Mein Instagram-Detox und die traurige Wahrheit

Triggerwarning: In diesem Artikel geht es um Sucht.

Nach meiner letzten Instagramwoche beim Populärkollektiv (die mit den Gesellschaftsspielen) habe ich mich entschlossen, Instagram von meinem Handy zu löschen. Um mal ganz offen und ehrlich mit euch zu sein: Ich war viel zu viel bei Instagram und dabei noch nicht mal zufrieden mit dem was ich da gesehen habe. Entweder habe ich mich mit anderen verglichen, mich über die aktuelle Situation aufgeregt oder über die ständige Werbung gewettert. Also dachte ich mir, weg mit der App. Vielleicht hilft mir das ja, glücklicher und produktiver zu werden. Denn, stellt euch mal vor, ich würde die Zeit, die ich sonst auf Instagram verdödelt habe, produktiv nutzen. Diese Potential! Die Bücher, die ich schon geschrieben hätte oder die Nobelpreise, die ich schon gewonnen hätte.

Ich konnte nicht genau rausfinden, was aktuell die Durchschnittsdauer ist, die Instagram-Nutzer*innen auf der App verbringen. Bei meiner qualitativen Umfrage im Freund*innenkreis wurde mir aber ziemlich schnell klar, dass ich mit meinen mehreren Stunden Nutzungszeit durchaus über dem Durchschnitt liege. Also hab ich einen Cut gemacht und Ende Februar die App vom Handy gelöscht.

Tatsächlich habe ich auch von Beginn an die App eigentlich nicht vermisst. Klar, mein Unterbewusstsein hat immer wieder die gleichen Bewegungen durchgeführt, um auf die App zu kommen. Schon ein komisches Gefühl, wenn die App dann nicht mehr da ist. Aber mein Gehirn hat schnell eine Ausgleichshandlung gefunden: TikTok! Zum Glück ist die App ähnlich aufgestellt und so konnte sich mein Gehirn auf Entzug gleich auf den neuen Stoff stürzen. TikTok habe ich direkt genauso viel, wenn nicht noch mehr, konsumiert. Das habe ich mir zwei Tage angeschaut und dann überlegt, dass das ja auch nicht Sinn der Sache war. Also wurde TikTok auch gelöscht.

Jetzt war ich zwei Apps ärmer und hoffentlich frei von dieser Insta-Sucht. Dachte ich. Wusstet ihr, dass Youtube jetzt auch Stories hat? Und man kann sich dort auch TikTok-Compilations anschauen. Also entwickelte sich meine Instagram-Sucht innerhalb kürzester Zeit zu einer viel größeren Youtube-Sucht. Klar, auf Youtube sind die Formate länger als bei Instagram und dementsprechend bleibt man auch länger. Ich glaube, das war der Punkt, an dem mir bewusst geworden ist, dass ich vermutlich gar nicht so Instagram-süchtig, sondern eher Handy-süchtig bin.

Bei der Doku „Das Dilemma mit den Sozialen Medien“, die letztes Jahr rausgekommen ist, geht es ja darum, dass speziell Instagram so designt ist, dass sich das Refreshen anfühlt, wie bei einem einarmigen Banditen im Casino den Arm runterzuziehen. Und diese Sucht nach dieser kurzen Befriedigung ist nicht so einfach auszustellen. Selbst wenn ich mich bewusst dazu entscheide, die App zu löschen, so braucht mein Dopamin-gesteuertes Gehirn doch eine Ausgleichshandlung. Und in diesem Falle hat es sich den Ausgleich bei immer anderen Entertainment-Apps gesucht.

Gefühlt ist das durch die Pandemie auch stärker geworden. Ich sitze sowieso die ganze Zeit nur noch Zuhause, bin im Homeoffice und bin allein. Äußere (nicht virtuelle) Einflüsse gibt es, im Vergleich zu vorher, nicht mehr so viele. Wenn man sich mit anderen in Verbindung setzen will, macht man das alles auch digital, meistens durch Messenger-Apps oder eben durch die DMs von Instagram. Auch das zieht jede*n Einzelne*n natürlich zu diesen Apps.

Jetzt sitze ich also seit zwei Monaten ohne Instagram da und bin nachweislich mehr am Handy als vorher. Die Tipps zur Abgewöhnung aus dem Internet helfen auch nicht. Youtube vom Handy zu löschen, dazu konnte ich mich bisher noch nicht überwinden. Schließlich ist Youtube ja auch total rational ein Ort, an dem ich produktive Sachen recherchieren kann. Ich versuche mir bereits, handyfreie Zeiten zu geben, ich bin möglichst achtsam, ich lege mir andere Möglichkeiten der Beschäftigung parat. Instagram habe ich mir vor zwei Wochen aber auch wieder installiert. Diesmal „nur“ auf dem Ipad, da bin ich nicht so oft dran.

Okay, am Ende dieses Textes sollte nun eine positive Aussicht, ein Erfolg stehen. Ehrlich gesagt sehe ich diese Zeit nicht wirklich als Erfolg an. Wirklich was gelernt habe ich dadurch auch nicht. Vielleicht könnte man meine veränderte Wahrnehmung zu meinem ferngesteuerten Gehirn als positiv auslegen. Immerhin weiß ich jetzt, wie krass mein Problem ist. Ich glaube auch, dass ich, um längerfristig weniger am Handy zu hängen, meine Ausgleichshandlungen entsprechend ändern muss. Vielleicht fange ich so langsam an, aus Langeweile zum Buch und nicht zum Handy zu greifen.

Wenn ihr Tipps habt, könnt ihr diese natürlich auch gerne in den Kommentare da lassen. Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Titelbild: Photo by NeONBRAND on Unsplash und Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay (Bearbeitet von Theresa)

Ein Gedanke zu “Mein Instagram-Detox und die traurige Wahrheit

  1. Die Sucht nach sozialen Medien ist tückisch, weil diese Apps so viele unserer Grundbedürfnisse stillen.
    Ich glaube das könnte der springende Punkt sein. Was suchst du (und wir alle anderen) bei Instagram etc.? klar Aufmerksamkeit & Soziale Zugehörigkeit. Welche Funktion erfüllt Insta noch für dich? bei mir wäre es außerdem Inspiration, informiert bleiben, Ablenkung, Zerstreuung, auch mal laut loslachen und Vorbilder haben.
    Was fällt dir ein? Wie du festgestellt hast, ist die App deinstallieren eine radikalee aber im Moment noch nicht ganz hilfreiche Taktik. Vielleicht brauchst du noch mehr „Ersatzhandlungen“, die die Funktionen von Insta für dich ersetzen?

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