Storytime: Unsere Wege zum Feminismus

Zum Internationalen Frauentag haben wir unsere Geschichten aufgeschrieben, wie wir zum Feminismus gekommen sind. Wenn ihr euch inspiriert fühl, teilt eure Geschichte gerne.

Theresa: Mit Dekolleté und Butzenbauen zum Feminismus

Wie für viele, ist die Frage, wie ich zum Feminismus gekommen bin, schwierig zu beantworten. Kennt ihr dieses Meme, wo die Lehrerin nach starken Jungs zum Stühle tragen fragt und ein Mädchen dann ganz viele Stühle trägt? Dieses Mädchen war in der Schule immer ich. Ich hab meine Kindheit viel draußen verbracht, im Wald getobt, Butzen gebaut, Völkerball und “Mensch-auf-Erden” (Wer kennt das noch?) gespielt. Trotzdem habe ich die Tage auch immer gerne mit Barbie oder Puppen spielen verbracht. Wenn mein Bruder Lego bekommen hat, war ich neidisch und wollte auch einen Star Wars X-Wing. Egal, wie alt ich wurde, ich setzte mich nie nur mit den Mädchen-konnotierten Sachen auseinander und wehrte mich auch manchmal im Trotz gegen Zuschreibungen. Bewusst Feministin war ich denke ich trotzdem nie. 

Ein Schlüsselereignis kam erst im Bachelor. Das Thema war Medienethik und ich hasste die Kurse dazu. Zu trocken und theoretisch für mich damals. Aber im Seminar mussten alle zu irgendwelchen Unterthemen Referate halten und ich wählte “Frauen in den Medien”. Am Präsentationstag hatte ich einen, für mich eher untypischen, Lauf und hielt eine flammende Rede darüber, dass Angela Merkel für ihren Ausschnitt bei der Oper in Oslo zerrissen wurde und GNTM ein falsches Frauenbild suggeriert. Vor allem überzeugt habe ich mit der Rede wohl mich, denn ab da fing ich an, feministische Texte zu lesen. Das nächste Schlüsselerlebnis kam im Master mit Judith Butler und Gender als soziales Konstrukt. Ich glaube, ich bin schon immer dieser Auffassung gewesen, dass Gender nicht so in Stein gemeißelt ist, wie die Gesellschaft es manchmal suggeriert. Aber der Text von Judith Butler hat Türen in meinem Kopf geöffnet, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie existieren. In jedem Falle, damals, wie heute, bin ich davon überzeugt, dass alle ein Recht auf Rechte, Respekt und Sicherheit haben und das macht für mich Feminismus aus.

Jenni: Vom Cool Girl zur Gender-Tussi

Wann und wie mein Werdegang als Feministin begann, kann ich nicht genau sagen, denn es war eher ein schleichender Prozess. Als Jugendliche war ich noch ziemlich genau das, was manche als “Cool Girl” bezeichnen. “Ich bin nicht wie die anderen Mädchen” und “Mit Jungs kann man viel besser abhängen” waren Sätze, die ich regelmäßig gesagt habe. Ich hatte auch viele Freundinnen und bin mit einigen meiner Schulfreundinnen auch heute noch sehr eng befreundet (falls ihr das lest, ich liebe euch), allerdings habe ich mir viel darauf eingebildet, dass ich für die Jungs meiner Schule ein “Bro” war. Ein hübscher Bro, der sich ständig sexistische Sprüche geben musste, versteht sich. Die Sprüche haben mich natürlich nicht gestört, denn ich war ja ein total unkomplizierter Bro, der Spaß versteht. Die perfekte Robin Scherbatsky aus How I met Your Mother. Dass ich im Club selten für meine eigenen Drinks zahlen musste, habe ich immer nur als Vorteil empfunden. Als ich dann zum ersten Mal mit Slutshaming konfrontiert war, dämmerte mir allerdings langsam, dass da vielleicht doch nicht alles so rosig ist, in meiner Cool-Girl-Welt. 

Da war meine Schulzeit aber auch schon zuende und ich begann mein geisteswissenschaftliches Studium. Ich erinnere mich noch, dass ich in meinem ersten Bachelorsemester mit einem Freund über gendergerechte Sprache redete. Aus voller Überzeugung sagte ich zu ihm “Sowas ist mir egal, ich bin nicht so eine Gender-Tussi”. Ufffffff…

Wann das Umdenken kam, weiß ich nicht mehr. Das Studium war für mich eine Zeit, in der ich vieles hinterfragt und für vieles sensibilisiert wurde. Ich habe viel gelesen und mich mit vielen Konzepten beschäftigt. Und irgendwo auf diesem Weg fiel mir wahrscheinlich auf, dass Gleichberechtigung gar nicht mal so uncool ist. Dass ich gern selbst meine Drinks bezahle, wenn ich dafür keine Angst auf dem Heimweg haben muss. Dass ich lieber selbstbestimmt sein will, statt locker und unkompliziert. Heute weiß ich, dass mein Teenager-Ich vielleicht gar nicht so cool war, wie ich damals dachte (andererseits, wessen Teenie-Ich ist das schon?). Und ich bin froh, dass ich heute aus voller Überzeugung sagen kann: “Doch, ich bin genau so eine Gender-Tussi”.

Valeska: Die Spätzünderin

Ich gebe es zu: Bei mir setzte das Bewusstsein für Feminismus erst spät ein – nämlich mit dem Start ins Berufsleben. Natürlich habe ich mir schon vorher Gedanken zum Thema Gleichberechtigung gemacht, aber ich habe tatsächlich lange gebraucht, um diese Dinge selbst zu erleben. Meine Mutter war immer berufstätig und führt seit vielen Jahren ihr eigenes Team. Auf dem Gymnasium war ich auf einer Mädchenschule und hatte die Chance, mich für Fächer wie Mathe, Physik oder Chemie auszuleben. Ein “Das können Jungs besser” gab es dort nie – ich konnte es trotzdem nur so mittelmäßig. In meinem medienkulturwissenschaftlichen Studium gab es nur eine handvoll Kommilitonen – also auch hier: Wir Frauen konnten alle Themen umsetzen, hatten weibliche Professorinnen als Vorbilder und lasen Texte von weiblichen Autorinnen. Mein Bücherregal ist voll von weiblichen Schriftstellerinnen: Die Heldin meiner Kindheit: Conni – das Mädchen mit der Schleife im Haar und dem Ringelpulli und Meggie aus Tintenherz. Ich war quasi in meiner Jugend und in den 20er Jahren nur von starken Frauen umgeben. Das richtige Bewusstsein für feministische Themen trat erst mit dem Einstieg ins Berufsleben ein. Ich suchte nach einer passenden Stelle – fand allerdings nur Ausschreibungen für Referenten, Mitarbeiter, Manager – also nur mit männlicher Form. So richtig angesprochen fühlte ich mich davon nicht… Auch beim Thema Gehalt war ich mir unsicher: Was kann ich überhaupt fordern? Bin ich gut genug für die Stelle? Ich fühlte mich zum ersten Mal nicht mehr gleichberechtigt. Männer gehen sicher schon viel selbstbewusster ins Rennen um den passenden Job. Mir fehlte dieses Selbstvertrauen im beruflichen Kontext. Gleichzeitig zur Jobsuche fing ich an für Populärkollektiv zu schreiben. Hier befasste ich mich intensiv mit feministischen Themen und gendergerechter Sprache. Plötzlich fiel mir auf, wie wichtig diese Themen sind – und schämte mich dafür, meine Masterarbeit noch im generischen Maskulinum geschrieben zu haben. Gerade durch unseren Blog weitere sich mein Blick und ich schaute nun mit anderen Augen auf mein Alltag. Hier erlebe ich allerdings oft noch verschränkte Arme und eine sehr traditionelle Haltung, wenn es um das Thema Gleichberechtigung geht: Viele meiner Kolleginnen arbeiten in Teilzeit, bleiben zu Hause, wenn die Kinder krank sind und sind nicht unbedingt Fans der gendergerechten Schreibweise. Auf der Arbeit kämpfe ich deshalb aus voller Leidenschaft darum, dass verstanden wird, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und wir alle Personen ansprechen sollten – bislang leider erfolglos. Was mir beim Thema Feminismus hilft sind starke Vorbilder: Egal ob prominente Beispiele wie Vera Marie Strauch oder persönliche Kontakte wie meine Mutter, meine Mit-Autorinnen bei Populärkollektiv oder Blogs wie Boob Books oder Podcasts wie Katzentisch. 

Kim: Es ist nicht nur ein Wort

Die Frage nach dem Feminismus hat für mich sehr viel mit Sprache zu tun. So haben wir in meinem Elternhaus etwa von klein auf gelernt, dass „schwul“ und „behindert“ keine Schimpfwörter sind. Und es war immer klar, dass für Frauen und Mädchen die weibliche Form verwendet wird, also gegendert auf niedrigster Stufe. Daher wurde das am Abendbrottisch auch direkt immer verbessert, wenn jemand doch falsch das Maskulinum verwendete, und noch heute ist die einzig akzeptable Reaktion darauf zu sagen: „Klugscheißer!“ und zu antworten: „KlugscheißerIN, bitte!“ Trotzdem kann ich mich nicht entsinnen, dass wir viel explizit über Feminismus geredet haben, auch wenn meine Mutter schon früher die EMMA gelesen hat und sie mir regelmäßig hinlegte. Da sie selbst sich schon viel länger als feministisch bezeichnen würde als ich mich, hat sie mir definitiv sehr viel bereits mit auf den Weg gegeben. Von daher denke ich, einen Sinn für Gleichberechtigung hatte ich schon immer. 

Mich aber wirklich tiefgehend mit dem Konzept von Feminismus beschäftigt habe ich erst für meine Bachelorarbeit. Die habe ich nämlich über den feministischen Online-Buchclub von Emma Watson, Our Shared Shelf, geschrieben und dafür dann sämtliche Bücher, die in diesem Buchclub gelesen worden waren, verschlungen und seitdem nicht mehr aufgehört, feministische Literatur zu lesen. Ich habe auch seitdem kein Problem mehr, mich selbst als Feministin zu bezeichnen. Ich sehe durchaus immer noch, warum viele den Begriff nicht mögen, und ich habe gegenüber manchen Ansichten auch definitiv Vorbehalte. Aber das nach meiner Auffassung hinter Feminismus liegende Verständnis der Welt hat für mich so viel verändert. 

Ich habe seitdem endlich Worte, die begreiflich machen, was für mich in der Jugend eher immer ein diffuses Gefühl war, was vor allem im sozialen und gesellschaftlichen Leben nicht stimmte oder mich störte. Germany’s Next Top Model habe ich schon immer aus anderen Gründen nicht geschaut, aber meine Abscheu für das Format ist natürlich jetzt viel fundierter erklärbar. Ich verstehe, warum es nicht ganz unproblematisch war, dass ich Tanzmariechen sein wollte, wenn meine Eltern gehofft hatten, dass die Das-Kind-kann-alle-Hobbies-haben-die-es-will-Einstellung bedeutete, dass ich in den Fußballverein gehe. Hiermit sorry, Mama, dass du auf so viele Alt-Herren-Karnevalsveranstaltungen gehen und dir die sexistischen Witze geben musstest. Ich kann auch viel besser greifen, warum es mich so unfassbar wütend machte, als in meiner damaligen Studienstadt Freiburg nach der Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin, man hauptsächlich zu hören bekam, dass Frauen doch jetzt bitte Pfefferspray bei sich tragen, nie allein und schon gar nicht im Dunkeln draußen laufen und in Selbstverteidigungskurse gehen sollten. 

Ich würde sagen, ich war nie unsensibel, aber seit ich den Feminismus wirklich für mich entdeckt habe, bin ich sehr viel aufmerksamer noch für meine Mitmenschen und meine Umgebung. Und ich finde es toll zu sehen, wie dieses Bewusstsein bei mir und aber auch bei so vielen anderen stetig wächst und sich wandelt. Denn bekannterweise lernt man ja nie aus.

Alike: Die-Salz-in-die-Wunde-Streuenden

Ich kann mich an einen kurzen Witz aus Kindheitstagen erinnern, über den ich als junges Mädchen gelacht habe. Zwei Feministinnen sitzen beim Frühstück. Sagt die eine zur Anderen: “Kannst du mir mal bitte die Salzstreuerin geben?”. Ende. Als Kind hat mir das auf jeden Fall einen Lacher entlockt. Heute erzeugt der Witz bei mir ein seufzendes Augenrollen, weil ich mich a) bei Feministinnen mitgemeint fühle, b) Witze übers Gendern wirklich so einen Bart haben und c) der Witz damit für mich in Summe kein Affront, aber halt auch einfach nicht lustig ist.

Feministischer Werdegang ist meiner These nach immer eine Mischung aus persönlichen und gesellschaftlichen Faktoren. Das könnte ich jetzt schön mit Quellen und Querverweisen verargumentieren. Aber heute soll es ja darum gehen, wie es bei uns persönlich war. Mein eigener Weg zum Feminismus ist tatsächlich ein gutes Beispiel dafür. 

Bei mir hat es nämlich sicher viel damit zu tun, dass ich schon immer einige Dinge nach dem “jetzt erst recht”-Prinzip gemacht habe. Das galt für explizite Verbote: “Nicht so viel Fernsehen schauen!” Jetzt erst recht! Aber es galt auch für Annahmen, die ich eher unterschwellig wahrgenommen habe, wie z.B. “Mädchen klettern nicht auf Bäume.” Das hat mir keiner so explizit gesagt, aber verstanden habe ich diese Rollenerwartungen trotzdem. Und ich dachte mir “Jetzt erst recht!” Mir war auch als Kind durchaus bewusst, dass es dabei eben genau um meine Rolle als weibliche Person und nicht um mich als Individuum ging. 

Schon als junges Mädchen habe ich stolz verkündet, dass mein zukünftiger Ehemann mal für mich kochen wird und abends vor dem Einschlafen habe ich davon geträumt, eine furchtlose Seeräuberin zu sein. Das stand auch nicht im Widerspruch zu Wendy lesen oder mit Barbies spielen. Es war einfach eine meiner grundlegenden Handlungsmotivationen, dass ich mich ungern von diffusen Erwartungshaltungen oder expliziten Vorschriften habe einschränken lassen. Ein kluger Freund hat mir vor Kurzem erzählt, dass das in der Psychologie als “Reaktanz” bezeichnet wird. Googelt das mal. And let me tell you, diese Haltung hat mir durchaus auch schon Probleme verursacht.

Im Gegensatz zu heute habe ich aber als Kind mit Skepsis auf “Feministinnen” geschaut. Ich gewann über meine Kindheit hinweg den Eindruck, dass das wahlweise freudlose Moralapostel (männlich, weil ich damals natürlich keine Ahnung von Gendern hatte) oder hysterische Selbstdarsteller sein müssen. Erst mit meinem geisteswissenschaftlichen Studium und dem Lesen von Stockowski-Büchern und Butler-Texten kam mir dann langsam der Gedanke, dass gerade dieses Bild dem Großteil der feministischen Bewegung überhaupt nicht gerecht wird. Im Gegenteil; mir wurde klar, dass die Witze zum Übereifer von feministischen Personen genau auf den misogynen Rollenannahmen beruhen, die der Feminismus versucht aufzubrechen. Mein Studium hat zwar nicht nur im Bereich von Gender und geschlechtlichen Rollenverständnissen mit einigen internalisierten Annahmen aufgeräumt. Aber es war in dieser Hinsicht auf jeden Fall ein wichtiger Anstoß. Und wie fast jede weiblich gelesene Person kann auch ich mit einem bunten Potpourri an völlig verzerrten Schönheitsidealen, Erfahrungen mit anzüglichen Bemerkungen, ungewollten Berührungen und paternalisierenden Ratschlägen aufwarten. An dieser Gemengelage habe ich mein feministisches Profil geschärft. Da das ganze ein bis heute andauernder Prozess ist, werde ich wohl auch in einigen Jahren noch einiges an Klarheit dazugewonnen haben. Bis dahin streue ich gerne weiter Salz in die Wunden von Alt-Chauvinisten und Möchtegern-Mario-Barths, deren Witze einfach keine:r mehr lustig findet. Aua! 

Katrin: “Doch, du bist eine Feministin!”

“Doch, Katrin, du bist eine Feministin!” Diese Worte sagte meine Schwester zu mir als ich meinte, dass ich mich nicht als Feministin bezeichnen würde. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann das war. Ich vermute während meines Bachelorstudiums. Damals galt die weit verbreitete Denkweise, dass Feministinnen sehr bestimmte Kriterien erfüllen müssen, um so gebrandmarkt zu werden. Dabei waren die Indizien schon früh zu erkennen. Mein aller erstes Lieblingslied, an das ich mich erinnern kann, war “Wenn du denkst, dass du denkst” von Juliane Werding. Das Lied handelt von einer Frau, die in eine Kneipe kommt und die Männer im Skat fertig macht. Die Männer unterschätzen sie natürlich gnadenlos. Skat spielen kann ich mittlerweile und das Lied dient als gute Eselsbrücke beim Reizen. Außerdem war die Schranke mit einem Zwillingsbruder zum Boy’s Club vielleicht auch nicht so hoch. So wagte ich es allein mit dem anderen Geschlecht Fußball oder Flunkyball zu spielen. Generell ob Bruder oder ältere Schwester, was die können, kann ich auch, dachte ich mir als Kind oft. Das war vermutlich der Grund, warum meine Schwester meinte, dass ich eine Feministin bin.

Die Aussage von Ihr hat mich zum Nachdenken angeregt: “Was macht eine Feministin aus?” Emma Watson würde fragen: “Do you want equality among all genders?” Wenn die Antwort “Ja” lautet, trägst du offiziell den Titel Feminist*in. Es ist ein schöner Ansatz, der auch viel Wahres enthält. Leider ist es jedoch komplizierter als das. 

In meinem Leben habe ich ziemlich viele Dinge gesagt und getan, wo ich mich jetzt frage, wie konntest du das tun? Dazu gehört das fast ausschließliche Hören von Männerbands, sowas wie Emotionen als schlecht anzusehen, Gendern musste ich auch erstmal lernen und dann noch dieses ständige Lästern. Trotzdem hätte ich immer die Gleichberechtigung gefordert und die Flagge hochgehalten, ohne die patriarchalen Strukturen zu sehen. Aber das zeigt, dass Feminst*in zu sein kein Zustand ist, sondern ein Prozess. Ich will jetzt nicht sagen, dass es das Gegenteil von leicht ist, aber easy ist es bestimmt nicht. Grund dafür ist die andauernde Reflexion. Dazu gehört auch sich mit den eigenen Privilegien auseinanderzusetzen und an andere zu denken – an Alle zu denken. 

Feminismus dient jedem Menschen – egal welchem Geschlecht, welcher Klasse, welcher Herkunft, Religion, etc. Ich habe mir schon oft gewünscht die sexistischen Strukturen nicht so zu sehen. Zu oft frage ich mich, ist das, weil ich eine Frau bin? Manchmal bestimmt nicht, aber die Frage ist da. Ich habe das Gefühl die Menschen glauben, man macht es aus Spaß oder um sich besser zu fühlen, aber dafür ist man dann doch oft vorsichtig im Ausdruck der eigenen Meinung. Auch wenn ich oft keine Lust mehr habe die Erklärbärin zu spielen, werde ich es weiterhin tun, weil ich ebenfalls auf Erklärbär*innen angewiesen bin. Das nicht nur im Hinblick auf Feminismus, sondern vor allem in anderen Diskursen. I am here to listen. Thanks to all the Explainbears da draußen ❤

Franzi: Feministinnen können auch pink tragen

Seit ich denken kann, bin ich froh und stolz darauf eine Frau zu sein. Klingt für den einen oder die andere vielleicht komisch. Kann man darauf stolz sein? Für mich ist an diesen Worten nichts sonderbar, denn ich höre sie seit ich klein bin von meiner Mutter. Sie bewundert den weiblichen Körper, was er leisten kann, er kann Menschen zur Welt bringen (!) und welche Signale er einem geben kann. Meine Mutter nennt sich nicht bewusst eine Feministin, aber sie lebt die Grundsätze. Ihre feministischen Werte hat sie mir mit auf dem Weg gegeben. Sie hat mir erklärt, dass Frauen oft unterschätzt werden, dass wir aber genauso viel erreichen können wie Männer. Sie hat mir gesagt, dass uns im Beruf oft mehr Hindernisse in den Weg gelegt werden und dass wir uns meist erst beweisen müssen.

Unterschätzt wurde ich schon in der Schulzeit. Damals hat es mir noch manchmal Spaß gemacht, wenn ich mit meinen langen blonden Haaren, rosa Shirt und leiser Stimme unterschätzt wurde und gerade das männliche Geschlecht dann mit schlagfertigen Sprüchen überraschen konnte. Sowas hat man mir oft nicht zugetraut. Noch heute werde ich von rosa Dingen angezogen und Glitzer finde ich auch super. Trotzdem frage ich mich manchmal, was das mit meinem Gender zu tun hat. Oftmals will ich mich von allem abgrenzen, was mich bewusst wie ein kleines Mädchen aussehen lässt. Das war allerdings nicht immer so, als Kind bekam ich immer den rosa Becher und den Blümchen-Badeanzug. Manchmal frage ich mich, ob ich mich schon da von meinen Brüdern abgrenzen wollte, um vielleicht die extra Aufmerksamkeit von meinen Eltern zu genießen. Bei meinem Vater hat es einige Male funktioniert, als seine einzige Tochter habe ich einen anderen Draht zu ihm als meine Brüder und den nutze ich manchmal bewusst.

Früher habe ich also schon gewusst, dass mein Geschlecht mein Verhalten und das von anderen verändert und beeinflusst. Das Gefühl dabei ist ambivalent, mal fühlt es sich gut an, mal nicht. Aber seit ich mich mit feministischen Theorien beschäftige und mit Freunden über ähnliche Geschehnisse und Gedanken spreche, kann ich sie besser einordnen. Früher habe ich immer nur ein Unwohlsein gespürt, wenn ich die negativen Auswirkungen des Patriarchats erlebt habe. Wenn ich in der Schule vom Mathelehrer oder im Job von männlichen Kollegen oder Chefs nicht ernst genommen wurde, wenn ich von Männern unterbrochen oder ungefragt angefasst wurde. Oft habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe oder was ich beim nächsten Mal anders machen kann, damit ich nicht in die gleiche Situation gerate. Heute weiß ich, dass ich viel zu oft bei mir die Fehler gesucht habe und die strukturelle Unterdrückung nicht erkennen konnte. Zum Feminismus kam ich also schleichend, auch wenn ich mich selbst erst seit wenigen Jahren bewusst so nenne.

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