Die Zeit zur Revolte ist gekommen – Vulva segne euch!

Frauen und Männer revolutioniert! Es gibt noch so vieles für die Gleichstellung der Geschlechter zu tun. Welchen sexistischen Situationen einer Frau in ihrem Leben leider auch im 21. Jahrhundert immer noch begegnen, davon gibt uns das feministische Theaterstück REVOLT. SHE SAID. REVOLT AGAIN. von Alice Brichs im freien Werkstatt Theater in Köln einen Einblick und lässt viele der Zuschauer verblüfft und etwas sprachlos aus dem Saal gehen.

Über Dating und Sex

Auf der Bühne sitzen vier junge Frauen, sie spielen eine Dating-Situation nach: Während die Frau über politische Themen redet, kann sich der Mann kaum konzentrieren und denkt daran, sein Gegenüber auszuziehen und flachzulegen. Zuerst hält er die Vorstellung darüber für sich doch dann sprudeln es nur so aus ihm heraus. Es sind die offen ausgesprochenen anzüglichen Gedanken, die dem Publikum ein unwohles Gefühl geben. Soll oder darf man darüber lachen? Die Sprachwahl macht es kaum möglich, ist sie doch so plump und unangemessen für die Situation. Macht es einen Unterschied, ob ich der Frau befehle, sie solle die Beine auseinander spreizen, oder ob sie entscheidet, sich auf den Mann zu setzen? Kann nicht mal der Mann seine Beine spreizen? – Wie bitte, der Mann? Das Stück macht sehr schnell deutlich, dass kleine Unterschiede eine große Wirkung haben. Die Szene, die immer absurder wird, endet damit, dass in der ersten Reihe das Publikum mit einer Vulva und einer Handbewegung, die man aus der Kirche kennen mag, gesegnet wird. Schmunzelnd stellt man fest, dass die Thematik zwar ernst ist, die Umsetzung auf der Bühne aber durchaus versucht durch Übertreibung zu kommunizieren.

Beruf und Körper

Frauen gebären Kinder, dafür sind sie da und das wollen sie alle, früher oder später – Das ist die Meinung des Chefs. Dabei geht es der Frau doch um was ganz anderes, sie will doch eigentlich nur den Montag freihaben. Anstatt zuzuhören, was sie sagt, gehen dem Mann nur veraltete Gender-Klischees durch den Kopf. Sie will bestimmt bald in den Mutterschaftsurlaub, dann müssen wir wieder einen Ersatz suchen. Sie ist doch bestimmt nur schlecht gelaunt, hat Stimmungsschwankungen, vielleicht will sie einen Schokoriegel, alle Frauen wollen doch einen Schokoriegel. Aber sie will keinen, sie will ernst genommen werden und ist sichtlich genervt davon, dass sie auf ihr biologisches Geschlecht reduziert wird. In dieser Szene gelingt es den Schauspielerinnen in zwei Rollen gleichzeitig zu schlüpfen und anhand dessen, die Klischees zu überschneiden: Während der chauvinistische Chef in dieser Szene mit überkreuzten Beinen und etwas höherer Stimme gespielt wird, sitzt die Frau zurückgelehnt, die Beine breit auseinander und spricht mit einer etwas tieferen Stimme. So spielt die Situation mit einer Frau, die in dieser Szene fast überlegen, aber genervt scheint.

Nicht nur im Berufsleben scheint mit dem weiblichen Körper eine Voraussetzung geschaffen zu sein, die das Leben bestimmt. Sexuelle oder sexualisierte Gewalt geht in den meisten Fällen vom Mann aus. Die Frauen wollen sich das nicht länger gefallen lassen und rufen zur Revolte auf, keiner will sich besitzen lassen. Sie gehen durch die Reihen des Publikums und machen deutlich: Sie fordern die gleichen Rechte wie Männer, wollen sich nicht benutzen lassen und der Sex gehört ihnen. Die Zeit ist gekommen, sich vom Patriarchat zu lösen, von sexistischen Verhalten zu verabschieden und laut zu werden.

Weitere Spieltermine: 8., 9. Februar / 6., 7. und zum Welt-Frauentag am 8. März 2020, jeweils 20:00 Uhr

 Beitragsbild: Nina Gschlößl

Ein Gedanke zu “Die Zeit zur Revolte ist gekommen – Vulva segne euch!

  1. Ich finde es gut, wenn sowas aufgeführt wird. Das Problem ist aber, dass es nix bewirken wird. Aus dem simplen Grund, dass jeder Mann mit Datingerfahrung diese Geschichte selten kennt. Vielleicht ist das ja ganz gut, wenn man es sieht, hier so gelesen wirkt es sehr flach.
    Die Frau will über Politik reden, er sie nur flachlegen…? Ja, gibt es gewiss. Zuvorderst aber eben in den Köpfen der Frauen. Man kennt das, sie sagt das gleiche wie er, aber bei ihm ist es Übergriff, bei ihr symbolisiert es Stärke.
    Mag ne Typenfrage sein, aber ich hatte zu viele Dates in meinem Leben. Mir wurde dabei klar, dass Frauen in Sachen Sex etwas anders vorgehen, anders reden (wollen, müssen). Aber ansonsten keine Ankalge möglich ist, von keiner Seite zur andern.
    Werdet aktuell, wir haben 2020, der Stoff da oben liest sich wie 1953. Beide wollen Sex oder keienr will Sex und an der Kommunikation scheitert es, a versteht b nicht.

    Aber den Kram da oben, ne, dafür sind die meisten Kerle inzwichen zu weit. Und die meisten Frauen auch.

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