BÜCHER
“Liebewesen” von Caroline Schmitt

Ein Mädchen in einem rosa Kleid und mit Maschinengewehr in der Hand schmückt das Cover des Debütromans “Liebewesen” von Caroline Schmitt. Die Gegensätze des Covers spiegeln sich auch im Inhalt des Buchs wider. Der Autorin gelingt es, einen modernen Liebesroman zu schreiben, der nicht abgedroschen und perfekt ist. Im Zentrum steht vor allem die Suche nach Selbstliebe und Freiheit. Protagonistin Lio ist ungewollt schwanger und versucht, mit dieser überfordernden Situation umzugehen. Sie kann sich ihrem Partner nicht öffnen und mit ihm über die Schwangerschaft sprechen. Die Wunden ihrer Vergangenheit holen sie ein und sie muss erst lernen, sich selbst zu lieben, bevor sie andere lieben kann.
VÖ: 27.01.2023 (2. Auflage) / Eichborn Verlag
Valeska
“Liv Strömquists Astrologie” von Liv Strömquist
Es dürfte nicht überraschen, dass ich auch in diesem Jahr so einige Bücher gelesen habe. Der Großteil davon sind Romane und Sachbücher, ins Genre der Graphic Novels und Comics tauche ich eher selten ab. Eine Zeichnerin hat mich jedoch in den letzten Jahren mit ihren humoristisch-intellektuellen Büchern überzeugen können und das ist die Schwedin Liv Strömquist. So habe ich mir auch ihr dieses Jahr erschienenes Werk zu Astrologie zu Gemüte geführt und einige vergnügliche Stunden damit verbracht, zu lernen, was verschiedene Sternzeichen und ihr Datingverhalten ausmacht, die Geschichten einiger berühmter Vertreter:innen zu erfahren und das Ganze nicht allzu ernst zu nehmen.
VÖ: 23.03.2023, avant-verlag
Kim
Sneak Peak auf der Webseite des Verlags

MUSIK
“Desire, I Want To Turn Into You” von Caroline Polachek

Caroline Polachek trifft mit ihrem dramatischen und teilweise düsteren Album einen Zeitgeist. Ihre künstlerische Person steht für einen neuen Typus von alternativer Popmusik, die abseits von gängigen Feuilleton-Diskussionen funktioniert. Polacheks Musik ist emotional und befreit von gezwungenen Intellektualisierungs-Versuchen. Das ganze Album steckt voller Euphorie, Drama und Melancholie, immer gespickt mit ungewöhnlichen Sound-Versatzsstücken, die den Songs Kante und Würze geben. Ein Album für die innere Alt-Pop-Fee in uns allen!
VÖ: 14.03.2023 / Sony Music, The Orchard, Perpetual Novice
Alike
Album auf Spotify
Instagram: @carolineplz
“Lake Diaries” von Zimmer90
Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber während der kalten Jahreszeit hilft mir Musik, die mich an warme Sommertage zurückbringt. Deswegen empfehle ich euch heute das Album “Lake Diaries” und insbesondere den Song “Summer Rain”. Das Lied bringt ein Gefühl von Erleichterung, wie wenn nach ein paar Wochen Hitze der Sommerregen kommt und alle Gedanken, die vorher so im Kopf gekreist sind, wegspült.
VÖ: 29.09.2023 / iGroove
Franzi
Album auf Spotify
Instagram: @zimmer90music

„D-Day“ von Agust D

Dieses Jahr haben einige BTS-Mitglieder ihre Solo-Alben veröffentlicht, unter ihnen auch Rapper Agust D. Agust D (bei BTS auch Suga) wird für mich immer mein musikalischer Liebling von BTS bleiben. Nach seinen Mixtapes Agust D und D-2 habe ich viel von D-Day erwartet und meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Fast jeder der zehn Tracks des Albums gefällt mir ausnehmend gut. In D-Day greift Suga die Themen der ersten beiden Alben auf und spinnt sie weiter. Auch in D-Day geht es um Freiheit und wie wir uns von der Vergangenheit und der Angst vor der Zukunft kontrollieren lassen. Der Titelsong Haegeum ist ein wütender Rap-Track und ist von traditioneller koreanischer Musik beeinflusst. Besonders gefallen mir auch Snooze, ein Feature mit Woosung von The Rose und dem japanischen Pianisten Ryuichi Sakamoto. Der Song kombiniert Sugas Rap und Woosungs weiche Stimme im Refrain perfekt mit Sakamotos Klavier-Sample. Mit zehn grandiosen Songs, ist D-Day ist nicht nur mein liebstes BTS-Solo, sondern mein Lieblingsalbum eines koreanischen Solo-Künstlers überhaupt.
VÖ: 21.04.2023 / Hybe Entertainment
Jenni
“Girls” von Dilla
Dillas Musik macht einfach Spaß. Man will sofort mitsingen, aufspringen und tanzen. Ihre Musik hat deutliche Neue Deutsche Welle Vibes, aber in jedem Song gibt es Einflüsse verschiedener Genres. Mein Lieblingstrack ist “Girls”. Ich liebe die Gitarren á la The All-American Rejects und vor allem überzeugt mich der Text. Dilla ist noch nicht reif für eine Beziehung, denn “girls just gotta have fun”. Direkt habe ich mich gefragt, ob der Text vor zehn Jahren so möglich gewesen wäre und freue mich, dass Jugendliche heutzutage vielleicht nicht mehr so sehr mit Slutshaming konfrontiert werden. Oder ist das zu naiv gedacht? Gerne hätte ich das komplette neue Album von Dilla hier vorgestellt. Der Song “Girls” hat es aber scheinbar nicht drauf geschafft. Deswegen steht er hier jetzt ganz allein im Spotlight.
VÖ: 03.03.2023 / FOUR MUSIC PRODUCTIONS GmbH a Sony Music Entertainment company
Katrin
Musikvideo zu „Girls“ auf YouTube
Instagram: @dilla.mp3

“Am I Enough” von Loi

Ende Oktober hatte ich das Vergnügen, die deutsche Sängerin Loi live in Hamburg zu sehen. Die 21-jährige Mannheimerin hat nicht nur eine unglaublich kräftige Stimme, sondern auch viel Tiefe und Gefühle in ihren Songs. Bisher hat sie noch kein Album herausgebracht. Die ein oder der andere kennen vielleicht ihre Hits wie “Gold” oder das Cover von “Blinding Lights”. In “Am I Enough” singt Loi über ein Thema, das mich in diesem Jahr irgendwie immer begleitet hat: Bin ich genug? Reicht es überhaupt aus, mein Bestes zu geben? Muss ich es immer allen Recht machen? Loi liefert in ihrer für mich sehr bewegenden Power-Ballade die Antwort, die mich in letzter Zeit gepusht hat: “I am enough. I know it’s up to me to stop myself from falling.”
VÖ 17.11.2023 / WEVAME Medienproduktion
Valeska
Musikvideo zu „Am I Enough“
Instagram: @loi.music
FILME
“Barbie” von Greta Gerwig

Feministische Regisseurin (Greta Gerwig) meets Spielzeughersteller (Mattel) einer hyperfemininen Plastikpuppe (Barbie) und heraus kommt ein Film mit beißender Kapitalsmuskritik, aber auch irritierendem Product Placement. In Summe überwiegt das Kultpotential. “Barbie” ist bunt, lustig und ironisch. Die wohl bekannteste Puppe der Welt (Margot Robbie) soll Barbie Land retten und muss dafür in die echte Welt der Menschen. Als nicht besonders hilfreicher Sidekick kommt Ken mit. Dieser erlebt, welche Privilegien Männer in der Menschen-Welt haben. Dabei bleibt das Drehbuch bei einer Umkehrung auf cis-hetereo-Ebene: Es geht nach wie vor ganz klar um die Gegenüberstellung Frau vs. Mann. Aus queerfeministischer, intersektionaler Perspektive wäre es toll gewesen, wenn der Film gerade diese binäre Gegenüberstellung hinterfragt hätte. Aber das kommt mir angesichts der Zielgruppe und der Breitenwirksamkeit des Films kleinlich vor. Der Film transportiert feministische Grundgedanken in einer popkulturellen “Verpackung” und so zu manchen Zuschauer:innen, an denen solche Ideen sonst vielleicht vorbeigegangen wären.
Filmstart (Deutschland): 21.07.2023 / Warner Brothers
Alike
Trailer auf YouTube
Instagram: @barbiethemovie
„Aftersun“ von Charlotte Wells

Über den Film “Aftersun” habe ich im Jahr 2023 viel nachgedacht. Der Film kam in Deutschland im Dezember 2022 in die Kinos und hat mich begeistert. Deswegen konnte ich mich auch direkt aufregen, dass Charlotte Wells weder für Beste Regie noch für Bestes Drehbuch bei den Oscars nominiert wurde. Der Film erzählt sehr einfühlsam und ruhig die Beziehung eines Vaters zu seiner elfjährigen Tochter. Die beiden sind zusammen im Urlaub und feiern seinen 31. Geburtstag. Der Film spielt die ganze Zeit mit der Spannung, dass die scheinbare Urlaubsidylle nicht gut enden wird. Der innere Konflikt des Vaters wird eindrucksvoll von Paul Mescal dargestellt. Einerseits will der junge Vater für seine Tochter da sein, andererseits ist er mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen überfordert. Die Kameraeinstellungen sind toll und auch der Schnitt macht den Film zu einem besonderen Erlebnis.
Filmstart (Deutschland): 15.12.2022 / MUBI (DCM)
Katrin
Trailer auf YouTube
SERIEN
“BEEF” von Lee Sung Jin

Auf einem Parkplatz geraten der mittellose Handwerker Danny (Steven Yeun) und die erfolgreiche Geschäftsfrau Amy (Ali Wong) aneinander. Der Streit endet in einer wilden und unter diesen Umständen vollkommen überzogenen Verfolgungsjagd bis hin zu einem absurden Rachefeldzug. “Beef” hat mich in diesem Jahr mit schwarzem Humor, einer absurden Story und Charakteren, die mir zwar nie sympathisch, aber doch irgendwie nachvollziehbar waren. Im Zentrum der Geschichte steht das Thema gesellschaftlicher Erfolgs- und Performancedruck (gotta love it). Beide Hauptcharaktere sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, doch haben eines gemeinsam: Sie sind zutiefst frustriert und versuchen nur den Erwartungen ihrer Familien und der Gesellschaft im Allgemeinen gerecht zu werden. Ihren ganzen Frust entladen sie in ihrer Feindschaft, die immer wieder überraschende Wendungen nimmt und immer absurder wird. Ich fand sowohl die Charaktere als auch die Geschichte sehr erfrischend und unkonventionell und auch die schauspielerische Leistung hat mir sehr gut gefallen. Diese Geschichte konnte mich seit langem mal wieder überraschen und war deshalb ein absolutes Highlight in diesem Jahr.
VÖ: 06.04.2023 / Netflix
Jenni
Trailer auf YouTube
“Bodies” von Paul Tomalin / Si Spencer

Krimi trifft SciFi trifft Mystery ist eine Kombi, die es mir nicht nur seit “Altered Carbon” angetan hat. Genau in dieser Nische spielt auch “Bodies”, eine britische Miniserie auf Netflix. Basierend auf einem Comic von Si Spencer begleitet die Serie vier Polizist:innen bei dem Fund von vier Leichen an vier verschiedenen Punkten in der Zeit – in allen vier Zeitabschnitten scheint es dieselbe Leiche zu sein. So werden hier Szenen aus den 1890ern, 1940ern, 2020ern und 2050ern in einer mysteriösen Geschichte vereint, die tiefer geht, als sie anfangs erscheint. Dadurch entstehen spannende Kontraste zwischen den verschiedenen Zeitaltern. Gleichzeitig behandelt die Serie Themen wie Sexualität im 19. Jahrhundert, Antisemitismus und Feminismus. Besonders die letzten zwei Folgen als aufregendes Finale und die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller:innen (Kyle Soller, Jacob Fortune-Lloyd, Amaka Okafor, Shira Haas) haben mir sehr gut gefallen.
VÖ: 19.10.2023 / Netflix
Theresa
Trailer auf YouTube
“Daisy Jones & The Six” von Scott Neustadter & Michael H. Weber / Taylor Jenkins Reid

Ich habe zwar etwas hin und her überlegt, aber am Ende bleibt die Serie des Jahres für mich „Daisy Jones & The Six“. Denn das hatte ich wirklich lange nicht (ich glaube, seit Streaming statt linearen Fernsehens vorherrscht, eigentlich nicht mehr), dass ich feste Tage hatte, die reserviert waren, um die neu erschienenen Folgen zu schauen. Die Literaturverfilmung erzählt die Geschichte der fiktiven Band The Six und von Daisy Jones (angelehnt an Fleetwood Mac) im Stile einer Dokumentation durch die Jahrzehnte. Ist es die beste Serie aller Zeiten? Nein. Haben mich manche Änderungen zur Buchvorlage gestört? Ja. Aber am Ende wurde ich gut unterhalten, ich habe mitgefiebert und danach das zugehörige Album rauf und runter gehört. Der Song „Look at Us Now (Honeycomb)“ ist nicht umsonst in meinen Top 5 im Spotify Wrapped 2023 gelandet. Ich bleibe zwar ein noch größerer Fan des Buches, aber auch die Serie über Daisy Jones & The Six würde ich mir erneut anschauen.
VÖ: 03.03.2023 / Amazon Prime Video
Kim
Trailer auf YouTube
Performance Scene auf YouTube
Instagram: @daisyjonesandthesix
GAMES
“A little to the left” von Max Inferno

Es ist kalt, es ist dunkel, das einzige, was man gerade braucht, ist ein warmer Tee, eine Kuscheldecke und ein cozy Game. Genau zu dieser Kategorie zählt auch “A little to the left”, ein Puzzle Spiel erschienen August diesen Jahres. Hier sortiert man Haushaltsgegenstände auf sehr zufriedenstellende Weise und komplett ohne Druck. Für viele Rätsel gibt es mehrere Lösungen, die man alle finden kann oder auch einfach nach einer Lösung weiter machen kann. Gleichzeitig gibt es auch keine Zeitbegrenzung, also kann jede*r in ihrer oder seiner eigenen Zeit spielen. Begleitet wird das Spiel von ruhigen Klängen und sanften Tönen. Ein absolute Freude zum Abschalten!
VÖ: 31.08.23 / Switch
Spiel auf Nintendo Switch
Spiel auf Steam
Titelbild: Alike Schwarz
