Boring Trope, but okay…

: SPOILER ALERT : SPOILER ALERT : SPOILER ALERT : SPOILER ALERT :

Ich spoiler hier viel, also wer Joker (2019), Thor Ragnarök (2017), Red Dragon (2002), In the Shadow of the Moon (2019), Star Wars (alle Teile), Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019), Not another Teen Movie (2001) She’s all that (1999), The Ugly Truth (2009) noch nicht gesehen hat und ungespoilert sehen will, bitte hier aufhören zu lesen!

Boring Trope 1: Böser Junge, schlechte Mutter

Also. Vor einiger Zeit war ich im Film Joker mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle unter der Leitung von Todd Phillips. Nach etwa einem Drittel des Filmes, als klar war, was für eine komische Beziehung Arthur zu seiner Mutter hatte und wie er langsam in Gesellschaft und Wahnsinn absackte, wurde mir klar: Der bringt seine Mutter um. Logische Schlussfolgerung, ab irgendeinem Punkt muss er mit seinem alten Leben abschließen, um als Joker neugeboren werden. Die Mutter wird ja offensichtlich verantwortlich gemacht dafür, dass er misshandelt wurde als Kind, und muss deswegen sterben.* Wissen wir doch alle, dass die Mütter immer an den Vergehen ihrer Söhne (und zum Teil Töchter) Schuld sind. Als das dann tatsächlich passierte, war ich irgendwie enttäuscht. Vielleicht weil ich es schon vorhergesehen hatte, vielleicht auch ein bisschen, weil ich es eine langweilige Trope fand.

*Mich stört vor allem daran, dass es Arthur vollkommen egal zu sein scheint, wer ihn misshandelt hat und auch die Tatsache, dass die Mutter ganz offensichtlich auch von dem Typen misshandelt wurde…

Gif von Tenor.com

Was ist nochmal eine Trope?

Mit langweiliger Trope* meine ich, wenn Filme (andere Werke machen das allerdings auch) ein Motiv verwenden oder ein Handlungsablauf, die es entweder schon tausend Mal gab oder die einfach sehr lausig erklärt werden. Wenn man etwa denkt, dass der Held (oder die Heldin) am Ende des Filmes tot ist – oh nein! – und dann, (wie) durch ein Wunder doch lebt und alles nochmal gut ausgeht. Denn – und das wissen wir ja alle – wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

*Die offizielle Definition nach tvtropes: „A trope is a storytelling device or convention, a shortcut for describing situations the storyteller can reasonably assume the audience will recognize. Tropes are the means by which a story is told by anyone who has a story to tell.“

Okay, das ist jetzt wahrscheinlich sehr despektierlich jedem Disney-Film gegenüber und die lass ich da jetzt auch mal aus, weil man das da ja erwartet. Aber es gibt einige andere „boring tropes“, über die man meinen würde, dass wir in der heutigen Gesellschaft schon hinüber sind. Hier ein paar Highlights:

Boring Trope 2: Ups, K.O. gehauen

Der Held (oder die Heldin) wird K.O. gehauen, damit man einen Teil der Handlung überspringen kann und beim interessanten Teil wieder einsetzen kann. Im Grunde geht es darum, zur nächsten Szene zu springen. Mich hat es immer gewundert, da die Held*innen keinerlei Gehirnerschütterung oder ähnliches davon zu tragen scheinen, dass ihnen mit wahlweise einer Schaufel, dem Griff einer Pistole oder ähnlichem auf dem Kopf gehauen wird. Nachdem ich es dicht hintereinander bei Farscape: Verschollen im All und bei Thor: Ragnarök gesehen habe, fand ich es ziemlich langweilig und faul und fragwürdig… Naja, vielleicht kann man das bei Thor noch mit seiner göttlichen Abstammung erklären…

Hier einer der mehreren Fälle, in denen Thor umgehauen wird – ich meinte eher den Ausschnitt, wo sie ihn tasert – hab den aber gerade nicht gefunden (prime research, I know) | Quelle: Giphy

Boring Trope 3: Geek to Chic

Das ist vermutlich eine Trope, von der alle schon gehört haben, die genug Leute doof finden und das auch schon ne ganze Weile. Das vermutlich beste Beispiel dafür ist The Ugly Truth mit Katherine Heigl und Gerard Butler. Wohlgemerkt mochte ich den Film 2009, als er rauskam und ich noch jung und unwissend über Tropes war. Ein schonungsloser Late Late Night Moderator verhilft einer prüden und feministischen (?) Fernsehredakteurin endlich zu einem Date. Dafür gibt es ganz einfache Tipps wie Push-Up BHs, Extensions für die Haare (damit der Typ was zum Festhalten hat), lautes Lachen über jeden dummen Witz und so weiter. Und siehe da, aus der unfreundlichen Frau wird auf einmal eine charmante Lady. Eigentlich schon traurig, dass dieser Film diese Trope noch so unreflektiert wiedergibt, wenn es bereits 2001 den wundervollen Klassiker Not another Teen Movie (der seinerseits She’s all that von 1999 parodierte) gab, mit einer interessanten Transformation des hässlichen Entleins in einen wunderschönen Schwan. Kurzgesagt, boring Trope.

Eine wundersame Transformation von einem unscheinbaren Mädchen in eine wunderschöne Frau (Not another Teen Movie)

Boring Trope 4: Die Balance zwischen Gut und Böse

Das wohl bekannteste Beispiel für die Balance von Gut und Böse ist wohl Star Wars. Wenn die dunkle Seite Übermacht hat, werden auf einmal mehr Jedis geboren, die für die gute Seite kämpfen und so weiter. Aber irgendwie bedeutet das in diesem Filmen immer, dass die gute Seite die böse Seite komplett auslöschen will. Also auch wenn die Jedis für die Balance der Macht kämpfen, so versuchen sie doch, immer alle auf der dunklen Seite zu zerstören… Irgendwie wird also suggeriert: Die Balance zwischen gut und böse ist erreicht, wenn es keinen von den Bösen – oder der dunklen Seite der Macht – mehr gibt. Klingt irgendwie nicht so balanciert… Vor allem, wenn man bedenkt, dass auch „gute“ Menschen böse Taten begehen können und umgekehrt (das haben wir ja irgendwie auch in Finn, der die Seiten wechselt). Sobald man allerdings auf der guten Seite ist, sind diese bösen Taten, zumindest bei den Protagonist*innen gerechtfertigt (wie einem kompletten Todesstern* zu zerstören, der auch eine ähnliche Population wie ein Planet hat). Ich finds irgendwie interessanter, wenn Charaktere nicht in einem binären System von gut und böse eingeordnet werden und es mehr Charaktere gibt, die nicht für ein größeres Böses/Gutes handelt, sondern einfach nach ihrem eigenen Gesinnen.

*Schon auch sehr schlechtes Marketing von den Siths, dass sie den Todesstern so genannt haben, würde ich sagen… Das hätte man auch Positiver formulieren können..

Quelle: Giphy

Boring Trope 5: Frau ist dagegen, dass Mann geht

Interessanterweise folgen die Filme Red Dragon und In the Shadow of the Moon zu Beginn einem sehr ähnlichen Schema. Beide Protagonisten sind Cops mit einer kleinen Familie (Will Graham in Red Dragon mit Frau und Sohn und Thomas Lockhart in In the Shadow of the Moon mit schwangerer Frau). Beide brechen für einen voraussichtlich gefährlichen Job auf: Graham, weil er sich einen Serienkiller fassen, Lockhart, weil er in einer sehr gefährlichen Stadt arbeiten soll. Ihre Frauen scheinen gegen ihren Einsatz und das Weggehen aus der Familie zu sein. Sie raten ihrem Mann, das nicht zu tun, weil dann (wieder) was Schreckliches passiert. Beide werden Recht behalten und damit sieht man mal wieder, dass Frauen immer Recht haben. Ende. (Haha, Scherz) Die Männer tun die Sorgen ihrer Frauen ab, denn die Pflicht ruft. Die Pflicht und der Ehrgeiz der Männer sind dabei größer als die Sorge der Frauen. Das ist natürlich einerseits der Ruf des Abenteuers, dem die Abenteurer nachgehen. Schließlich ist Heim und Herd den Frauen vorbehalten und der Mann gehört nach draußen. Er lebt das ideologische Ideal des unperfekten Mannes, der in seiner Arbeit gefangen ist, die ihn komplett erfüllt und zu mehr macht. Dass Frauen natürlich nicht verstehen, dass man auch Opfer bringen muss für sein Land und die Leute darin. Wenn es dann an die Frauen geht, wenn die Täter die Familie ins Schusskreuz nehmen, kehren die Männer am Ende ihres Abenteuers geläutert nach Hause zurück und retten schließlich auch noch ihre Familie. Tosender Applaus. Fand ich ziemlich schnell langweilig.

Quelle: Giphy

Boring Trope n: Fazit

Tja, jetzt erfülle ich selbst eine boring trope und schreibe noch ein Fazit zu der Sache… Habt ihr jetzt auch alle erwartet, was? Im Grunde will ich nur sagen, was ich nicht so geil finde. Es gibt auch viele Tropes, die richtig gut sind und gut eingesetzt werden. Manche Filme spielen ja auch mit den Erwartungen der Zuschauer*innen und erfüllen dann eben nicht die Tropes.

Honourable Mention in der Richtung war der Film von Caroline Link Als Hitler das rosa Kaninchen stahl. Das ist ein deutscher Film, der jetzt zu Weihnachten erschienen ist, auf Basis des gleichnamigen Buches von Judith Kerr. Es ist eine der Geschichten, mit denen ich (auf Schallplatte) groß geworden bin und es geht um eine Familie, die vor den Nazis durch Europa flieht. Und der Film spielt die ganze Zeit mit der Ankündigung von Tropes, die er einfach nicht erfüllt. So unerwartet und dann auch mal gut!

Das wars jetzt aber. Ich hoffe, dass sich so langsam immer mehr Tropes entwickeln, die noch nicht so ausgelutscht sind, wie ein paar der langweiligen Tropes, die ich so genannt habe. Ist natürlich auch meine persönliche Meinung – welche Tropes findet ihr langweilig?

P.S.: Wer sich durch eine fabelhafte und unendliche Liste an Tropes ackern will, um herrliche Schätze zu finden, dem empfehle ich: https://allthetropes.org/wiki

3 Gedanken zu “Boring Trope, but okay…

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