Rezension: „Nichts in den Pflanzen“ von Nora Haddada

Ein leeres Blatt (oder leeres Word-Dokument) ist, egal ob für Autor*innen, Blogger*innen oder Studierende immer erstmal eine Herausforderung. Man steht ganz am Anfang, weiß zwar, wo die Reise hingehen soll, doch manchmal fällt einem einfach nichts ein. Die Wörter wollen nicht aufs Papier. Schreibblockade olé! So geht es auch der Protagonistin Leila im Roman „Nichts in den Pflanzen“ von Nora Haddada.

Die Story

Leila ist eine junge Drehbuchautorin, die, so nehme ich es an, in Berlin lebt. Auf den ersten Blick scheint ihr Leben ganz gut zu laufen: Ihr Debüt-Manuskript für ein Drehbuch soll von einer Agentin groß gemacht werden, dafür hat sie sogar schon einen finanziellen Vorschuss bekommen. Ihr Leben besteht aus glamourösen Dinnerpartys und fancy Cocktails. Ihr Freund arbeitet für einen erfolgreichen Produzenten und hat ein Ferienhaus mit Sauna in Brandenburg. Was zu ihrem Glück noch fehlt? Das Ende ihres Kammerspiels. Doch dieses will nicht aufs Papier bzw. in den Computer. Sie flüchtet sich lieber in verrauchte Kneipen und in den Drogenrausch auf wilden Partys. Unterstützung ihrer ehemaligen Kommiliton*innen? Fehlanzeige! In der Berliner Kulturszene herrschen harter Konkurrenzkampf, Neid und Missgunst. Leila rutscht immer tiefer in die Spirale der Verzweiflung. Kreativ ist sie nur dann, wenn sie ihren Freund Leon quält – mit grausamen Taten und Affären. Die Suche nach Sinn begleitet Leila ständig.

Es war das erste Mal, dass wir zusammen Artischocken aßen, und ich war schockiert, als ich sah, wie er ein scharfes Messer nahm und sie in der Mitte in zwei Teile schnitt. Er lachte, er verstand die Aufregung nicht im Geringsten, also erklärte ich: „Es is grausam, den Weg zum Herzen so gewaltvoll aufzubrechen.

Auszug aus „Nichts in den Pflanzen“

Die Autorin Nora Haddada nimmt in ihrem Buch viele Dinge auf, die gerade die jüngere Generation beschäftigt: Vor allem die Suche nach dem Sinn, aber auch das Streben nach einem glamourösen und perfekten Leben sowie der ständige Vergleich mit Personen, die in einem ähnlichen Berufsfeld tätig sind. Natürlich spielt das Prokrastinieren eine zentrale Rolle im Buch – das kennen wir wohl alle: Dinge, die wir einfach vor uns her schieben und nicht zu Ende bringen.

Mein Fazit

Ich bin bei diesem Buch ganz hin und her gerissen. Ich finde die Geschichte sehr spannend. Die Protagonistin Leila wird als Anti-Heldin dargestellt. Sie wirkt nicht wirklich sympathisch, sondern grausam und mit viel innerer Wut. Diese Tatsache macht das Buch interessant. Ansonsten bleiben viele Charaktere der Geschichte leider sehr flach. Auch von Leila erfahren wir nur wenig persönliche Dinge, die uns Leser*innen zeigen würden, warum sie so handelt. Im Buch werden viele verschiedene Themen angerissen wie Rassismus, Selbstüberschätzung, Sinnsuche,  Leistungsdruck, Partnerschaft und Sexualität, jedoch werden diese nicht weiter in der Tiefe thematisiert. Das finde ich sehr schade, denn hier hätte es noch viel Potenzial gegeben.

Was mir ein bisschen die Freude am Lesen genommen hat, waren zwei unterschiedliche Erzählzeiten, die gewechselt haben. Leider kam ich hier immer wieder aus dem Lesefluss und war verwirrt, welche Handlungen zuerst stattgefunden haben. Der etwas abgehakte Schreibstil hat das Buch wirklich nicht einfach zu lesen gemacht.

Aus diesen Gründen fällt mein Fazit zum Buch etwas gemischt aus. Nicht alle müssen das Buch im Schrank stehen haben, wer sich für die Kultur- und Kunstszene oder Anti-Held*innen und Intrigen interessiert, sollte reinlesen.

Besonderer Shoutout an den Verlag

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Verlag, in dem das Buch erschienen ist. Der Ecco-Verlag aus Hamburg verlegt ausschließlich Bücher von Autorinnen, egal ob aus Deutschland oder internationale Schriftstellerin. Alle Autorinnen des Verlags haben gemeinsam dass sie über Themen schreiben, wie Familie, Heimat oder Herkunft, Liebe oder Verlust und Trauer. Mein persönliches Highlight sind die unglaublich schön gestalteten Cover der Bücher des Ecco-Verlags. Die machen sich gut in jedem Bücherregal.

Beitragsbild: Ecco-Verlag

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