürtige Budapester und Mixed-Art Künstler verschiedene zeitgenössische Medien. Er verbindet unterschiedliche Tanzstile, Theater- und Musikelemente, sowie Video-/Fotografie-Animationen, sodass man beim Zuschauen das Gefühl hat, immer wieder Neues zu entdecken.

Foto: Julia Karl

Visual Performing Arts

Das Tanztheater lässt viel Raum für inhaltliche Interpretationen. Es wird wenig mündlich gesprochen, die Performer drücken das Schicksal Venedigs mit ihrem Tanz, Bewegungen und ihrer Mimik aus. Auf der Bühne sind zunächst drei Frauen zu sehen, die miteinander und alleine tanzen. Ihre Funktion können unterschiedlich gedeutet werden. Vielleicht tanzt da zuerst Venedig mit dem Meer. Dann kommt die Temperatur und tanzt mit dem Meer und Venedig will da nicht mitmachen. Aber am Ende kann es nicht anders und tanzt doch mit den anderen. Oder da sind Leben und Tod und dann kommt Venedig und wird zwischen die beiden geschmissen. Erst tanzt es mit dem Leben und dann auch mit dem Tod. Ein stetiges Ums-Leben-Ringen. Ihre Körper sind teilweise angespannt, mal berühren sie sich zaghaft und in anderen Szenen sind sie umschlungen. Mal sieht man eindeutigere Bewegungen, wie beispielsweise zuckende Körper auf dem Boden, die wie sterbende Fische aussehen, oder ihre Körper sind eindeutig auf der Suche nach etwas. In anderen Szenen fällt es schwer, aus ihnen zu lesen.

Foto: Julia Karl

XR- Video-Art

Der Tanz wird durch eine Multimedia Show an den Wänden begleitet. Zunächst startet sie zaghaft. Es befinden sich projizierte Linien an den Wänden und ein dumpfer Klang erinnert an das Gefühl unter Wasser zu sein. Der Inhalt der Videoprojektion wird immer nahbarer, es werden geometrische Figuren, die an einen Eisberg erinnern oder Bilder aus Venedig gezeigt und die Tänzer:innen nehmen Bezug zu den Bildern. Die schon zu Beginn auf der Bühne vertreilten Holzrahmen, die skelettierte Villen darstellen, werden zu einem großen Gerüst zusammengeschoben, dass ebenfalls an einen Eisberg erinnert. Der inhaltliche Bezug zum Klimawandel und dem steigendem Meeresspiegel ist direkt präsent. Zudem sorgt später József Iszlai mit sphärischer Livemusik für die richtige Stimmung. Die Tänzer:innen tanzen zum Sound seiner E-Gitarre. Besonders hängengeblieben ist die Nutzung von medizinischen Tropf-Säcken. Aus ihnen werden Wassertropfen auf verschiedene Gegenstände fallen gelassen und erzeugen dabei unterschiedliche Klänge, die dann wiederum verzehrt werden, sodass ein außerweltlicher Beat erzeugt wird. Jeder Tropfen bekommt einen Sound und bekommt dadurch Bedeutung. Venedig hängt am Tropf. Es geht immer wieder um das Leben und den Tod.

Fazit

Venedig und der Tod ist für Zuschauende, die sich mit dem Tanztheater noch nie befasst haben, abstrakt, manchmal vielleicht nicht so einfach zu greifen. Doch letztlich läd es ein, sich auf Neues einzulassen, zu entspannen, zu staunen und zu genießen. Es ist eine Gelegenheit, sich einen Abend lang von beeindruckenden Tänzerinnen und einer immersiven Videoprojektion in ein politisches Stück hineinziehen zu lassen und seinen Gedanken und Interpretationen freien Lauf zu lassen.

Weitere Infos und interessante Vorführungen im Orangerie-Theater findet ihr hier.

Performer: Lenah Flaig, Boshi Nawa/Tänzerinnen: Waithera Schreyeck, Lili Oksanen/Regie, Choreografie: Kristóf Szabó/XR- Video-Art: Ivó Kovács/Akustische Wasser-Installation: József Iszlai

Falls ihr mehr über den Künstler Kristóf Szabó erfahren wollt, schaut euch gern mal in diese Interview an:

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