Konzert-Review: Nova Twins im Blue Shell, Köln

Das Punk-Duo Nova Twins aus England ist dabei, die Alternative-Musikwelt von hinten aufzurollen. Das haben sie am vergangenen Sonntag bei ihrem Tour-Auftakt im legendären Blue Shell Club bewiesen. Zentral an der Luxemburger Straße in Köln gelegen, hat der Club seinen Status als Kultvenue in der Rock- und Alternative-Szene über mehrere Jahrzehnte hinweg zementiert. Nicht allzu viele Leute passen in ihn rein. Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Das Konzert von Nova Twins in dem engen Raum ist ein gutes Beispiel dafür, dass gerade kleine Konzerte sehr intensive und tolle Erlebnisse sein können.

Der Blue Shell Club an der Luxemburger Straße in Köln (Bilder: Alike Schwarz).

Schon die Vorband Dream Nails hat der Menge gut eingeheizt. Als sich dann Nova Twins auf die Bühne schieben, nur von einem Stagehand begleitet, der ihnen den Weg durch die Menge zur Bühne frei macht, geht ein Raunen durch das Publikum. Mit vollem Körpereinsatz legen Amy Love (Gesang, Gitarre) und Georgia South (Bass) los. Love’s Stimme ist beeindruckend energiegeladen und verliert trotzdem nie die Melodie. Ihrer Gitarre entlockt sie wütende Riffs, die die Fäuste hochgehen lassen. Währenddessen gibt die Bass-Gitarre von South den Songs ordentlich Druck. Bereits beim zweiten Song ist fast das gesamte Publikum in einem Moshpit verheddert. Zwischendrin verlassen die beiden Musikerinnen die kleine Bühne und springen in die Menge. So nah und intensiv habe ich schon lange kein Konzert mehr erlebt.

Nova Twins im Blue Shell, Köln am 14. August 2022 (Video: Alike Schwarz).

Ganz nebenbei schaffen Nova Twins es so nicht nur, die etwas eingeschlafene Alternative-Szene aufzuwecken, sondern auch die Tür für female-fronted PoC-Rock aufzustoßen. Love sagte hierzu in einem Interview, dass die Musikindustrie am Anfang ihrer Karriere im Jahr 2014 nicht viel mit ihnen anzufangen wusste:

We had a lot of rejection. The industry was like ‘What is this? Where do we put this band? When we showed up to festivals, we’d be the only women and people of colour on those bills.

Wir wurden sehr oft abgelehnt. Die Musikindustrie war so „Was ist das? Was machen wir mit dieser Band? Als wir damals auf Festivals aufgetaucht sind, waren wir die einzigen Frauen und PoCs auf den Rechnungen. (Übersetzung der Redaktion)

Amy Love im Interview (Evening Standard, England)

Umso mehr freue ich mich jetzt für die Gruppe, dass sie gerade der neue, heiße Act sind. Zufrieden und müde gehe ich nach dem Konzert mit stolz erworbenem Band-Shirt nach Hause und hoffe auf Gelegenheit, die beiden Londonerinnen nochmal live zu sehen.


Titelbild: Alike Schwarz

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