Streetart in Jordanien

„We all need art, art is therapy, art is human expression, art is life.“ Mit Blick auf die Graffitis in Amman kann ich gut nachvollziehen, was Alaeddin damit meint. Alaeddin ist viel auf den Straßen der Altstadt von Amman unterwegs, weiß einiges über die Straßenkunst und ist Teil der Hip-Hop-Szene in Jordanien. Die Kunst, die ich in den letzten Wochen auf den Straßen von Amman gesehen habe, ist bunt, aufregend, stilvoll, verspielt, politisch, romantisch, ästhetisch und vieles mehr. Einiges davon möchte ich euch hier zeigen.

Das Stadtbild Ammans wandelt sich

Wenn man die Hauptstadt Jordaniens aus der Ferne betrachtet, sieht man zunächst viele sandfarbene Häuser, dicht aneinander gebaut, mit flachen Dächern und dazwischen graue Straßen. Erst wenn man genauer hinsieht, entdeckt man im Kontrast dazu goldene Kuppeln von Moscheen, kleine Wiesen, bunte Teppiche und immer wieder große Graffitis an den Hauswänden oder Mauern. Man könnte fast glauben in New York oder einem Trendviertel von Berlin zu sein, stattdessen befindet man sich in einem eher konservativen Land. In den letzten Jahren hat sich das Stadtbild durch die Streetart sehr verändert. Gleichzeitig, erklärt mir Alaeddin, habe sich aber auch die Gesellschaft gewandelt: „Art has been influential in providing an outlet for our youth to express themselves more freely. I believe that art will continue to change Amman, as more people understand the benefits of art which include mental health benefits and youth engagement.“

Graffitis sind Teil der Kultur

Wenn man als Tourist:in zum ersten Mal durch die kleinen Gassen der Hauptstadt geht, kann man sich immer wieder an kleinen und manchmal auch riesigen Kunstwerken erfreuen. Sie sind super unterschiedlich, mal bunt, mal schwarz-weiß, einige sind abstrakt, andere sind sehr genaue Kopien von berühmten Künstler:innen wie Van Gogh. Alle erzählen ihre eigenen Geschichten und Alaeddin meint „many youth artists really appreciate and like street art and graffiti, and their becoming more active in telling their stories on the walls“. Um mehr von ihren Geschichten zu erfahren und andere Kunstwerke von ihnen zu finden, signieren die jungen Künstler:innen ihre Graffitis oft mit ihren Instagram-Namen. Auf ihren Profilen haben einige von ihnen auch die Entstehung der Graffitis festgehalten.

@Farahhhsaleh Foto: Franziska Venjakob

Kunst wird zur politischen Botschaft

Besonders beeindruckt hat mich das Graffiti mit dem Titel We are one (2016) vom Künstler Akut of Herkamt. Es befindet sich direkt am römischen Theater von Amman und zeigt ein Porträt mit einer männlichen und einer weiblichen Gesichtshälfte. Es ist Teil eines Projektes zur Förderung des sozialen Dialoges zu Geschlechtsidentität und symbolisiert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Besonders in einer konservativen und traditionellen Gesellschaft wie Jordanien ein herausforderndes Thema. In der Graffiti-Szene haben sich die Frauen in Amman deutlich durchgesetzt, laut Alaeddin sind 70 Prozent der Kunst auf Hauswänden und Mauern von Frauen.

We are one (2016): Akut of Herkamt. Foto: Franziska Venjakob

Die Graffitis in Amman greifen bewusst stereotypische Bilder auf und wollen durch ihre Vielseitigkeit die Gesellschaft repräsentieren. Die Künstler wollen die Missverständnisse und Vorurteile gegenüber der Region aufheben und laut Alaeddin gelingt es ihnen: „Visitors really love the art, they are emotionally moved by the stories and get a better understanding about our culture.“ Ich habe selbst das Gefühl, die Erlebnisse mit den Menschen vor Ort und die Kultur in der Kunst wiedergefunden zu haben. Einige meiner Fotos können euch vielleicht einen Einblick geben.

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