How to date a feminist

„Ich mag dich mehr als Konzept, als als Person.“

Carina über Steve

In der heutigen Welt hat man es als Mann nicht mehr leicht. Auf einmal haben alle Frauen Vorstellungen davon, wie man sich ihnen gegenüber zu verhalten hat. Soll man jetzt noch die Tür aufhalten und die Einkaufstüten für sie tragen oder ist das schon sexistisch? Da weiß man wirklich gar nicht mehr, was man machen soll! Zum Glück gibt es jetzt „How to date a feminist“ beim Schauspiel Köln, das einem all diese Fragen beantwortet! Puh, nochmal Glück gehabt!

Das Stück, komplett aufgeführt von zwei Personen, handelt vor allem von Steve und Kate, die sich auf einer Party kennenlernen. Anfangs will Kate mit Steve nur ihren Boss und Ex-Freund eifersüchtig machen, doch dann nähern sich die beiden an. Kate ist eine junge, ehrgeizige Journalistin, die auf ihre Äußeres achtet und (normalerweise) auf Machos steht. Steve, von Beruf Bäcker, ist der ultimative Feminist. Als Sohn der Politaktivistin Morag versteht er Kates Verhalten und Vorlieben häufig nicht. Diese ist jedoch mit einem autoritären und konservativen Vater, der in Flüchtlingscamps aufgewachsen ist, großgeworden. Trotz großer Unterschiede und der Widerstände aus Freundes- und Familienkreis kommen die beiden zusammen und wollen heiraten… Umrahmt wird diese Hauptgeschichte mit kurzen Interludes, die „Hinter den Kulissen“ spielen und die Unterhaltungen zwischen den beiden Schauspieler*innen zeigen. Das Stück nimmt damit alle Seiten, die feministischen und nicht-feministischen Meinungen und Verhaltensweisen extrem auf die Schippe und stellt so manche Eigenart der jeweiligen Seite pointiert in Frage.

Das Kölner Schauspiel arbeitet mit einem offenen Raum, vor dem ein provisorischer grüner Vorhang gespannt wurde. Farbwahl und Dimensionen sind schrill. Gerahmt ist der Raum links und rechts von den Garderoben und Schminktischen der beiden Schauspieler*innen, im Hintergrund Studioelemente, die einen schmalen Gang kreieren. Wie in einer Einzimmer-Wohnung immer mehrere Zimmer in eines gepackt werden, so werden auch hier aus einem großen Raum viele unterschiedliche Räume. Meist reichen kleine Änderungen, um für die Zuschauer*innen ersichtlich zu machen, dass wir uns nun woanders befinden. Auch die Kleiderwechsel finden stets auf der Bühne statt. Dabei werden mit den einfachsten Mitteln sehr eindrucksvoll Veränderungen geschaffen und manchmal auch Kostüme geschickt umfunktioniert.

Jansen und Sanchez sind ein eingespieltes Team. Gerade die Unterhaltungen der beiden, wenn sie „hinter der Kulisse“ spielen, wirkt sehr authentisch, aus dem Bauch heraus und auf natürliche Art und Weise komödiantisch, vielleicht auch, weil die beiden außerhalb des Schauspiels ein Paar sind. Auch den Spagat zwischen den einzelnen Rollen schaffen sie mühelos, sodass man am Ende den Eindruck gewinnt, dass sie gar nicht unbedingt den Kostümwechsel bräuchten, um die verschiedenen Charaktere zu porträtieren.

Joe und Morag, die Eltern (Ebenfalls gespielt von Sanchez und Jansen) | Bild: Ana Lukenda / Schauspiel Köln

Am Besten schaffen es die Beiden mit viel Situationskomik und dem ständigen Metawechsel das Publikum zum Lachen zu bringen. So gibt es immer wiederkehrende Tropes, die das Stück sehr spaßig machen, auch bei den potentiell schweren Themen, die es behandelt.

Das Hauptmotiv des Theaterstücks, der Feminismus, wird in all seinen Eigenarten und Klischees auseinandergenommen. Das fängt an, mit nach dem Einverständnis zum Küssen fragen und geht bis zu dem Sicherstellen, dass sich Kate bewusst ist, dass sie sich im Rahmen der Ehe dem patriarchalen System unterwirft. Zu Weilen ist die übertriebene Darstellung dieses Feminismus (oder etwa des Chauvinismus des Vaters) lustig, regt aber nach einigen Wiederholungen auch zum Denken an.

Die Umstellung etwa, dass der Mann der Feminist ist und der Frau dem Feminismus gegenüber eher gleichgültig ist, wirft interessante, neue Fragen auf. Kann man einer Frau den Feminismus aufdrängen? Vor allem, wenn man ein Mann ist? Und verfällt man nicht wieder in patriarchale Strukturen der Unterdrückung, wenn man versucht, eine Frau zu zwingen, feministisch zu handeln und zu denken? Irgendwie hatte zumindest ich am Ende des Stücks das Gefühl, dass es nicht so einfach sein kann.

Durch die Pointierung und die übertriebene Ironie weiß man am Ende nicht mehr, wo die eigenen Werte aufhören, die Aussagen des Stückes anfangen und wo darin die Wahrheit steckt. Dadurch fängt man an, das bisher Gedachte zu hinterfragen und auch Klischees und Sichtweisen, die man für sich selbst aufgebaut hat, auseinanderzunehmen. Das Stück drückt (auch bei Feminist*innen) auf Stellen, die wehtun und macht das gleichzeitig auf eine charmante, kurzweilige und lustige Art und Weise. Ich würde es mir in Zukunft auf alle Fälle nochmal anschauen!

Wer das Stück auch sehen möchte, findet auf der Webseite von Schauspiel Köln weitere Informationen!

Hochzeit? | Bild: Ana Lukenda / Schauspiel Köln

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