BTS sind zurück – endlich! Nach vier Jahren Pause und einigen Solo-Projekten machen die sieben Männer RM, Jin, Suga, J-hope, Jimin, V und Jungkook wieder gemeinsam Musik. Mit ihrem Album Arirang schlagen die nun größtenteils über 30-jährigen Männer ganz neue, erwachsene Töne an und bleiben sich doch immer noch selbst treu.
Pause auf Grund von Militärdienst
Vier Jahre Pause sind in der südkoreanischen K-Pop-Industrie eine ganze Ewigkeit. Für sogenannte Idols, also Girl- und Boy-Groups oder auch Solo-Künstler:innen, ist es üblich, mehrere Alben im Jahr herauszubringen. Diese promoten sie dann auch in TV-Shows und gehen natürlich auf Tour. In einem solchen Umfeld mussten BTS 2022 ihre Karriere auf ihrem Höhepunkt unterbrechen. Denn in Südkorea muss jeder Mann vor Beginn seines dreißigsten Lebensjahres den 18 bis 21-monatigen Militärdienst antreten – auch für Weltstars wird da keine Ausnahme gemacht. In den vier Jahren BTS-Pause, die darauffolgten, erschienen mehrere Solo-Projekte der Mitglieder, die uns Fans zum Glück ein bisschen bei Laune hielten. Aber um die Gruppe wurde es still. Als BTS Ende 2025 also endlich ihr Comeback ankündigten, war die Freude bei den BTS-Fans, die ARMYs genannt werden, groß. Und die Erwartungen waren nach so einer langen Pause natürlich gigantisch.
Die Bedeutung von Arirang
Am 20.03. war es dann endlich so weit: Das Album Arirang und die dazugehörige Lead-Single SWIM erblickten endlich das Licht der Welt. Arirang ist das bekannteste koreanische Volkslied mit einer 600-jährigen Tradition. Es ist oft verbunden mit Sehnsucht und Abschied und diente während der japanischen Besatzung in Korea als Widerstandslied. Für viele Koreaner ist das Volkslied identitätsstiftend und hat eine besondere Bedeutung. BTS‘ Plattenfirma begründet die Namensgebung des Albums so:
Drawing from “Arirang,” a traditional Korean folk song, the album symbolically reflects the group’s roots and the present-day sentiments felt by the band in 2026. Much like the timeless presence of “Arirang,” the album seeks to resonate across generations and cultures, shaping an enduring legacy grounded in shared emotion.
BigHit, 2026 (https://ibighit.com/en/bts/discography/detail/arirang)
Back to the roots – oder endgültig in der westlichen Industrie angekommen?
Geht BTS mit Arirang nun zurück zu seinen musikalischen Wurzeln, oder wartet hinter dem Titel etwas ganz Neues? Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Das Album besteht aus 14 Songs und lässt sich ziemlich eindeutig in zwei Teile aufteilen. Die ersten fünf Songs sind energiegeladen und gehen stark nach vorn. Die Songs sind sehr Hip-Hop lastig, die Rapper RM, Suga und J-hope stehen im Mittelpunkt. Mit dem Interlude “No. 29” bricht der energiegeladenere Teil ab und es folgen acht nachdenklichere, poppigere, und elektronische Lieder. Im Vergleich zu BTS früheren Alben, fühlt sich Arirang für mich gleichzeitig neu und vertraut an. Vor allem die erste Hälfte des Albums klingt nach einer erwachseneren Version ihrer Debut-Era, die auch von energiegeladenen Hip-Hop-Beats lebte. Die zweite Hälfte erinnert eher an die poppigeren Lieder, zum Beispiel aus der Love-Yourself-Era, aber auch die Soloprojekte der Mitglieder finden sich hier wieder. Allerdings hat das Ganze einen experimentelleren, düsteren, elektronischeren und viel erwachseneren Touch. Es ist (zumindest vorerst) vorbei mit den bunten Haaren und den pastelligen Outfits. BTS sind jetzt erwachsen und ihr Sound und ihre Songtexte sind es auch – vor allem die vielen Anspielungen auf Sex sind für K-Pop doch sehr ungewöhnlich.
Für alle, die es nicht direkt vor Augen haben, hier ein Vergleich einer der ersten BTS-Singles und des aktuellsten Musikvideos.
We are Bulletproof Pt2, 2013
Hooligan, 2026
Nicht koreanisch genug?
Vor der Pause hatten viele BTS-Fans genug von den englisch-sprachigen Pop-Songs wie Dynamite, Butter und Permission to Dance. Mit dem Albumtitel Arirang schraubten BTS die Erwartungen entsprechend hoch, dass sie wieder vollständig zu ihren koreanischen Wurzeln zurückkehren würden. Das ist so nicht eingetreten und hat einige Fans enttäuscht. BTS haben das Album nicht in Südkorea, sondern in LA produziert und arbeiteten mit verschiedenen US-amerikanischen Produzenten und Songwritern daran, zum Beispiel Ryan Tedder, El Guincho, Diplo und Mike WiLL Made-It. Und ich finde, das hört man. Arirang klingt für mich nach einer Mischung aus K-Pop und westlichen Einflüssen.
Der Spagat, den die Mitglieder beim Entstehungsprozess des Albums versucht haben zu meistern, wird auch in der Netflix-Dokumentation BTS: The Return deutlich. In der Doku sehen wir Nicole Kim, Vize-Präsidentin des Labels HYBE, die den Mitgliedern erklärt, dass eine englischsprachige Lead-Single inklusiver für ihre internationale Fanbase sei. Und sie hat sich durchgesetzt. Der Song SWIM hat keine einzige koreanische Textzeile. Gleichzeitig möchte HYBE-Vorsitzender Bang Si-Hyuk die Männer davon überzeugen, ein Sample der ersten Aufnahme des namensgebenden Volkssongs Arirang im Song Body to Body aufzunehmen. Nicht alle der Mitglieder sind von der Idee begeistert, doch am Ende entscheiden sie sich gemeinsam dafür, um ihre koreanische Identität gleich im Opening-Song einfließen zu lassen.
Es wäre anmaßend von mir als deutsche Kartoffel ein Urteil darüber zu fällen, ob „Arirang“ nun „koreanisch genug ist“ oder nicht. Bereits 2021 hat BTS-Leader RM in einem Rolling Stone Interview den Künstler Kim Whan-Ki zitiert und gesagt „I’m Korean, and I can’t do anything not Korean“. Ich denke, das trifft es gut. Für so ein großes, international erwartetes Full-Group-Comeback einer K-Pop-Gruppe nach dem Militär gibt es keinen Blueprint – es ist das erste Mal, dass so etwas passiert. Deshalb lastete ein riesiger Druck auf BTS, mit etwas ungewöhnlichem und Neuem zurückzukommen. Ich finde es verständlich, dass sie nach 13 Jahren Karriere mit verschiedenen Songwritern und Producern zusammenarbeiten wollten, um neue Impulse zu bekommen und etwas Neues zu erschaffen. Herausgekommen ist genau das: Ein K-Pop-Album für den internationalen Markt, das keine Klischees bedient und neue Wege geht.
Autor und Übersetzer Jin Woo Park hat dazu interessante Gedanken:
Meine Lieblingssongs
Jetzt habe ich sehr viel über den Schaffensprozess und die Kontroversen rund um das Album geredet, aber was sind denn nun die Banger des Albums? Hier kommt eine absolut subjektive Auflistung der drei besten Songs!
Body to Body
Body to Body ist der Opening Song des Albums – und was für Einer! Es ist ein energiegeladener Hip-Hop-Song mit einem Bass-lastigen Beat und starker Rap-line, der trotzdem melodisch klingt und mir schon beim ersten Hören ins Ohr gegangen ist. Thematisch handelt der Song vom Zusammenkommen auf Konzerten, von Verbindung und Kameradschaft – allein deshalb wird es ein hervorragender Opener für die Konzerte der Tour sein- Der Track verbindet die sehr modernen Elemente mit einem Sample des Volksliedes Arirang, was sehr gut zusammenpasst und den Song wirklich aufwertet.
Normal
Den Song Normal finden wir auf der zweiten, eher poppigeren Hälfte des Albums und er schlägt ruhigere, Töne mit mehr Gesang an. Es handelt sich um eine soft-Rock Pop-Hymne, die mich wirklich jedes Mal zum Mitsingen motiviert. Inhaltlich geht es in dem Song um den emotionalen Druck von Berühmtsein. Ich lese ihn aber auch als Lied über die Absurditäten des modernen Lebens und des Erwachsenseins im Allgemeinen: „Yeah, we call this shit normal“.
Aliens
Bei Aliens handelt es sich wieder um einen der Rap-lastigeren Songs. Wie Body to Body lebt auch Aliens von einem starken, energiegeladeneren Beat, klingt allerdings weniger melodisch. Die schnellen, Rap-Parts der Strophen stehen im Kontrast zu dem hohen Gesang in den Refrains und machen den Song musikalisch sehr interessant. Es enthält Anlehnungen an Rhythmen und Beats, zum Beispiel Jungmori, die aus traditioneller koreanischer Musik kommen. Diese werden sehr subtil eingestreut und stehen nicht zu sehr im Vordergrund. Doch diese koreanischen Elemente im Rahmen des Hip-Hop-lastigen Tracks unterstreichen auch die Message des Albums. BTS beschreiben hier ihre Erfahrung als Koreaner auf einem westlichen Musikmarkt anzukommen und als „Aliens“ wahrgenommen zu werden. Hier lohnt es sich in meinen Augen umso mehr, in die Lyrics einzutauchen, die sich mir als nicht-Koreanerin nicht an allen Stellen sofort erschlossen haben, sondern etwas Recherchearbeit erfordern.
Fazit: Viel Liebe für Arirang
Insgesamt hat mich das neue BTS-Album wirklich begeistert, auch wenn die vollständig englischen Songs in meinen Augen nicht hätten sein müssen. Wie findet ihr das neue BTS-Album? Und welcher ist euer Lieblingssong? Schreibt es mir in die Kommentare!
