Oh, ich will jetzt gleich König sein!

Wer hat den Satz automatisch mitgesungen? König der Löwen, ein Film, der aus unserer Generation gar nicht weg zu denken ist. Dennoch kamen mir beim Kinobesuch der Live Action Verfilmung einige Fragen auf.. Ok, ich muss gestehen, den originalen Disney Film habe ich gar nicht so oft gesehen, dafür konnte ich aber die Kassette zum Film auswendig.

Aber zurück zum Kinobesuch. Es ist genau diese Stelle, die diesen süßen und großartigen Song hervorbrachte. Simba kann es gar nicht abwarten König zu werden und verhält sich wie eine verwöhnter Prinz, welcher keine Grenzen kennt. Simba legt nicht nur in dieser Szene eine Einstellung an den Tag, nach der auch viele Privilegierte in unsere Gesellschaft handeln. Mit privilegiert ist hier vor allem männlich, weiß, hetero gemeint.

Die Welt gehört ihnen, der Job sowieso, Konsequenzen gibt es nicht und warum sollte Man(n) auf andere Menschen Rücksicht nehmen. Kerle gehen mit einer ganz anderen Einstellung eine Sache an als Frauen, einfach weil sie es können. #boyswillbeboys Tja, Sorry aber #girlswontbegirls.

Wir befinden uns in einer Zeit in denen es vielen, meist weiblichen, Mitmenschen auffällt, dass es Unterschiede gibt und Sexismus auf der Tagesordnung steht. Die Versuche, es den Anderen zu erklären, enden oft in wütender Kritikunfähigkeit.

Simba zieht Konsequenzen aus seinem Handeln und wird bestraft. Es ist natürlich sehr unglücklich, dass seine Bestrafung den Tod seines Vaters bedeutet. Die Erkenntnis, dass das Verhalten des jungen Simbas schlimme Konsequenzen hat, schwappt leider nicht auf die Zuschauer über. (Ja, hier wird mit Absicht nicht gegendert.) Auch im wahren Leben (was auch immer das ist), beneide ich die meist männlichen Mitbewohner auf ihre scheinbare Unbezwingbarkeit, welche sie erst Mal nicht verlieren.

Warum auch? Am Ende wird nämlich wer König und gefeiert? Ja, genau! Simba. Und Nala darf seine treue Königin werden. Thanks. Á la „Der braucht nur mal ne Freundin.“ oder „Er muss nur mal die richtige Frau finden.“, was auch immer eine richtige Frau sein mag. Warum müssen die Partnerinnen den Elternersatz spielen? Die kriegen ihr Leben schließlich auch allein und selbstständig in den Griff. Die Beziehung zwischen Nala und Simba zeigt weitere Problematiken (abgesehen davon, dass sie anscheinend Halbgeschwister sind), die in unserer Gesellschaft leicht wieder zu finden sind. Schauen wir uns einmal folgende Konversation an:

Simba: {Arrogantly} I… am a genius.

Nala: Hey, Genius, it was my idea.

Simba: Yeah, but I pulled it off.

Nala: With me![1]

Ich meine, Hallo?! No further explaining needed, right?

Wer ist die ganze Zeit beim Rudel, versucht es zu retten und wird davon abgehalten? (Nala) Und wer überredet Simba überhaupt, zurück zu kommen?(Nala) Und wer darf nachher auf einem Stein stehen und brüllen? (Simba)

Ja klar, Löwinnen können wahrscheinlich nicht so laut brüllen aus biologischen Gründen.. glaube ich auch..

Die Argumentation, dass es nur ein Kinderfilm sei, es sich um Tiere dreht und nicht die Realität widerspiegelt ist nahe liegend, aber nicht zutreffend. Natürlich sollte nicht alles auf die goldene Waage gelegt werden, dennoch ist es eine Tatsache, dass selbst in Kinderfilmen und – Serien Mädchen deutlich unterrepräsentiert sind, ganz zu schweigen von weiteren Minderheiten oder sogar Intersektionalität.[2] Wenn sie repräsentiert werden, dann meistens nur in spezifischen Stereotypen, wie Frauen zu sein haben. Nala, dafür ein gutes Beispiel, die als ständige Unterstützerin Simbas fungiert.

Wir können froh sein, dass Disney nun Filme produziert, die starke Mädels zeigen, deren Ziel es nicht ist einen Prinzen zu finden und diesen zu unterstützen, sondern ihre eigene Freiheit. (siehe Moana oder Frozen) Aufgrund solcher Rollenvorbilder, bekommen nicht nur Mädchen die Chance auf eine vielfältige Repräsentation, sondern auch Jungen haben die Chance sich mal nicht nur in Jungen hineinversetzen zu müssen.

Checkt doch mal in eurem Freundeskreis, wie viele Kerle sich Serien mit weiblicher Hauptrolle anschauen, ich vermute es sind recht wenige, außer natürlich ihr habt echt coole Freunde. Vielleicht ist in zwanzig Jahren dann Serien mit einer starken, weiblichen Hauptrolle keine Kategorie mehr, sondern normal.

Auf die Zukunft und darauf, dass zukünftige Generationen nicht mehr darüber nachdenken müssen, ob das jetzt nur ist, weil sie eine Frau sind.

PS: Ich weiß nicht, ob es euch auf aufgefallen ist, aber Zazu ist der Neville von König der Löwen.


[1] The Lion King, Walt Disney, 1994

[2] https://www.ted.com/talks/kimberle_crenshaw_the_urgency_of_intersectionality?language=de

Bild: Disney

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