Rezension: „We Love you, Bunny“ von Mona Awad

Der erste Roman der Reihe, “Bunny”, der kanadischen Autorin Mona Awad wurde zum Tik Tok-Phänomen – völlig berechtigt, wie ich finde. Die Geschichte um die vier Frauen, die sich Bunnys nennen, und seltsame Dinge mit Kaninchen und Äxten tun, hat mich fasziniert und hervorragend unterhalten. Mit „We Love you, Bunny“, veröffentlichte die Autorin nun ein Spin-off, das laut Klappentext gleichzeitig Prequel und Sequel zum ersten Teil ist. „We Love you, Bunny“ ist wie sein Vorgänger toll geschrieben und durchaus unterhaltsam. Trotzdem stellt sich mir die Frage: War das wirklich nötig?

Doch erstmal ein paar Worte zum Inhalt

Samantha, die im ersten Roman „Bunny“ von vier Frauen in den unwiderstehlichen Bunny-Kult hineingezogen wird, hat gerade ihren ersten Roman veröffentlicht, in dem sie über ihre Zeit mit den Bunnys schreibt. Bei einer Lesung in Neuengland wird sie von ihren ehemaligen Kommilitoninnen entführt, denn diesen gefällt so gar nicht, wie sie in Samanthas Roman dargestellt werden. Die Frauen halten Samantha auf dem berüchtigten Dachboden fest und erzählen ihr von der Geburtsstunde des Bunny-Kults und allem, was passierte, bevor Samantha dazustieß.

Meine Meinung

Ich liebe Mona Awads Schreibstil. Der einzigartige, düstere, atmosphärische Stil hat schon „Bunny“ zu etwas besonderem gemacht. Auch „We Love You, Bunny“ lebt von der besonderen Art, die Charaktere und Schauplätze zu beschreiben und die hübsche, ordentliche, niedliche Welt der Bunnys mit den gewaltvollen Gedanken und Geschehnissen in dem Roman zu verbinden.

Indem die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der vier Bunnys erzählt wird, bleibt der Stil abwechslungsreich und wir als Leser*innen erfahren mehr über das individuelle Innenleben und den Charakter der Frauen. Im Vergleich zum ersten Teil, in dem wir den Charakteren nur aus Samanthas Perspektive begegnen, bekommen die vier Frauen so mehr Tiefe und einen ganz eigenen Charakter. Interessant ist, dass jede der erzählenden Figuren eine unzuverlässige Erzählerin ist. So beschreiben die Frauen teilweise dieselben Ereignisse auf unterschiedliche Weise und widersprechen sich gegenseitig, was ich durchaus amüsant finde. Auch ein männlicher Charakter kommt zu Wort, darüber möchte ich aber an dieser Stelle nicht zu viel spoilern.

Dadurch werden auch sehr interessante Dynamiken zwischen den einzelnen Figuren aufgemacht. Im Original-Roman ist zwar schon klar, dass die Frauen zum Teil sehr unterschiedliche Charakterzüge haben, doch sie treten die meiste Zeit als Einheit auf, so als würde kein Blatt zwischen sie passen. In „We Love You, Bunny“ wird die Komplexität dieser Freundschaft nochmal viel deutlicher. Die Erzählung der Bunnys macht klar, dass ihre Freundschaft schon von Beginn an toxisch war und jede von ihnen ihre Individualität, ihre eigenen Wünsche und Meinungen zurückgesteckt hat, um in der Gruppe nicht anzuecken. Das Ganze war auch schon in „Bunny“ ein prominentes Thema, wurde hier aber nochmal sehr detailliert auserzählt. Das empfinde ich zwar einerseits als unterhaltsam und interessant, andererseits blieb so kaum noch Platz für eigene Interpretation.

Insgesamt zieht sich der Roman durch die verschiedenen Perspektiven mit über 600 Seiten etwas. Besonders die Erzählung der männlichen Figur liest sich aus unterschiedlichen Gründen sehr kindlich, was sich irgendwann ein wenig abnutzt. Und auch wenn ich die Geschichte insgesamt unterhaltsam fand, hatte ich am Ende doch ein eher unbefriedigtes Gefühl. Denn der Roman fügt der Original-Geschichte in meinen Augen keinen wirklichen Wert hinzu. Eher erzählt er Aspekte aus, die für die Geschehnisse in „Bunny“ entweder vollkommen irrelevant sind oder die dort zwar angerissen, aber zur eigenen Interpretation offen gelassen wurden. Hier wurde mir als Leserin manches auf die Nase gebunden, was ich nicht wirklich gebraucht hätte.

Fazit

„We Love You, Bunny“ hat mich gut unterhalten und ich fand es spannend, nochmal in die Welt der Bunnys einzutauchen und mehr über die Charaktere zu erfahren. Trotzdem fand ich den Roman eher unnötig, weil er in Verbindung zum Original keinen wirklichen Wert mitbringt. Es fühlt sich an, als wollten Mona Awad und ihr Verlag, den Erfolg von „Bunny“ einfach noch ein bisschen reiten. Trotzdem werde ich weiter mit Spannung verfolgen, was die Autorin in Zukunft veröffentlichen wird.

Danke an btb / Penguin Random House für das Rezensionsexemplar!

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