Vielfalt im deutschen Film

Unsere Gesellschaft ist vielfältig – und unsere deutschen Filme? Nun ja… die sind weiß, männlich, heterosexuell, wenig inklusiv und voller Stereotype. Minderheiten sind in der Kulturbranche generell unterrepräsentiert. Im deutschen Film wird dies aber noch mal deutlicher.

In diversen bzw. vielfältigen Darstellungsformen des Films wird das tatsächliche Bild einer Gesellschaft widergespiegelt. Alle sollen sichtbar und repräsentiert sein. Zu den Dimensionen von Diversity zählen Geschlecht und geschlechtliche Identität, Alter, sexuelle Orientierung und Identität, ethnische Herkunft und Nationalität, Behinderung, Religion und Weltanschauung.

Wagen wir ein kurzes Gedankenexperiment:

Welchen deutschen Film habt ihr zuletzt geschaut? Wer spielte dabei die Hauptrolle? Frau oder Mann? PoC oder Weiße? Eine Person mit körperlicher Einschränkung oder ohne? Was war der Plot? Wie wurden Personen dargestellt, die nicht weiß, männlich und heterosexuell waren?

Böhmermann und der deutsche Film

Auch Jan Böhmermann greift dies satirisch in seinem ZDF Magazin Royal auf und bringt es zugespitzt ganz gut auf den Punkt: Der deutsche Film ist ein sehr wiederkehrendes Konstrukt.  

Böhmermann kategorisiert die deutschen Filme in drei Themenblöcke:

  • Arschloch mit Herz aus Gold findet die große Liebe.
  • Junge Leute bekommen tragische Diagnose und machen eine Reise.
  • Nazis, Weltkrieg, DDR.

Auch die Filmtitel sind nicht sonderlich divers: Männerhort, Männersache, Männertag, Männerherzen, Männerpension, Irren ist männlich, Irre sind männlich, What a Man, Mann tut was Mann kann, Da muss Mann durch, Männer wie wir, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken, 7 Zwerge – Männer allein im Wald.

Vielfalt vor und hinter der Kamera

Vielfalt ist bei Schauspielenden mittlerweile schon vorhanden. In den meisten Filmen wird diese Diversität aber durch Klischees überschattet. In rund 80% der Filme wird die Vielfalt der Gesellschaft klischeehaft dargestellt. So sind Frauen oft als Problem und werden als Zicke dargestellt, Menschen mit Migrationshintergrund wirken gewalttätig und kriminell, Menschen mit Behinderung sterben zum Ende des Filmes oder werden gesund.

Der Grund dafür: Vielfalt fehlt vor allem hinter der Kamera – also da, wo die wichtigen Entscheidungen über den Film getroffen werden: Redaktionen, Drehbuch, Produktionsfirmen, Regie und Casting.

Wie wenig divers der deutsche Film ist, zeigt die Studie vom Bündnis Vielfalt im Film. Dieses befragte im vergangenen Jahr über 6000 Filmschaffende in rund 440 Berufen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Diskriminierung durchzieht die deutsche Filmbranche und schränkt die Teilhabe von Filmschaffenden mit unterschiedlichen Vielfaltsbezügen ein.

Die Hälfte der Befragten der Studie „Vielfalt im Film“ gibt an, Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext gemacht zu haben. Die drei häufigsten sind Geschlecht, Lebensalter und Rassismus. Außerdem wurden Diskriminierungen in Bezug auf Körpergewicht, sexuelle Orientierung / Identität und Behinderung / Beeinträchtigung genannt.

Dieses Video fasst die Ergebnisse der Studie zusammen und macht darauf aufmerksam, dass sich Diskriminierung durch die gesamte deutsche Filmbranche zieht – vor und hinter der Kamera.

Empfehlenswert ist auch das ZDF-Magazin aspekte mit dem Titel: „Kampf um Identität – was ist heute noch „normal“? Katty Salié führt die Zuschauer*innen durch eine spannende Sendung, in der es um Identitätspolitik geht. Es geht um die Debatte, wer das Gedicht von Amanda Gorman übersetzen dürfe, über Rassismus im Fußball und über die fehlende Vielfalt im Film.

Und wie sieht es in anderen Ländern aus?

Eine gute Nachricht zum Schluss: In anderen Ländern ist man schon viel weiter. In den USA sind Filme, Serien und die gesamte Kulturbranche auf dem guten Weg, diverser und repräsentativer zu werden. Zwei Beispiele: In der Netflix-Serie „Bridgerton“ wird die deutschstämmige britische Königin Charlotte von der guyanisch-britischen Schauspielerin Golda Rosheuvel gespielt. Im Musical „Hamilton“ werden die historisch weißen Figuren wie die Präsidenten Washington und Jefferson von schwarzen und lateinamerikanischen Schauspielern gespielt.

Und auch in Frankreich zeigen Komödien wie Monsieur Claude und seine Töchter, wie Stereotype auf lustige Weise überwunden werden können.

Beitragsbild: rawpixel

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