Die Penetration des Alls oder Eine Anatomie von Raumschiffen in Filmen

In der aktuellen Zeit der Isolation verlassen sich sicherlich viele, so wie ich, auf den Eskapismus. Wenn man auf einmal nirgendwo mehr hinreisen kann, was gibt es da besseres, als sich durch Filme und Bücher in ferne Welten zu träumen? Eines meiner Interessen ist schon lange die Raumfahrt und im Laufe der Jahre habe ich schon viele Filme darüber gesehen und Bücher darüber gelesen. Jüngst habe ich auch den Podcast We fix Space Junk angefangen, sehr empfehlenswert!

Was ich dabei immer wieder faszinierend finde, ist die Darstellung der Raumschiffe. Wie stellen sich die Regisseur*innen und Autor*innen diese unglaublichen Maschinen der Fortbewegung vor, die sich durch Vakuum und unendliche Weiten and Raum und Zeit bewegen können? Besonders interessant wird es schließlich bei Raumschiffen, die es schaffen, sich durch den Hyperspace zu bewegen… Welche nicen Raumschiffe es so gibt und was so besonders an ihnen ist, das schauen wir uns heute an:

Was sind Raumschiffe?

Gleichmal zum Anfang stellen wir die Frage, was ein Raumschiff genau ist. Raumschiffe sind, so Wikipedia, Fahrzeuge zur Fortbewegung im Weltall. Ich rede jetzt aber auch von Objekte, die potentiell ziemlich stationär operieren. Unsere (also in der Realität) bemannten Raumschiffe haben als einzigen anderen Planeten des Sonnensystems nur den Mond besucht (Nach Ben Moores „Mond“ definiere ich den Mond hier als Planeten). Am weitesten entfernt waren die Astronauten der Apollo 13, die bei ihrer fehlerhaften Mondumrundung 400.171 Kilometer von der Erde entfernt waren. Das klingt jetzt schon mal ziemlich weit, ist aber auch „nur“ beim Mond. Selbst Mars werden wir nur mit sehr viel Glück in diesem Jahrzehnt erreichen. Es fliegen aktuell mehrmals pro Jahr Menschen in den Lower Orbit zur ISS. Das bedeutet aber jedes Mal einen sehr großen Aufwand beim Bau der Raketen und Raumkapseln. Abgesehen von den NASA Space Shuttles sind diese meistens nicht wiederverwendbar. SpaceX arbeitet mittlerweile auch ziemlich erfolgreich mit wiederverwendbaren Raketen. Auf dem Level von Star Wars oder generell allen anderen Filmen, über die ich hier reden werde, sind wir aber nicht und werden wir wohl auch nie sein…

Vom Lego Movie | Credit: Warner Bros.

Was für Raumschiffe gibt es in Filmen so?

Also reden wir wieder von den geilen Raumschiffen, die ohne Rakete und ohne Probleme von Planeten wie unserem abheben können und durch den Hyperspace schnell von einem Planeten zum ander zappen können. Während ich überlegt habe, über welche Raumschiffe ich hier reden möchte, sind mir ein paar Distinktionsmerkmale aufgefallen. Es gibt nämlich große und kleine, sterile und heimelige, runde und phallisch geformte, mit oder ohne Gravitation und eben selbst launchende oder Raketen Raumschiffe. Dabei gibt es auch Zusammenhänge unter diesen Kategorien. Große Raumschiffe sind meistens steriler, während kleine Raumschiffe heimeliger wirken, was damit zusammenhängt, dass große Raumschiffe meistens einem Unternehmen gehören und kleine Raumschiffe privat sind. Es gibt Raumschiffe, die auf Planeten landen und weiterfliegen können und es gibt solche, die sich stets im All befinden.

Welches Raumschiff in einem Film verwendet wird, hängt stark vom Kontext des Filmes ab. Ist es ein Film über eine Zukunft nicht all zu weit entfernt von unserer Gegenwart, sind die Raumschiffe meistens sehr nah an unseren aktuellen Raumschiffen orientiert (etwa bei Gravity oder Der Marsianer). Geht es noch etwas weiter in die Zukunft, wie bei Interstellar, werden die Schiffe aber auch schon mit mehr kreativen Freiheit designt. Ähnlich ist das auch bei Cloverfield Paradox und Passengers. Auch der ultimative Weltraumklassiker und schlicht Filmklassiker 2001: A Space Odyssey zählt in diese Kategorie. Filme, die die Vergangenheit abbilden, wie etwa Apollo 13, lasse ich hierbei mal außen vor, weil sie in dem Sinne ja zumindest versuchen, die Realität abzubilden und ich interessiere mich jetzt eher für die unglaublichen Raumschiffe, die etwas schaffen, was unsere Raumschiffe noch nicht können. Dann gibt es die absolut abgespacten Schiffe, die es etwa bei Star Wars, Star Trek, Galaxy Quest, Valerian, Per Anhalter durch die Galaxis und Guardians of the Galaxy gibt, auch wenn einige dieser Filme in einem Paralleluniversum unserer Welt spielen.

Gravitation (durch Drehen)

Viele Raumschiffe in SciFi Filmen haben eine etwas, dass sich um die eigene Achse dreht und durch die Zentrifugalkraft so etwas wie Gravitation erzeugt. Man sieht es bei Passengers, bei Der Marsianer, selbst bei dem Klassiker schlechthin: 2001: A Space Odyssey. Abgesehen davon, dass es häufig sehr cool aussieht, wie etwa, wenn Bowman in 2001 im Kreis joggt, wird dieses Mittel sicher eingesetzt, um dem Problem aus dem Weg zu gehen, die ganze Zeit irgendwie Schwerelosigkeit simulieren zu müssen.

Das Raumschiff in Passengers | Bild von Sony Pictures

Zeichnung des Raumschiffes | Bild von Guy Hendrix Dyas
Das Raumschiff von 2001: A Space Odyssey

Ob das wirklich realistisch ist und wir das auch irgendwann einsetzen, ist eher fraglich. Wer mehr darüber wissen möchte, dem kann ich diesen Artikel darüber empfehlen. Generell müssen diese Filme ja gar nicht die Wahrheit abbilden, sondern sollen uns in Welten mitnehmen, in die wir nie kommen werden. Und das gerne auch mit simulierter Gravitation.

Das Innenleben eines Raumschiffs

Was ich auch immer cool finde, ist das Innere eines Raumschiffs. Wie schon erwähnt, gibt es sterile Raumschiffe und eher heimelige Raumschiffe. Meistens sind die sehr sterilen Raumschiffe kommerziell Art, von vielen bewohnt und richten sich daher nach Funktionalität mehr als nach Bequemlichkeit. Das klassische Beispiel dafür ist der Todesstern. Eher darauf ausgelegt, einen eigenen Planeten darzustellen, beherbergt der Todesstern viele Einwohner und ist so auch vor allem in den Bereichen, die wir sehen, auf die Arbeit ausgelegt und deswegen sehr unpersönlich. Ähnlich ist es auch in Gravity, Der Marsianer, Passengers, Cloverfield Paradox und Interstellar, bei denen die Raumschiffe vor allem eine Arbeitsumgebung darstellen. Nicht ganz so steril, aber doch kommerziell sind auch die Raumschiffe der Alien-Reihe, die (für manche) auch durch den Raumcomputer „Mutter“ heimeliger gemacht werden.

Dementsprechend sind die Filme interessanter, bei denen die Raumschiffe auch Lebensort und häufig Lebensmittelpunkt der Personen sind. So wird das Raumschiff auch Ausdruck der Identität des Eigentümers. Das sieht man sehr prominent beim Millenial Falcon, beim Milano in Guardians of the Galaxy, bei Per Anhalter durch die Galaxis mit dem Raumschiff „Herz aus Gold“ und Barbarellas Raumschiff, dass innen komplett mit Fell ausgestattet ist (liegt sicherlich am Genre).

Chris Pratt zeigt den Milano

Bei diesen Raumschiffen fühlt man sich dem Eskapismus dieser Filme viel näher, weil man sich selbst vorstellen kann, in einem dieser Raumschiffe zu leben und durchs Weltall zu reisen. Manchmal macht der leicht abgetragene und „verwohnte“ Look das Erlebnis realistischer und nachvollziehbarer. Wohlgemerkt sieht es auf der ISS auch nicht gerade steril und so sauber aus, wie man es sich vielleicht vorstellt:

Columbus Modul auf der ISS, alles nicht sonderlich übersichtlich und noch einer der „aufgeräumten“ Räume | Bild von NASA

Durch Raum und Zeit und bis hinter „The last Frontier“

Raumschiffe ermöglichen es den Personen, sich lange über weite Distanzen hinwegzubewegen, die weit über unser Verständnis von Distanz auf der Erde hinausgehen. Gerade in der Raumfahrt der 60er Jahre wurde vom Weltall immer als „The Last Frontier“ geredet, die letzte Grenze, die der Mensch überwinden muss. Wenn wir das geschafft haben, steht uns die Unendlichkeit offen. Filme wie Star Wars zeigen Welten, in denen diese Grenze bereits überwunden ist und wo der Planet nebenan wie die nächste Stadt wirkt. Andere Filme, wie Interstellar machen deutlich, welchen Preis ein Zeit-und-Raum-Reisender zahlen muss, wenn er solche Distanzen hinter sich lassen muss. Das Raumschiff, das zwischen den Dimensionen hin und her zu springen scheint, lässt die Zeit im Inneren langsamer laufen, als Außen. Als Hafen des Lebens im tödlichen All hat es die Anziehungskraft einer ultimativen Mutprobe und fasziniert vielleicht deswegen so viele Fans…

Mitten im Nirgendwo und Nirgendwann

Wenn wir über Raumschiffe, die sich durch Raum und Zeit bewegen reden, muss ich auch noch kurz die Tardis von Doctor Who erwähnen. Durch die Reise durch Zeit, vor und zurück, und die Tarnung als Polizeibox, ist das Raumschiffartige manchmal nicht so offensichtlich, aber trotzdem da. Die Technologie der Timelords ist unserer einfach nur etwas voraus und funktioniert auf Arten, die wir vielleicht nicht verstehen. Auch die Raumschiffe der Aliens in Arrival sind von Menschen vielleicht nicht benutzbar, aber doch sehr faszinierend. Das zumindest zu den Schiffen, die auf der Erde landen. Nun aber zum Raumschiff, auf dem wir leben. Die Erde ist ähnlich wie die Raumschiffe dieser Aliens, auch wenn wir sie genauso wenig lenken können, außer vielleicht die Leute in Die wandernde Erde. Zusammen sitzen wir auf dem größten Raumschiff und steuern durchs Nirgendwo und Nirgendwann (zumindest wenn man die Erde von Außerhalb betrachtet). Und so können wir, gefangen in unseren Zimmern aktuell, uns vielleicht ein wenig wie in einem coolen Raumschiff fühlen? Fühlst du die Bewegung der Erde schon?

Images of Future

Zum Abschied wollte ich noch kurz zeigen, wie sich die Menschen im letzten Jahrhundert die Weltraumfahrt und Raumfahrt dieses Jahrhunderts vorgestellt haben: Ich warte immer noch auf mein flaches Scheiben-Weltraumhaus à la Lautlos im All. Aber man kann ja träumen, vielleicht ist all das irgendwann doch noch Realität – und bis dahin haben wir die Filme and Retrofuturismus…

Vorstellungen von Zukunfts-Raketen und Raumschiffen

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