Looking forward to .. WICKED!

Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es wirklich passiert. Die Verfilmung des Erfolgsmusicals Wicked kommt endlich in die Kinos. Mein Outfit steht und meine Vorfreude steigt.

In den USA und anderen Ländern der Welt wurde der Film bereits am 22. November veröffentlicht. Wir hier in Deutschland müssen uns länger gedulden. Doch am 12.12. ist es endlich so weit.

Deutschland und Musicals, das matcht leider nicht so ganz. Ich habe in meinem Leben schon oft gemerkt, dass hier in Deutschland die Liebe und auch das Verständnis für Musicals eher gering ist. Das kann ich wirklich gar nicht nachvollziehen, aber es liegt vermutlich an dem schlechten Musikgeschmack und der Emotionslosigkeit dieses Volkes. Deswegen erläutere ich in diesem Artikel, warum jede:r Wicked sehen sollte.

Erstmal ein Disclaimer, weil es da in der Vergangenheit wohl Missverständnisse gab. Bei Filmmusicals wie Mean Girls und Wonker war Vielen folgendes nicht klar:

Es ist eine Muscialverfilmung. Das heißt, die Charaktere werden Lieder aus dem Musical singen und vermutlich auch tanzen. Das haben Musicals nämlich so an sich.

Die harten Fakten

Wo fangen wir an? Starten wir mit den harten Fakten. Das Musical kam 2003 an den Broadway. Das heißt, dass Musical hat vor 20 Jahren Premiere gefeiert. Für die damalige Zeit hatte es eine sehr untypische Thematik: Female Friendship (und Gleichberechtigung).

Im Originalcast haben Idina Menzel und Kristin Chenoweth die Hauptrollen gespielt. Zwei Protagonistinnen, das ist selbst heute noch eine Seltenheit. Beide wurden für ihre Rolle als beste Hauptdarstellerin für einen Tony nominiert. Menzel gewann die Auszeichnung. Dabei gab es keinen Streit zwischen den beiden Musical-Icons. Nein, sie haben sich sogar füreinander gefreut. (Funfact: Wicked gewann nicht den Tony für Bestes Musical. Den gewann Avenue Q.)

Tatsächlich waren auch die Kritiken für das Musical nicht nur positiv. Die Musik und das Buch wurden beispielsweise kritisiert. Das Publikum hat es jedoch sofort geliebt. Ich muss ehrlich sagen, ich kann ein wenig verstehen, was das Problem war. Es ist sehr märchenhaft und überspitzt. Das könnte abschreckend wirken. Wenn man sich jedoch fallen lässt und in das Stück eintaucht, kann man nur mit erhobenem Haupt und leichter Seele das Theater verlassen.

Zum Plot

Elphaba und Galinda starten ins Unileben. Beide erhalten nicht die gewünschte Zimmeraufteilung. Denn sie müssen sich ein Zimmer teilen. Elphaba und Galinda könnten unterschiedlicher nicht sein. Galinda ist blond, beliebt und mag pink. Elphaba trägt eher schwarz, ist schüchtern und ihre Haut ist grün. Deswegen wird sie von den meisten Menschen und anderen Fabelwesen verstoßen. Doch wenn sie den großen mächtigen Zauberer trifft, wird sich das alles ändern, hofft sie.

In „The Wizard and I“ hört man richtig die Hoffnung, die Elphaba in sich trägt. Sie wünscht sich die Anerkennung ihrer Mitmenschen. Die erlangt sich natürlich am besten durch die Billigung eines alten weißen Mannes aka the Wizard. Das denkt sie zumindest. Warum kommt uns das so bekannt vor? Ach ja, dieses Patriarchat, in dem wir leben, vermittelt uns ebenfalls diesen Irrglauben.

Deswegen ist Folgendes, glaube ich, kein Spoiler: Es kommt nicht so, wie Elphaba sich das vorgestellt hat. Wait what? Der alte weiße Mann ist nicht so toll wie alle tun? Shocking! Elphaba muss sich deswegen ihren eigenen Weg suchen, um sich wohl in ihrer Haut zu fühlen. Dabei ist sie jedoch nicht allein. Denn sie macht eine gegenteilige Erfahrung mit Glinda. (Warum ich ihren Namen auf einmal anders schreibe? Das erfahrt ihr im Musical.)

Haben beide starke Vorurteile gegeneinander? Ja. Freuen sich die beiden, dass sie nun in einem Zimmer leben? Nein. Raufen sie sich trotzdem zusammen? Ja. Denn nur so kann es funktionieren, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren: mit Freundschaft, vor allem mit Freundinnenschaft. Was diese ausmacht, hört man in dem schönsten Song, der jemals über Freund:innenschaft geschrieben wurde.

Der Plot des Films hat leichte Teeniefilmvibes. Das gebe ich zu. Deswegen gibt es auch einen Love Interest: der gute Fiyero. Ein weiterer Mann, der zumindest zunächst nicht ganz so gut wegkommt. Es fällt mir tatsächlich erst in diesem Moment auf, dass die männlichen Charaktere generell nicht in so einem tollen Licht dastehen. Weit hergeholt ist das jedoch nicht wie wir alle wissen. In dem Musical entwickeln sich jedoch manche Männer charakteristisch tatsächlich weiter.

In „Dancing through Life” wird Fiyero vorgestellt und es verdeutlicht herrlich, wie leicht es ist, als Mensch mit den größten Privilegien durchs Leben zu tanzen. Warum machen das nicht einfach alle so? Ist doch easy! Einfach nicht den Kopf zerbrechen und die Probleme lösen sich von selbst. (We wish!)

Das Lied zeigt wie ich finde, die leicht satirische Darstellung, die Wicked so besonders macht. Alles ist ein bisschen überspitzt und too much, dadurch wird das Stück witzig und leichtfüßig. Es verliert jedoch nicht an Aussagekraft.

Die wichtigste Aussage macht das Musical mit „Defying Gravity“. Es ist nicht nur der Song des Musicals, sondern der Song ganzer Generationen, der Song aller marginalisierter Menschen. Ich weiß nicht, ob es einen Song gibt, der mehr Kraft gibt. Deswegen ist es auch so schön, dass eine Schwarze Frau, Cynthia Erivo, und eine gehbehinderte Schauspielerin, Marissa Bode, die Rollen von Elphaba und ihrer Schwester übernehmen.

Auch das Erlebnis während des Songs im Theater ist einzigartig. Viele Menschen, die heute das Musical besuchen, kennen den Song und warten nur auf diesen Moment. Das spürt man. Als der erste Ton anschlägt, wird es ganz leise im Theater. Man hat das Gefühl die Menschen halten ihren Atem an, damit sie ihre volle Aufmerksamkeit auf die Bühne richten können. (Das ist vielleicht das, was mit „holding space“ im aktuellen Wicked-Diskurs gemeint ist.)

Alle Zuschauenden sind gemeinsam in diesem Augenblick und spüren die Verbundenheit. Das hält den ganzen Song lang an. Alle starren auf die Bühne und singen vermutlich in ihren Köpfen mit. Der Applaus nach dem Lied ist unglaublich. Die Menschen scheinen verzaubert zu sein. Man spürt, wie befreit und leicht sich die Menschen auf einmal fühlen.

Wicked ist ein Musical für Familien. Wenn ich darüber nachdenke, dass Eltern ihre Kinder mit ins Theater nehmen, macht mich das richtig emotional. Denn es gibt bereits so viele Geschichten, wie der Song Menschen motiviert für sich selbst einzustehen und weiterzumachen. Ich hätte wahrscheinlich ohne „Defying Gravity“ niemals meinen Uniabschluss geschafft. Durch den Besuch bekommen Kinder die Möglichkeit, den Song sozusagen mit in ihr Leben zunehmen. Wenn der Zeitpunkt kommt, an dem sie nicht mehr weiterwissen, können sie mit dem Song Kraft schöpfen. Dadurch wird es immer mehr solcher Geschichten geben. Das wird mit dem Film fortgetragen, vielleicht sogar in Deutschland. Ich würde es mir wünschen. Denn in den Zeiten, in denen wir leben, müssten wir „Defying Gravity“ eigentlich auf Dauerschleife hören.

Wenn ihr also dieser Welt für zwei Stunden entfliegen wollt, dann kauft euch ein Ticket für Wicked. Es lohnt sich, denn ihr werdet sämtliche Emotionen spüren: Wut, Trauer, Hoffnung und Freude.

Zum Film

Doch wie beispielsweise auch bei Buchverfilmungen schwingt bei Musicalverfilmungen immer ein wenig Angst mit. Werden sie Lieder kürzen? Werden sie Nicht-Musicaldarsteller:innen singen lassen? Werden sie es generell wagen, Handlungen zu verändern?

Viele von diesen Ängsten wurden mir bereits genommen. Zwar singt Popstar Ariana Grande eine der Protagonistinnen. Dennoch zeigt mir meine For-You-Page, dass Grande der größte Glinda-Fan ist und sich selbst vermutlich den größten Druck macht, der Rolle gerecht zu werden.

Außerdem wird das Musical in der Verfilmung in zwei Teile geteilt, die insgesamt länger sein werden als das Musical. Der Soundtrack wurde schon veröffentlicht und es wurde kein Lied gestrichen. Das hört sich also alles sehr vielversprechend an. Ich bin gespannt!

PS: Ein Thread hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass wenn man die beiden Kinobesuche gut plant, genau 525.600 Minuten zwischen den zwei Filmteilen liegen können <3.

Bild: Universal Pictures

Hinterlasse einen Kommentar