Achtung Fettnäpfchen! Ein kleiner Reisebericht der kulturellen Vielfalt

Wie sagt man so schön? Andere Länder, andere Sitten. Oder in meinem Fall: Wie ich versuche zu vermeiden, mit Anlauf ins Fettnäpfchen zu springen. Aber erst mal ein paar Schritte zurück. Für mich ging es vor ein paar Wochen auf große Reise nach Südkorea und Japan. Nachdem Jenni euch schon vom leckeren südkoreanischen Essen berichtet hat, möchte ich euch einmal beschreiben, wie ich versucht habe, in beiden Ländern nicht unangenehm aufzufallen. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn ich als Touristin eins nicht sein will, dann ist es eine Touristin, die die Kultur und lokale Sitten nicht respektiert.

Doch natürlich hat das nicht immer geklappt und ich möchte euch einmal auf eine Reise in die kulturellen Besonderheiten mitnehmen.

Die Begrüßung

Fangen wir mal ganz von vorne an. Da kommen wir nach Südkorea und freuen uns, dort einen Freund zu besuchen, der am ersten Abend auch seine südkoreanischen Freund*innen mitbringt. Was mache ich also, sobald ich sie sehe? Ich breite meine Arme weit aus, bin bereit für eine Umarmung und stopp! Das hätte ich lieber sein lassen sollen, Südkorea und Japan sind sehr Drinnie-freundlich. Umarmungen sind nur für den engsten Kreis bestimmt. Weder diese, noch Küsschen auf die Wangen oder Händeschütteln gibt’s zur Begrüßung oder Verabschiedung – eine leichte Verbeugung – oder auch ein freundliches Zuwinken reicht aus.

Die richtigen Tischmanieren

Puh, nach den ersten Schwierigkeiten kommt nun das Essen – wie Jenni schon geschrieben hat: Ein wahres Träumchen: Doch Achtung! Auch hier wartet die Fettnäpfchen-Gefahr. Das scharfe Essen hat nämlich den besonderen Nebeneffekt, dass meine Nase anfängt zu laufen… schnief… was nun? Naseputzen am Tisch geht auf gar keinen Fall. Das wäre ein großer Fauxpas. Was machen Asiat*innen stattdessen? Nase zu und durch: Einfach alles hochziehen. Das kostet mich große Überwindung – aber Naseputzen ist keine Alternative! Also Schnodder hoch und durch.

Ich hantiere mit den Stäbchen einigermaßen manierlich. Und Karten auf den Tisch: Es war mir dann doch zu peinlich, meine davor im Internet bestellte Stäbchenhilfe auszupacken. Doch wohin mit dem ungewohnten Werkzeug, wenn ich was trinken will? Bloß nicht senkrecht ins Essen! Das ist Opfergaben für Tote vorbehalten… und soweit wollen wir es nicht kommen lassen – zumindest am ersten Abend.

Zum Schluss wird abgerechnet

Die Rechnung kommt: Was kann da schon schief gehen? Ist doch eigentlich wie in Deutschland, oder? Naja sagen wir mal so: Das Thema Trinkgeld ist schon innerhalb Europas kniffliger als gedacht. In Südkorea und Japan wartet hier ein großes Fettnäpfchen, denn Trinkgeld ist verpönt und eine zutiefst beleidigende Geste gegenüber den Kellner*innen. Also wird nur gezahlt, was auf der Rechnung steht – am besten in bar. Anders, als ich erwartet habe, steht Bargeld in beiden Ländern hoch im Kurs. Kartenzahlung ist eher die Ausnahme.

Let’s have some fun – aber bitte nicht so, dass alle es sehen

Nach dem gemeinsamen Abendessen geht es ab in die Fotobox: Wir ziehen uns lustige Kostüme an und haben ordentlich Spaß – doch Achtung: Hier lauert die nächste „Gefahr“. Lautes Lachen ist hier fehl am Platz. Am besten schmunzelt man nur in sich hinein oder hält die Hand vor den Mund, denn Gefühle – egal ob Freude, Trauer oder Wut werden hier nicht nach außen getragen.

Unsere schicken Kostüme aus der Fotobox – Lachen geht aber eigentlich nur unter vorgehaltener Hand.

Nach einer Woche Südkorea dachte ich, dass ich mich gut an die asiatische Kultur angepasst habe, doch in Japan erwarten uns noch zwei spezielle zusätzliche Hürden: Also auf die Fettnäpfchen-Plätze, fertig, los!

Das stille Örtchen mit vielen Tücken

Los geht es schon gleich am Flughafen – auf der Toilette. Der wohl erste Ort, den Tourist*innen nach jedem Flug in einem neuen Land besuchen. Wenn man die Technikaffinität und den Fortschritt Japans in einem Bild beschreiben muss, dann ist es für mich dieses:

Ein Washlet in Tokio – diese high-end Toiletten gibt es an jeder U-Bahn-Station.

Das sind die Funktionen eines sogenannten Washlets, die japanischen Toiletten, die so in jeder U-Bahn-Station zu finden sind und einfach alles können: Von Po-Dusche in verschiedenen Stärken bis hin zu Musik, damit das stille Örtchen nicht mehr ganz so still ist. Aber auch hier gilt: Ganz genau zielen! Relativ nah an dem Wirbelsturm, dem Symbol für die Klospülung ist der SOS-Knopf. Wer also nicht will, dass jemand zur Hilfe in die Kabine eilt, sollte vor dem Drücken auf den Abzug noch mal genauer hinschauen.

Toilette ist auch ein gutes Stichwort, um das wohl größte Fettnäpfchen zu beschreiben, das in Japan passieren kann. In Restaurants und in Hotels gibt es Kloschuhe. Das sind meist Gummi-Schlappen, die vor den Toilettenräumen stehen. Was tun als Tourist*in? Bloß nicht ignorieren, sondern eigene Schuhe aus und in Schlappen aufs Klo. Wichtiger Hinweis: Niemals mit den Kloschlappen zurück ins Restaurant! Das wird sonst sehr peinlich, da die Schuhe nur für den Toilettengang gedacht sind.

Fettnäpfchen gekonnt umschifft?

Wer das alles vorher weiß, ist klar im Vorteil. Statt mit Schimpf und Schande ging es für mich mit vielen tollen Erfahrungen im Gepäck und einem großen Sprung über die vielen möglichen Fettnäpfchen zurück nach Deutschland. Darauf erst mal ein kräftiger Schnäuzer ins Taschentuch.

Beitragsbild: unsplash / yoavaziz

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