Meine Profile und ich

Ich bin online wirklich überall unterwegs: Instagram, Twitter, Facebook, Xing, LinkedIn, Snapchat und ja, ich habe mir sogar einen TikTok-Account angelegt. War ich noch eine Spätzünderin, die kein SchülerVZ hatte, so bin ich nun stark digital vertreten und hinterlasse überall im Netz meine Spuren. Ich lade Bilder hoch, schreibe Texte und mache Stories. Die Unternehmerin und Gründerin Tijen Onaran schreibt in ihrem neuen Buch: „Positionier‘ dich, bevor es andere tun.“ Die Frage ist nur: Wie will ich mich zeigen? Was gebe ich von mir preis? Manchmal frage ich mich, was ist eigentlich der Sinn von Social Media? In diesem Beitrag findet ihr eine kritische Selbstreflexion über mein eigenes Social-Media-Verhalten auf den Kanälen, die ich täglich nutze: Instagram und LinkedIn.

Instagram

Sind wir mal ehrlich, es gibt zwei Arten der Social-Media-Nutzer*innen auf Instagram: Die einen stalken nur die Profile ihrer Freund*innen und die anderen müllen ihre Follower*innen mit Inhalten zu: Fancy Frühstück, super Sportprogramm oder edle Einrichtung. Ich gehöre wohl eher zum letzteren Typ und zeige viel von meinem Alltag. Leider frage ich mich immer seltener, ob ich nicht zu viel von mir und meinem Leben veröffentliche. Waren die ersten Bilder in meinem Instagram-Feed nur Blumen, Kuchen und Landschaftsbilder, zeige ich mich selbst mittlerweile selbstverständlich immer mehr vor der Kamera. Von den letzten zehn Bildern meines Feeds zeigen sieben Stück mein Gesicht. Selbstdarstellung? Narzissmus? Wer mich kennt, sagt hoffentlich, dass ich nicht immer in der ersten Reihe stehen möchte. Ich selbst schätze mich eher als schüchterne Person ein, die nicht gleich „Hier bin ich!“ schreit. Auf Social Media ist das wohl etwas anders. Hier ist schon fast der Druck da, dass ich mich persönlich in Szene setze. Warum? Weil es ja alle anderen auch tun… eigentlich kein wirklicher Grund, oder?

All we need is Likes (@epicantus via unsplash)

Die Währung von Instagram sind nun mal Herzchen und Follower*innen. Davon möchte natürlich jede*r einzelne von uns so viele wie möglich sammeln. Ich persönlich würde von mir behauptem, dass ich nicht danach strebe, so viele Likes wie möglich zu sammeln oder gar als Influencerin durchzustarten. Doch die jüngere Generation, die sich gerade mitten in der Pubertät befindet, setzt die Maßstäbe ganz anders an. Hier ist nur cool, wer die meisten Likes hat. Jede Kontaktanfrage wird meist dankend angenommen. Traumberuf ist wohl nicht mehr Meeresbiologin, wie bei mir früher, sondern Instagram-Sternchen oder YouTube-Vlogger*in. Mein Rat an alle, denen es ähnlich geht wie mir: Wir sollten wieder mehr Spaß an der Social-Media-Nutzung haben und uns nicht davon leiten lassen zu überlegen, was anderen am besten gefällt, sondern uns.

Ich habe für mich selbst ein paar Regeln für Instagram aufgestellt, die ich schon lange befolge und die mir auch dabei helfen, etwas Abstand von meinem Social-Media-Doppelleben zu gewinnen:

  • Ich poste nur Bilder oder Videos, die mir gefallen. Ich denke nicht darüber nach, was wohl am meisten Likes erzielt.
  • Mein Instagram-Account ist privat. Ich lasse nur Abonnent*innen zu, die ich auch kenne. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Es gibt keine Trolle oder blöden Kommentare, die einen in irgendeiner Form beleidigen. Natürlich habe ich so keine riesige Menge an Menschen, die ich mit meinen Beiträgen erreichen kann. Aber welche wildfremde Person will schon meine Urlaubsfotos oder mein Frühstück sehen?
  • Ich miste regelmäßig die Personen aus, denen ich selbst folge. Freund*innen bleiben natürlich Freund*innen. Aber Influencer*innen können ausgetauscht werden. Macht eure Profile bunter und diverser. Es schadet nicht, Kanälen wie @tagesschau oder @funk zu folgen. Mein Favorit für gutes Infotainment (Mischung aus Unterhaltung und Information): @maedelsabende.
  • Ich zeige keine Fotos von meiner Familie oder Leuten, die nicht selbst auf Instagram sind. Ich poste andere nur, wenn sie das auch möchten.

LinkedIn

Doch was passiert, wenn man plötzlich sichtbar werden soll? Mit dem Start ins Berufsleben begann auch mein Start in den professionelleren Sozialen Netzwerken wie LinkedIn. Hier ist mein Profil nun nicht mehr privat. Jede*r kann meine Beiträge sehen und kommentieren. Um mein virtuelles Netzwerk aufzubauen, nehme ich hier auch Personen an, die ich eigentlich gar nicht kenne. Als ich auf Jobsuche war, habe ich immer gehofft, dass ich ein attraktives Stellenangebot über die Plattform erhalte… das ist bis heute nicht passiert. Trotzdem möchte ich daran arbeiten, dort spannende und sinnvolle Beiträge mit Mehrwert zu posten. Ein Schnappschuss seines Avocado-Toasts reicht hier nicht aus. Für mich scheint es so, als wollen die Nutzer*innen von LinkedIn Dinge von Expert*innen lesen. Ganz nach Tijen Onaran sollte ich mich also klar positionieren und etwas finden, dass ich beitragen kann. Das erfordert natürlich zunächst eine Reflexion nach Innen: Was kann ich gut? Worin kenne ich mich so richtig gut aus? Mein Ziel wird es also in der kommenden Zeit sein, mich und meine Arbeit – sei es im Job, aber auch meine Blogbeiträge – über diese Kanäle auszuspielen. Ich selbst finde es nämlich total spannend, was andere dort posten, und finde auf LinkedIn täglich Beiträge, die mich inspirieren und zum Nachdenken anregen. Für mich entsteht dort gerade eine Spielwiese, um meine wissenschaftlichen Gedanken zu teilen, die eventuell bei Instagram eher nicht so gewünscht werden.

Love, Like & Share (@gpthree via unsplash)

Der Nachteil bei einem öffentlichen Profil ist allerdings die Sichtbarkeit. Auf LinkedIn verlasse ich die sichere Comfort-Zone meines privaten Accounts. Jede*r sieht, was ich teile, like und sogar meinen kompletten Lebenslauf. Und wir alle wissen, was einmal im Internet veröffentlich wurde, das bleibt dort erstmal. Meine Daten sind also öffentlich einsichtig. Jeder kann also sehen, zu welcher Zeit ich wo tätig war. Kritische Kommentare bleiben da natürlich nicht aus. Hass im Netz, Stalking und Mobbing sind immer größer werdende Thema. Dinge, mit denen ich erst umgehen lernen muss. Denn sachliche Diskussionen sind im Internet eher schwer möglich. Auch wenn ich einen solchen Fall so noch nicht, erlebt habe, so überlege ich mir doch, ob es Dinge zu beachten gibt. Über was kann ich reden? Sind Politik und Religion Tabuthemen?

Religion und Politik auf Social Media

Früher hieß es: Beim Smalltalk kann man über alles reden – außer Religion und Politik. Ähnliches galt für mich auch lange auf meine Social-Media-Kanälen. Ich dachte immer: „Damit eckt man doch eh nur an.“ Polarisierende Themen führen in Face-to-Face-Gesprächen schon oft zu ausufernden Diskussionen. Auf Social Media geht sowas dann durch die Decke… Meiner Meinung nach hat sich dies allerdings etwas verändert. Religion würde ich nach wie vor eher ausklammern, Politik sollte aber viel präsenter werden: Mit Zunahme von rechtspopulistischen Parteien und einer steigenden Verbreitung von Fake News sollte es für uns alle selbstverständlich sein, auch über politische Dinge zu sprechen und unsere demokratischen Werte zu zeigen. Selbstverständlich können wir nicht alle einer Meinung sein, aber die Grundwerte sollten wir offen vertreten und zeigen, was gut läuft, aber auch, wo es Nachholbedarf gibt. Poltische Themen sollten also auch Teil unseres digitalen Diskurses werden.

Mein Fazit

Mein Fazit fällt ganz kurz aus. Im Grunde gilt: Mein Social-Media-Profil ist nur so bunt, wie ich es will. Ich selbst kann bestimmen, was ich sehe, was ich zeige, wem ich folge und wer mir folgt. Meine Beiträge sollten mich und mein Wesen spiegeln. Nur so kann ich mich authentisch positionieren.

2 Gedanken zu “Meine Profile und ich

  1. Dem kann ich nur zustimmen 😊 Denke das ist die richtige Herangehensweise.
    Ich habe fast die gleichen Grundsätze wie du, mit der Ausnahme, dass ich mir einen zweiten Instagram Account angelegt habe, eine offenen und einen privaten. 😊👍

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    1. Lieber Frederik, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Das ist eine sehr gute Idee mit einem zweiten Account, um private und öffentliche Inhalte voneinander zu trennen. Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche. Viele Grüße Valeska

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