Let’s talk about: Tabus

… mit Jana und Hannah vom Podcast Katzentisch

Heute kommen Tabus auf den Tisch – und zwar auf den Katzentisch. Wir sprechen mit Jana und Hannah über ihren gleichnamigen Podcast. Die beiden kennen sich schon aus Schulzeiten. Beide haben etwas mit Kommunikation studiert – Jana Kommunikations- und Politikwissenschaften und Hannah Communication & Multimedia Design und Wirtschaftswissenschaften. Sie sind leidenschaftliche Sportlerinnen – vor allem draußen. Egal ob Laufen, Rennradfahren, Leichtathletik oder Wandern. Seit diesem Jahr haben Sie einen gemeinsamen Podcast namens Katzentisch. Warum dieser so heißt, warum sie über Tabus sprechen und warum ihre Mütter da auch mitreden möchten, das erfahrt ihr in unserem Interview. Valeska hat mit den beiden gesprochen.

Hallo Jana, hallo Hannah: Gerade läuft die dritte Staffel eures Podcasts Katzentisch. Gestartet seid ihr mit dem Thema Zyklus, dann ging es weiter mit der Arbeitswelt und aktuell sprecht ihr über Frauengesundheit. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass ihr einen eigenen Podcast habt?

Jana: Es ist uns ehrlich gesagt vor die Füße gefallen. Im letzten Jahr haben wir zusammengesessen und über eine Gründungsidee im Bereich FemTech nachgedacht, bei der es primär um den weiblichen Zyklus gehen sollte. Wir haben dann bei einem Start-Up-Pitch in Düsseldorf ein dreimonatiges Gründungscoaching gewonnen. Es war ursprünglich unser Idee, dass wir den Podcast machen, um uns mit dem Thema Zyklus auseinander zu setzen und uns damit auch in dem Bereich zu positionieren.

Hannah: Und wenn ich noch ergänzen darf: Wir haben den Podcast auch genutzt, um zu schauen wie das gemeinsame arbeiten so klappt. Befreundet zu sein, ist das eine, zusammen zu arbeiten, was ganz anderes. Wir wollten also erst mal das Wasser fühlen, bevor wir rein springen.

Jana: Und über den Podcast haben wir festgestellt, dass wir das Thema Zyklus zwar super spannend finden, dass wir uns aber nicht vorstellen können, in diesem Bereich genug Herzblut in eine Gründung reinzustecken. Die Idee zum Podcast kam vor allem von der Idee: Wie stärken wir Frauen? Was sind Frauenthemen? Was sind Frauenthemen, die noch nicht beachtet werden?

Hannah greift hinter sich ins Bücherregal und holt das Buch „Invisible Women“ von Caroline Criado-Perez raus.

Hannah: Das ist der Grund, warum Jana und ich angefangen haben, unsere Freundschaft wieder aufleben zu lassen. Wir haben auf LinkedIn und Instagram gesehen, dass wir viele ähnliche Bücher lesen und gemerkt, dass wir auf einer Welle schwimmen. Im Buch „Invisible Women“ geht es darum, dass die Welt, in der wir leben, eigentlich häufig nur für einen Menschen gemacht ist – und zwar für den Mann. Das fällt in vielen Bereichen auf: In der Medizin, Politik, Wirtschaft und Infrastrukturplanung – also eigentlich alles was man sich vorstellen kann. Die Frau wird dabei häufig nicht sichtbar und das bringt meistens Nachteile. Medizin ist da immer das beste Beispiel: Der klassische Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen häufig durch andere Symptome und die muss Arzt oder Ärztin kennen um im Notfall schnell die Diagnose stellen zu können. Also auch persönlich habe ich vorher vieles einfach nicht gewusst – das Buch ist auf jeden Fall ein Tipp von uns.

Jana: Dementsprechend war das Buch dann auch der Aufhänger: Wir haben zunächst die erste Staffel des Podcasts mit dem weiblichen Zyklus gestartet. Das ist noch immer ein Tabuthema. Da wird noch nicht viel drüber gesprochen. Man weiß nicht viel. Wir wollten unseren Podcast dann aber auch etwas breiter aufziehen und uns weitere Tabuthemen anschauen – quasi alle Bereiche, die auch im Buch beschrieben werden und die wir täglich im Alltag erleben. Bereiche im Leben von Frauen, über die man nicht viel weiß, über die nicht gesprochen wird. Tabuthemen ist manchmal zu weit gegriffen, aber wo einfach noch wenig Wissen vorherrscht. Die zweite Staffel ging dann ums Thema Arbeitswelt.

Nun hat euer Podcast einen ganz besonderen Namen: Warum heißt dieser denn eigentlich Katzentisch?

Jana: Das ist deine Frage Hannah. 😉

Hannah: Wir haben wegen der Gründung schon relativ früh überlegt: Wie soll denn unser Name für das Startup sein? Das war alles gar nicht so einfach, weil man einen Namen braucht, der die Marke repräsentiert, wo aber auch die Domain für eine Website frei ist. Für die Gründung hatten wir dann eine separate Idee. Für den Podcast wollten wir dann einen Namen haben, der alles allgemein abbildet, nicht zu sehr in Richtung Zyklus geht und auch vielleicht nicht das Wort Frauen so plakativ mit drin hat. Über Brainstorming und eine Wörtersuche altdeutscher Begriffe kamen wir dann auf das Wort Katzentisch. Und es ist tatsächlich bei uns in der Familie so ein Begriff, der früher häufig benutzt wurde, weil mein Vater eine sehr große Familie hat. Mit den Cousins und Cousinen mussten wir Kinder früher immer am Katzentisch sitzen. Das war meist ein kleiner Wohnzimmertisch an der Seite des Raumen. So kamen wir auf den Begriff und haben dann überlegt: Woher kommt der denn? Natürlich nicht aus den 1990ern als wir dort gesessen haben, sondern viel früher: 18. und 19. Jahrhundert, wo es in Restaurants oder Festgesellschaften diese separaten Plätze gab, die zum Beispiel für Personal vorgesehen waren und einfach im Abseits platziert waren . Die wichtigen Themen wurden natürlich nur an der großen Tafel besprochen. Der Begriff ist schön, er passt zu uns und so kamen wir auf Katzentisch.

Was sind für euch Tabus? Welchen Tabus begegnen wir regelmäßig?

Hannah: Es gibt viele Tabuthemen, die nicht nur Frauen betreffen, sondern unsere gesamte Gesellschaft. Bei uns ist es jetzt so, dass wir ein paar Jahre im Berufsleben sind und ich habe das Gefühl, dass vor allem in der Arbeitswelt noch viele Tabuthemen vorherrschen. Es ist selbstverständlich, dass wir Frauen heute arbeiten und nicht mehr den Ehemann oder Vater um Erlaubnis bitten müssen. Wenn wir dann aber gerade in die Führungsetagen unserer Wirtschaft schauen, dann begegnen uns dort immer noch ein ungleiches Bild. Wer steigt warum auf? Wie viele Frauen arbeiten an der Spitze? Das ist natürlich branchenabhängig und es ist auch kein Tabu, dass eine Frau da ist. Aber diese Fragen: Wie kommt man da hin? Und unter welchen Voraussetzungen ist das überhaupt möglich? Wenn man da nicht offen drüber spricht, dann ist es schwierig grundsätzlich etwas zu ändern. Tabu ist vielleicht an der Stelle nicht ganz richtig, aber Offenheit und Freiheit über solche Phänomene zu sprechen – die muss es geben. Für uns gehört bei der Diskussion auch dazu, dass solche Themen nicht immer nur im allerengsten Freund*innenkreis angesprochen werden, sondern auch mal in einem lockeren Rahmen beispielsweise bei einem Abendessen.

Das ist ein guter Hinweis. Habt ihr denn konkrete Tipps, wie Tabus aus dieser Tabuzone und dem verborgenen Raum rauskommen können?

Jana: Was wir auch gelernt haben ist, dass jede*r das so machen sollte, wie man sich wohlfühlt. Das ist die erste Grundvoraussetzung. Jede*r hat eigene Grenzen, die sie oder er aus seinem Umfeld gelernt hat, aber auch für sich persönlich setzt. Es ist schwierig über Tabuthemen zu reden. Grundsätzlich sollte man es aber einfach ausprobieren und mutig sein, sowas auch mal anzusprechen. Beim Thema Zyklus haben wir erlebt, dass das alle total triggert und haben ganz viele Rückmeldungen aus unserem Umfeld bekommen. Also unsere Erfahrung: Wenn man es einmal anspricht und auch einen Raum dafür schafft, in dem sich alle fühlen, dann legen auf einmal alle los – bei uns war das eine Mädelsrunde beim Frühstück. Also gerne auch mal mutig sein und fragen: Wie ist es denn bei dir so? Was sind deine Erfahrungen?

Hannah: Und, was noch gut ist: Das Thema auch mal mit jemand zu besprechen, die oder der nicht so drin ist in der eigenen Blase. Das ist immer total hilfreich.

Bei eurem Podcast verlasst ihr nun den geschützten Raum – es ist kein Gespräch mehr unter Freund*innen, sondern jede*r kann zuhören. Wie fühlt sich das an? Hat sich das Gefühl verändert im Laufe eurer Aufnahmen?

Hannah: Wir haben das Feedback bekommen, dass man die Entwicklung von uns Zweien schon gemerkt hat. Am Anfang war natürlich alles ungewohnt, aber man lernt auch schnell dazu. Zum Start der ersten Staffel haben wir auch erstmal nur auf Instagram auf unseren Podcast aufmerksam gemacht. Das war eher im privaten Kreis. Irgendwann haben wir dann aber auch mal auf LinkedIn gepostet. Da waren wir uns schon etwas unsicher, ob das alle Leute so cool finden, wenn wir da plötzlich über unsere Pille und das Absetzen sprechen.

Jana: In einer der ersten Folgen habe ich beispielsweise von meinem Experiment free bleeding erzählt und hab mir auch im Nachhinein gedacht: Oh das kann ja jede*r hören. Ich bin aber positiv überrascht und im Nachgang von vielen Frauen angesprochen worden, die das total spannend fanden. Diese positiven Reaktionen zeigen, dass es gut ist, darüber zu sprechen – das kann auch der männliche Kollege hören.

Mit wem habt ihr denn vor dem Podcast über Tabuthemen gesprochen?

Hannah: Vor allem im Freundeskreis – eher im weiblichen Freundeskreis. Und mit meinen beiden Schwestern und meiner Mutter – vor allem früher, als ich noch zu Hause gewohnt habe.

Jana: Ich habe eher selten mit meiner Mutter darüber gesprochen. Deshalb war es so cool, dass wir in unserer Folge zu den Wechseljahren mit unseren Müttern darüber sprechen konnten.  

Wie habt ihr eure Mamas denn in den Podcast bekommen?

Jana: Hannahs Mama hatte schon zugesagt, da gab es noch keine große Planung. Da hatten meine Mutter keine Chance mehr abzusagen. Tatsächlich hat mich meine Mama nach der ersten Folge angerufen und gesagt: Jana, ich finde, dass die Periode kein Tabuthema ist. Da habe ich doch schon während meiner Studienzeit mit meinen Freundinnen drüber gesprochen und das ist ein paar Jahre her. Die Wechseljahre sind ein viel größeres Thema. Sie hat das also selbst ins Rollen gebracht.   

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter mit Katzentisch?

Jana: Gerade läuft die dritte Staffel. Wir sprechen über das Thema Frauengesundheit und in den ersten Folgen haben wir bereits Themen wie Brustkrebs, Blasenentzündung oder Scheidenpilz beleuchtet.

Hannah: Und als nächstes kommt eine Folge zum Thema Abreibung. In Deutschland ist das noch ein riesen Thema, auch gesellschaftspolitisch. Wir sprechen mit einer Frau, die sich bewusst gegen das Kind entschieden hat und ihre Entscheidung und den gesamten Prozess beleuchtet.
Aber wir haben noch viele weitere Ideen für ganz neue Staffeln. Wir wollen auch mal über Wirtschaft, Beziehung und Partnerschaft sprechen.

Jana: Wir haben noch viele Themen auf der Liste. Die Liste sollte aber nicht noch länger werden. Bestenfalls eher kürzer. Ich persönlich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren einiges tut. Im Bereich Arbeitswelt sehen wir ja auch aktuell viele Veränderungen und hoffentlich sind wir dann irgendwann so weit, dass es weniger Hürden für Frauen gibt und Chancengleichheit etabliert ist.

Hannah: Und ich hoffe, dass wir die eine oder den anderen inspiriert haben, über die Themen zu reflektieren und im eigenen Leben Entscheidungen anders zu treffen oder anders darüber nachzudenken.

Das war ein schönes Schlusswort. Vielen Dank Jana und Hannah.

Hört gerne in den Podcast Katzentisch rein oder folgt den beiden auf Instagram, um keine neue Folge zu verpassen.

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