Interesting Trope!

SPOILER-ALERT: Im diesem Artikel werde ich mäßig bis stark zu verschiedenen Filmen (und einer Serie) spoilern. Vor den einzelnen Abschnitten gebe ich nochmal gesonderte Spoilerwarnungen.

Vor einiger Zeit hat Theresa hier auf dem Blog einen Artikel über Boring Tropes veröffentlicht. Den Artikel habe ich sehr gern gelesen: in vielem was sie geschrieben hat, konnte ich mich wiederfinden und natürlich gibt es auch für mich Tropes, die ich langweilig finde oder verabscheue, allen voran das Liebesdreieck (hier spricht wohl das Twilight-geschädigte Teenagermädchen aus mir). Doch fast noch spannender fand ich die Frage: Welche Tropes mag ich eigentlich wirklich gerne?

Wie Theresa bereits erklärt hat, sind Tropes erzählerische Mittel oder Konventionen. Auf uns als Zuschauer*innen wirken sie oft dann langweilig, wenn man das Gefühl hat, dass sie ausgelutscht sind, oder schlecht erzählt werden. Da sie auf Konventionen beruhen, ist es natürlich klar, dass wir oft das Gefühl haben, eine bestimmte Trope schon viel zu oft gesehen zu haben, wie zum Beispiel bei dem Liebesdreieck, dass nach Twilight natürlich in unzähligen anderen Jugend-Geschichten vorkam und noch immer vorkommt. Doch gut umgesetzt können Tropes durchaus interessant sein und hin und wieder suche ich sogar nach einer bestimmten Trope. Deshalb stelle ich euch jetzt meine liebsten Tropes im Film vor.

Es folgen mäßige SPOILER zu Rashomon, Fight Club, Memento, Prestige und Shutter Island.

Interesting Trope 1: Unzuverlässiges Erzählen

Schon in meinem Artikel über den Film Rashomon habe ich meine Liebe für das unzuverlässige Erzählen zum Ausdruck gebracht und tue es hier gern noch einmal. Ich liebe es, wenn man den Erzähler*innen der Filme nicht vertrauen kann, wenn man bis zum Schluss nicht weiß, was echt ist und was nicht, und es stört mich auch überhaupt nicht, wenn das Ende offen bleibt, wie bei Rashomon. Natürlich ist es für die Filme, die auf einem Twist basieren schon ein Spoiler überhaupt zu wissen, dass sie auf einem Twist basieren, trotzdem kriegen mich die Leute jedes Mal, wenn sie mich mit so einem Twist locken. Fight Club ist wahrscheinlich der eine Film, wenn es um unzuverlässiges Erzählen geht und den Twist habe ich hier überhaupt nicht kommen sehen. Aber auch Memento, Prestige (Christopher Nolan, yes!) und Shutter Island (Martin Scorsese, yes yes!) gehören zu meinen absoluten Lieblingen.

Es folgen starke SPOILER zu Die Legende von Korra und Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers!

Interesting Trope 2: Enemies to Lovers

Kommen wir von der wahrscheinlich coolsten Trope dieser Liste direkt zu der uncoolsten. Die Enemies-to-Lovers-Trope kommt natürlich in vielen Liebesfilmen vor, weshalb ich sie als meine Guilty-Pleasure-Trope bezeichnen würde. Ich kann es nicht leugnen, ich mag es einfach, wenn zwei Menschen, die sich zu Beginn eines Films nicht ausstehen können, sich immer näher kommen. Besonders schön umgesetzt fand ich dieses Trope bei der Cartoon-Serie Die Legende von Korra. Zugegeben, eine Serie mit vier Staffeln hat natürlich auch deutlich mehr Zeit, so eine Trope gut umzusetzen, als ein Standalone-Film. Die Beziehung zwischen Korra und Asami, die sich zu Beginn der Serie nicht leiden können, weil sie sich in den selben Typ verlieben, mutet anfangs problematisch an. Doch die beiden werden trotzdem Freundinnen und verlieben sich sogar ineinander. In der Sequel-Trilogy von Star Wars findet man das ganze sogar in noch extremerer Form: Rey und Kylo Ren befinden sich auf entgegengesetzten Seiten der Macht und sind zu Anfang verfeindet. Trotzdem kommen sie sich innerhalb der Trilogie immer näher, merken, wie stark sie gemeinsam sind und lernen voneinander. Einige Dinge in den neuen Star-Wars-Filmen sind zugegeben nicht besonders gut gelungen, aber Reylo gehören definitiv zu meinen Highlights der Reihe.

Es folgen mäßige SPOILER zu Oben und The Straight Story!

Interesting Trope 3: Grumpy Opa mit weichem Kern

Wer liebt ihn nicht: Carl Fredricksen, den grantigen und trotzdem niedlichen alten Mann aus Disney’s Oben? Da seine Lebensgeschichte und der tragische Tod seiner Frau bereits im Prolog erzählt wird, fühlt man als Zuschauer*in direkt von Anfang an Sympathie für ihn und weiß, dass er unter seiner harten Schale weich und zerbrechlich ist. Seine Freundschaft mit dem Pfadfinder Russel tut dann ihr übriges, um ihn zu einem unglaublich liebenswerten Charakter zu machen. Ein etwas unbekannterer Film, der die selbe Trope verwendet, ist The Straight Story von David Lynch. Das Roadmovie erzählt die Geschichte eines Rentners, der fast 400 Kilometer auf einem Aufsitzrasenmäher zurücklegt, um seinen Bruder zu besuchen, mit dem er seit 10 Jahren zerstritten ist. Beide Filme sind sehr unterschiedlich, haben aber die Gemeinsamkeit, dass sie unglaublich rührend sind, was nicht zuletzt an ihren starken Protagonisten liegt.

Es folgen starke SPOILER zu Ex Machina und Her.

Interesting Trope 4: Künstliche Intelligenzen und die Frage nach Menschlichkeit

Während künstliche Intelligenzen und selbstlernende Computersysteme in echt noch ausbaufähig sind, sind viele Science-Fiction-Filme schon weiter und erzählen von künstlichen Intelligenzen, die von Menschen kaum noch zu unterscheiden sind und einen eigenen Willen entwickeln. In Ex Machina soll der Programmierer Caleb einen Adroiden Ava einem Turing-Test unterziehen. Am Ende entpuppt sich Ava als berechnendes Wesen, das die Emotionen von Caleb ausnutzt, um ihren eigenen Willen durchzusetzen Ein Unterschied zu einem Menschen ist kaum mehr zu erkennen. In Her baut der einsame Theodor eine romantische Beziehung zu seinem selbstlernenden Operating System Samantha auf. Samantha scheint zu Beginn schnell Emotionen, freien Willen und menschliche Gedankengänge zu erlernen, doch irgendwann reichen ihr menschliche Emotionen nicht mehr aus und sie wird zu einer übermenschlichen Instanz, weshalb sie sich zum Schluss von Theodor lossagt. Besonders interessant fand ich hier den Aspekt, dass das ultimative Ziel einer KI normalerweise Menschlichkeit zu sein scheint, doch dass Samantha nicht aufhört zu lernen, als sie vollkommen menschlich wird, sondern, dass die Entwicklung darüber hinaus geht.

Jetzt möchte ich natürlich auch von euch wissen – welche Tropes seht ihr im Film am liebsten? Lasst mir gerne einen Kommentar da!

3 Gedanken zu “Interesting Trope!

  1. Ich kann mir eigentlich jeden Film an gucken…

    …in des um Rache geht (Bonuspunkte wenn die Rachegeschichte zum Ende hin tragisch ausgeht) // z.B. Oldboy, I Saw The Devil, Carrie

    … der (seine eigene), tiefgehende Mythologie aufbaut und untersucht // z.B. Nightbreed, Pan’s Labyrinth, Kwaidan

    …in dem Kinder auf ein Abenteuer gehen und dadurch „erwachsen werden“ // z.B. Stand By Me, The Goonies, The Monster Squad

    … In denen sich ein Film über ein gesamtes Genre lustig macht und die darin bestehend Tropen auf’s Korn nimmt// z.B. Die nackte Kanone, Top Secret!, Tucker & Dale vs. Evil

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    1. Danke für deinen Kommentar! Bei Rache und Mythologie bin ich ganz bei dir, vor allem Rache ist ja echt eine typische Trope, die gut umgesetzt einfach wahnsinnig stark ist.

      Ich hab allerdings immer so meine Probleme mit Parodien, die sind so oft einfach so wahnsinnig schlecht, finde ich! 😀 Deswegen bin ich immer super voreingenommen und gucke mir Parodien oft gar nicht erst an (und verpasse dann vielleicht die guten). Tucker & Dale vs. Evil fand ich aber zum Beispiel richtig gut!

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