„I’m fallin‘, baby through the sky
„Broadway Here I Come“ aus Smash
It’s my callin‘, baby
Don’t you cry, don’t you cry
‚Cause I’m fallin‘ down through the sky
And it’s a tune you can hum
Oh, Broadway here I come“
Für viele ist der Broadway ein Traum. Die einen wollen dort auf der Bühne stehen, die anderen wie ich wollen glücklicherweise nur vor der Bühnen sitzen. Das ist nämlich leichter zu erreichen, würde ich jetzt mal so behaupten. Der Grund für die Faszination Broadway? Er lässt Träume wahr werden and „I [also] refuse to stay numb“. Deswegen liebe ich nicht nur den Broadway, sondern Musicallieder generell. Man sitzt in der vollen Subway, hält den Kaffee in der Hand, das Gesicht ist ausdruckslos, aber auf den Ohren, da sind die Emotionen. Cause this is where I need the drama: on stage! Im Alltag kann ich so mein bestes entspanntes Selbst sein.
Die Musicalszene hier in Deutschland ist ja leider eher überschaubar und viele Menschen haben keinen Bezug zu Musicals außerhalb des Disney-Universums. Verständlich, wenn hier Musicals aus PUR-Liedern kreiert werden. Versteht mich nicht falsch, natürlich präsentiere ich beim PUR-Hitmix meinen besten Discofox, aber müssen die Lieder wirklich auf eine Musicalbühne? I doubt it! Falls da jemand anderer Meinung ist, lasse ich mich gerne belehren.
Als ich dann in New York war, konnte ich mich kaum entscheiden, welche Musicals ich besuche. Auf Grund eines monetären Mangels konnte ich mir nicht alle anschauen und musste Wege finden, so viel Kultur wie möglich kostengünstig aufzusaugen. Meine Tipps teile ich natürlich gerne mit euch. Ich werde außerdem versuchen euch mit kurzen Einblicken zu zeigen, warum Musicals vor allem in NYC ein Muss sind. So kommen auch Menschen, die nicht vorhaben in nächster Zeit zum Broadway zu fahren, auf ihre Kosten, ohne Geld dafür ausgeben zu müssen. You can thank me later. Um Euch das Drama in der Musik näher zu bringen, habe ich hier eine kleine Songanalyse vorbereitet. Spoiler alert: Musicals spielen und enden nicht immer im Friede-Freude-Eierkuchenland.
Zunächst sollten wir jedoch klären, was der Broadway eigentlich ist. Also nehmen wir mal unsere kleine Helferin Wikipedia an die Hand und schauen, wie sich Broadway und Off-Broadway unterscheiden. Nun ja, der Broadway ist eine breite Straße, die sich durch ganz Manhattan erstreckt. Mit Hinblick auf künstlerische Darstellungen ist jedoch ein bestimmter Teil gemeint, das sogenannte Theatre District. Das Viertel liegt um den Time Square herum und die Stücke, die dort aufgeführt werden, wurden ursprünglich als Broadwaystücke definiert. Theater, die etwas außerhalb lagen, waren Off-Broadway und die noch weiter weg lagen Off-Off-Broadway. Heute kommt jedoch auch noch eine Definition nach Sitzplätzen hinzu. Die Kategorien sind: 500 und mehr (Broadway), 100 bis 500 (Off-Broadway) und weniger als 100 (Off-Off-Broadway). In New York werden zurzeit 41 Häuser als Broadway-Theater gezählt. Es ist natürlich möglich, dass ein Stück Off-Broadway uraufgeführt wird und dann in ein Broadway-Theater umzieht, wie zum Beispiel bei Dear Evan Hansen oder Rent.
Das Problem beim Broadway ist oft der Preis. Karten für unter 100 Dollar bei einem Kassenschlager sind schon günstig. Denn viele Kartenpreise gehen eher Richtung 200 Dollar. Das ist natürlich alles abhängig von Zeit, Sitzplatz, Beliebtheit, etc. Läuft ein Musical zum Beispiel nicht so gut, werden die Preise gerne mal reduziert. Eine gute App, die da weiterhelfen kann, ist TodayTix. Dort bekommt man eine gute Übersicht und auch Angebote. Rush Tickets und eine Lotterie sind ebenfalls dabei. Rush Tickets sind Karten, die kurzfristig gekauft werden können, heißt am Tag selbst und deswegen günstiger sind. Bei Lotterien kann man Karten gewinnen, die kostenlos oder stark vergünstigt sind. Viele Musicals bieten das auch selbst an, wie zum Beispiel Hamilton oder Wicked. Hamilton konnte ich durch die Rush-Tickets für 40 Dollar sehen. Es war ein Stehplatz, aber das habe ich gerne in Kauf genommen. In Deutschland ist das leider nicht möglich. Da gibt es bei Hamilton nicht mal eine Abendkasse. Ich glaube Lin-Manuel würde das gar nicht gefallen. Denn Kultur sollte für alle Menschen zugänglich sein!
Zurück zum eigentlichen Thema: Die Lotterien sind mittlerweile oft digital, manchmal muss man aber auch zu einer bestimmten Zeit am Theater sein. Willst du also ein bestimmtes Musical sehen, kann man es immer mal mit Glück probieren. Für mehr Infos zum jeweiligen Musical hilft dir Google sicherlich gerne weiter.
Das mit dem Glück hat bei mir leider weniger funktioniert. Deswegen war mein Trick, einfach kurz vor Vorstellungsbeginn zu dem Theater zu gehen und nachzufragen. Da dürft ihr euch aber auch nicht veräppeln lassen, weil die auch gerne die Tickets für den Normalpreis anbieten. Wenn ihr dann aber fragt, ob es nicht noch günstigere Tickets oder Studitickets gibt und klar macht, dass ihr sonst keine kauft, bekommt man nochmal eine andere Preiskategorie vorgeschlagen. Die Plätze haben jedoch oft ein Manko. Meistens sieht man zum Beispiel einen kleinen Teil der Bühne nicht. Einmal hatten wir aber auch nur weniger Beinfreiheit. Da muss man sich natürlich selbst fragen, was einem wichtiger ist. Ich konnte dadurch halt sehr viel mehr Musicals sehen, als wenn ich immer den vollen Preis gezahlt hätte. So hatte ich auch die Chance Six zu sehen und das hätte ich echt nicht missen wollen. Hier ein kleiner Einblick.
In dem Musical geht es um die Frauen von Henry VIII. Sie battlen sich in einer Show um das tragischste Schicksal. Am Ende kommt natürlich raus, dass sie viel mehr als ihr Schicksal sind. Sie sind „one of a kind, no category“. Das könnten sich auch diverse Streaminganbieter mal durch den Kopf gehen lassen.
Zu Six gibt es wundervolle Neuigkeiten: Die sechs Königinnen kommen nach Deutschland! Die Produktion des Londoner Westend tourt für einige Wochen in Berlin und München. Tatsächlich stammt das Musical aus UK, Schottland, um genau zu sein, aber ich mag die Aufnahme des Broadways trotzdem lieber. Hört bei Spotify auf jeden Fall rein. Denn das Musical macht einfach unglaublich Spaß!
Um grandiosen Gesang und einen tollen Abend zu erleben muss man aber nicht in eins der offiziellen Theater gehen. Es gibt zum Beispiel auch das „Below 54“. Der Name kommt in der Tat von dem Studio 54. Manchen Leser:innen ist das bestimmt ein Begriff. Es befindet sich nämlich in eben diesem Gebäude. Das Below 54 wird auch als „Broadway’s Living Room“ bezeichnet, weil dort viele Talente auftreten. Ich wurde auf diese Lokalität durch folgendes Video aufmerksam.
Dort gibt es für Studierende die eben beschriebenen Rush-Tickets. Dazu kommt jedoch auch ein Mindestverzehr. Denn es gibt dort keine Sitzreihen. Man sitzt dort an Tischen oder an der Bar, isst, trinkt und genießt den Abend. Diese Art von Veranstaltungen gibt es in NYC öfter, zum Beispiel im Comedy Cellar. Die Preise im Below 54 variieren von Veranstaltung zu Veranstaltung. Mal singt dort Ute Lemper, mal wird ein neues Musical aufgeführt. Ich habe mir dort die Prounoun-Show angeschaut, bei der die Künstler:innen die Pronomen in den Liedern ändern. Dadurch bekommen sie nochmal einen ganz anderen Klang. Hier ein kleiner Einblick.
Es empfiehlt sich außerdem die Augen und Ohren in New York offen zu halten. Nicht nur, weil schon in den U-Bahnstationen unglaubliche Talente singen, sondern auch Cafés und andere Orte, Bühnen für Kunstschaffende bieten. Ich habe zum Beispiel in einem Café einen Aushang für eine Open Stage gesehen und bin dort hingegangen. Dort musste ich mich kurz kneifen. Denn ich habe gedacht, ich sehe und höre nicht richtig. In New York sind die Menschen einfach auf einem ganz anderen Level. So hat einer einen Song aus seinem eigenen Musical gesungen. Voll normal. Ein anderer hat ein Gedicht vorgetragen und es sind auch Comedians aufgetreten, die nicht alle weiß, cis und männlich waren. Unglaublich.
Zum Ende des Artikels gibt es den besten Musicalsong evaaaa. Als ich dann endlich zum ersten Mal Wicked gesehen habe, war ich geschockt, dass es nicht das Finale ist. Beeindruckend war aber auch, wie alle Menschen im Gershwin Theater auf diesen Moment gewartet haben. Die gemeinsame Stille und Verzauberung durch diesen Moment war einfach einzigartig.
Beitragsbild: Populärkollektiv
