Alle lieben T8: Tate McRae in Köln

Konzertrezension von Felix Kupferer

In der ausverkauften Lanxess-Arena zu stehen und den Blick durch den Saal schweifen zu lassen, ist schon ein Erlebnis für sich. Diesen während einer kurzen Verschnaufpause in ein Meer aus Smartphone-Lichtern getaucht zu sehen, die sich im Takt einer gefühligen Ballade bewegen? Pure Gänsehaut. Für einen solchen Gänsehaut-Moment sorgte kürzlich eine 21-jährige Kanadierin in Köln: Tate McRae, Pop-Prinzessin der Stunde, hielt Mitte Juni Audienz in der Domstadt, und 16.000 kreischende Zuschauer:innen wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Eine gute Entscheidung, wie sich im Lauf der knapp 90-minütigen Show schnell zeigte.

Wer mitreißende Beats und beeindruckende Tanzeinlagen erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht. Und erwartet hatten genau das wohl die meisten Besucher:innen der „Miss Possessive“-Tour zu McRaes drittem Studioalbum „So close to what“, sind dies doch die Markenzeichen der selbstbewussten Kanadierin. Kaum ein Musikvideo, in dem sie sich nicht leicht bekleidet vor der Kamera räkelt und so ein Zeichen für Feminismus und Selbstbestimmung setzt, um sich kurz darauf schon wieder für den nächsten TikTok-Tanzmove aufzurappeln.

Wenn die Sängerin eins beherrscht, ist es die perfekte Inszenierung im Internet. Was nicht verwundert für einen Popstar der neuen Generation, der auf YouTube schon als Teenagerin internationale Berühmtheit erlangte. Und die Energie, die McRaes Fans aus den sozialen Medien lieben, übertrug sich mit voller Wucht auf die große Bühne. Daran hatten neben eingängigen Ohrwürmern wie „Greedy“ (knapp zwei Milliarden Streams auf Spotify) und „Sports Car“, das als Zugabe den krönenden Abschluss des Konzerts bildete, auch ihre Background-Tänzer:innen, ein spektakuläres Bühnenbild aus Baukränen, Hebebühnen sowie langem Laufsteg und mehrfach wechselnde Outfits, die mehr zeigten als sie verdeckten, einen nicht minder großen Anteil.

Überhaupt die Sache mit dem Tanz: Von der ersten Sekunde an ließ Tate McRae keinen Zweifel daran, dass sie nicht nur gut singen und gut aussehen, sondern sich auch richtig, richtig gut bewegen kann. Eine kurze Runde an der Poledance-Stange, und dann mal eben schnell in den Spagat? Kein Problem für McRae und ihre Tanzcrew, die nebenher auch immer wieder mit tradierten Geschlechterrollen brach. Wenn im ersten Moment noch eine Lapdance-Einlage von Männern in schwarzem Spitzenkorsett und High Heels überraschte, wurde das Spiel mit den Geschlechtern schnell zum selbstverständlichen Teil des Programms.

Was McRae und Crew auf der Bühne trugen, fand sich tausendfach auch im überwiegend jungen, weiblichen Publikum wieder, das sich nicht hätte besser abstimmen können. Fast schien es ein ungeschriebenes Gesetz des Abends, schwarze Spitze mit Lederjacke, Leo Print, Cowboystiefel und Football-Trikots mit der Nummer T8 (sprich „Tate“) zu kombinieren. Auch dieses Schaulaufen zu beobachten, war Teil des Spektakels, das in Summe kaum Wünsche offen ließ. Man mag von Mainstream-Chartmusik und kreischenden Teenies halten, was man möchte, doch eins ist sicher: Tate McRae hat auch in Köln abgeliefert. Und das ist erst der Anfang.

Beitragsbild und weitere Fotos: Felix Kupferer

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