Iranisches Filmfestival Köln – Dizziness (Mangi)

Visions of Iran

Film: Dizziness (Mangi)

Regie: Rasoul Kahani

Genre: Spielfilm

Länge: 81 Minuten

Frohe Nachrichten! Das iranische Filmfestival wurde verlängert. So könnt ihr noch bis zum 27.06.2021 Filme ausleihen. Filmfestival von Zuhause hat was! Hier folgt eine weitere Rezension, dieses Mal über den Film Dizziness von Rasoul Kahani.

Der Film handelt von einem Beziehungsdrama*. Die Protagonistin Parisa fordert von ihrem Ex-Mann Hamid ihre Mitgift zurück. Dieser hat Schulden bei ihrem Bruder und bereits eine neue Freundin namnes Azadeh, die schwanger ist. Hamid will dieses Kind jedoch abtreiben, aber beansprucht das Sorgerecht für das gemeinsame Kind mit Parisa. Nachdem Parisa Hamid monatelang nicht erreichen konnte, reist sie mit ihrem Bruder an, der sein an Hamid geliehenes Geld zurück verlangt. Ein scheinbar einfaches Unterfangen, welches jedoch an Bedeutung verliert. Denn mit Verlauf des Films rücken die Geheimnisse der Charaktere in den Vordergrund. Diese scheinen Hintergedanken zu haben und nur die halbe Wahrheit zu erzählen. So leistet Parisa Azadeh Beistand, ohne zu wissen, dass das Kind seins ist. Es bleibt unklar, was das eigentliche Anliegen der Charaktere ist, die Frage ist jedoch, ob diese selbst wissen, was sie wollen. Denn wie Beziehungen sind auch Menschen unerklärlich.

Kahani zeigt verschiedene Szenen aus den unterschiedlichen Perspektiven. So springt der Film in der Zeit zurück. Aus diesem Grund werden die Akteur:innen stärker beleuchtet und ausgebildet. Die Charaktere entfalten sich, werden jedoch auch geheimnisvoller. Die wichtigen Fragen werden nicht beantwortet, zumindest nicht mit Worten. Hamid antwortet nicht auf die mehrfachgestellte Frage seiner Geliebten, ob er seine zukünftige Ex-Frau noch liebt.

Dizziness hat wenige, unsichtbare Schnitte. Dies fordert sehr gute Schauspieler:innen, da ein guter Schnitt viel verschleiern kann. Es ist außerdem schwieriger ohne gutes Editing Gefühle wie Beziehungen darzustellen und trotzdem gelingt es in Dizziness. Die Kameraführung ist sehr schlicht, wodurch die Zuschauenden sich anwesend fühlen wie stille Beobachter:innen, aber auch in ihrer Schaulust ertappt werden. Der Spielfilm spielt an einem einzigen Ort und erinnert an ein Kammerspiel. So bietet Kahani nicht nur einen Blickwinkel der Szene, sondern durch die Wiederholungen erhalten die Zuschauenden, wie im Theater, die Möglichkeit die Reaktionen und Verhaltensweisen der Charaktere zu jeder Zeit der Szene zu sehen.

Der Film zeigt deutlich, dass menschliche Beziehungen kompliziert und die Perspektiven unterschiedlich sind. Außerdem veranschaulicht dieser, wie Männern die Einsicht für die Perspektive der Frauen fehlt. Es wird nicht deutlich, ob dies die Intention des Regisseurs war. Oder ist dies die Folge einer männlichen Regieführung? Oder liegt es doch an der Perspektive der Zuschauerin? Eins ist sicher, Realitäten und Blickwinkel sind vielseitig, wie auch die Agenda und Gefühle der Menschen. Kahani verbildlicht dies in Mangi deutlich und die Schauspieler:innen wissen dies gut umzusetzen.

*Beziehungsdrama wird hier als Genrebezeichnung verwendet. Der Film handelt von den vielseitigen Beziehungen der verschiedenen Charaktere zu einander, die komplex und hintergründig sind. Psychische wie physische Gewalt in Beziehungen sind keine Beziehungsdramen!

Bilder: Rasoul Kahani

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