Vom Hobbyprojekt zur Veröffentlichung

Felix vom Podcast „Geschichten aus dem Leben“ spricht in diesem Gastbeitrag mit Krimi-Autor Daniel Schalz über die Höhen und Tiefen des Self-Publishing

Wie viele leidenschaftliche Leser:innen wohl auch davon träumen, eines Tages einmal ein eigenes Buch zu schreiben? Schwer zu sagen. Wie man das angeht und was passiert, wenn das Manuskript fertig ist, weiß Daniel Schalz. Er ist hauptberuflich Redakteur bei der PR-Agentur fischerAppelt und nebenbei Autor von mittlerweile zwei Büchern: Mit „Unser Leben mit Werder“ hat er 2023 einen Sammelband mit Geschichten von Fußballfans im Verlag Die Werkstatt herausgebracht, anschließend im Self-Publishing seinen ersten Roman, den Berlin-Krimi „Friedhof der Namenlosen“, veröffentlicht. Im Interview spricht er über Herausforderungen beim Schreiben, den Unterschied zwischen Verlagsveröffentlichung und Self-Publishing und den Stellenwert von Feedback im kreativen Prozess.

Daniel Schalz mit seinem ersten Roman.

Eine ganz banale Frage zum Einstieg, die vielleicht auch gar nicht so banal ist: Wie schreibt man ein Buch?

Die Frage finde ich wirklich alles andere als banal. Tatsächlich gibt es unzählige unterschiedliche Wege, ein Buch zu schreiben, und es gibt dafür kein Patentrezept. Die Vielfalt der Buchwelt allein zeigt, wie unterschiedlich Bücher sein können – sei es in Bezug auf Struktur, Inhalte oder Themen. Und auf der anderen Seite sind wir Menschen ebenso vielseitig, mit ganz individuellen Herangehens-, Denk- und Arbeitsweisen. Vielleicht decken sich meine Erfahrungen teilweise mit denen anderer Autor:innen – bei vielen waren sie aber sicherlich auch völlig anders. Ich kann deshalb als Antwort auf die Frage nur von der Entstehung meiner Bücher erzählen.

Die sind beide eher nebenbei entstanden – in meiner Freizeit, an den Abenden, an Wochenenden, in freien Stunden. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Allein mit dem Buchschreiben hätte ich nicht ansatzweise finanziell über die Runden kommen können. Nur die allerwenigsten Menschen können ausschließlich vom Schreiben leben. Wer also von Anfang an den kommerziellen Erfolg im Fokus hat, könnte schnell enttäuscht werden – denn die Wahrscheinlichkeit, von seinem Werk leben zu können, ist äußerst gering.

Wieso hast du mit dem Bücherschreiben angefangen, was hat bei dir dazu den Anstoß gegeben?

Bei meinem ersten Roman handelt sich um einen Berlin-Krimi, den ich bereits vor über fünf Jahren fertiggestellt, aber erst kürzlich per Self-Publishing veröffentlicht habe. Meine Motivation dafür war ganz einfach: Ich bin ein großer Krimi-Fan und lese seit jeher leidenschaftlich gerne Bücher aus diesem Genre. Dabei hat es mich immer wieder geärgert, wenn ein Plot unplausibel war oder Polizeiarbeit unrealistisch dargestellt wurde. Da dachte ich oft: ‚Das weiß man doch, dass ein Ermittler nicht allein mit der Waffe irgendwo herumläuft!‘ Irgendwann kam mir dann die Idee: Warum nicht einfach selbst versuchen, eine solche Geschichte zu schreiben? Es war ein Test, ob ich es schaffen würde, einen Krimi zu entwickeln, der stimmig und authentisch ist.

Der eigentliche Schreibprozess begann während eines Jahres, das wir als Familie zusammen in Südamerika verbracht haben. In dieser Zeit habe ich bei meinem damaligen Arbeitgeber nur etwa zehn Stunden pro Woche gearbeitet – das gab mir den Freiraum, täglich zwei bis drei Stunden an meinem Krimi zu schreiben. In den Jahren danach habe ich es immer wieder überarbeitet, bis es schließlich fertig war. Von Anfang an war mir aber klar, dass die Chancen, das Buch bei einem Verlag unterzubringen, gering sind. Natürlich hatte ich ein bisschen Hoffnung, aber meine Hauptmotivation war schlicht und ergreifend die Freude am Schreiben. Ich wollte ausprobieren, ob ich eine Geschichte zu Papier bringen kann, die meinen eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Jetzt haben wir schon viel über den Schreibprozess gesprochen, aber noch gar nicht über das Endergebnis. Also, worin geht es in deinem Berlin-Krimi „Friedhof der Namenlosen“ eigentlich?

Die Geschichte beginnt in einem Schrebergarten am Rande des Berliner Grunewalds. Dort findet der junge und noch unerfahrene Kommissar Fabian Felter eine Szenerie vor, die auf den ersten Blick verwirrend ist: viel Blut, ein gewisses Chaos – aber keine Opfer, keine Verdächtigen, keine klaren Hinweise. Nur eine ältere Frau, die im benachbarten Schrebergarten lebt und behauptet, in der Nacht zuvor unheimliche Geräusche gehört zu haben. Doch sie wirkt nicht gerade wie eine verlässliche Zeugin. Die Polizei steht vor einem Rätsel, weil zunächst überhaupt nicht klar ist, was dort eigentlich passiert ist – oder ob überhaupt etwas passiert ist. Von diesem Ausgangspunkt aus entspinnt sich die Geschichte, die die Ermittler immer tiefer in den Grunewald führt.

Das erste von dir veröffentlichte Buch war „Unser Leben mit Werder“, ein Sammelband mit Geschichten von Fußballfans, der klassisch über einen Verlag erschienen ist. Wie kam es dazu, dass du dich dann für deinen Krimi für den Weg des Self-Publishing entschieden hast?

Es macht fast keinen Sinn, Manuskripte direkt an Verlage zu schicken, da diese von Einsendungen überflutet werden und die Sichtung an Literaturagenturen auslagern. In Deutschland gibt es über 50 Agenturen, die als Nadelöhr für Autor:innen fungieren. Sie filtern den Markt für Verlage und nehmen nur Projekte mit hoher Erfolgsaussicht an, da sie auf Provisionsbasis arbeiten. Es gibt unter den Literaturagenturen alles von Ein-Personen-Betrieben bis hin zu großen Agenturen mit Dutzenden Mitarbeitenden. Manche sind auf bestimmte Genres oder Nischen spezialisiert, während andere ein breiteres Spektrum abdecken.

Man muss ein Exposé und eine Textprobe bei ihnen einreichen, oft nach klaren Vorgaben. Alle erwarten dabei natürlich, dass man sich genau mit ihrem Portfolio auseinandergesetzt hat und gezielt auf sie zugeht. Das habe ich gemacht und mit meinem Roman rund 20 Agenturen angeschrieben. Die meisten haben freundlich geantwortet, und drei oder vier sogar ernsthaftes Interesse gezeigt. Sie haben sich aber letztlich wegen des finanziellen Risikos dagegen entschieden, mich zu vertreten. Und ich fand es dann einfach zu schade, das Manuskript in der Schublade verstauben zu lassen. Also habe ich beschlossen, es mit Self-Publishing zu versuchen – aus reiner Neugier: Ich wollte wissen, wie es ist, ein Buch eigenständig zu veröffentlichen.

Wie genau funktioniert Self-Publishing und was muss man dabei beachten?

Es gibt viele Plattformen, die Self-Publishing anbieten, und ich habe mich letztlich für Books on Demand entschieden, weil sie einen guten Ruf haben. Für ein Paket, das etwa 40 Euro gekostet hat, konnte ich mein Buch in professioneller Verarbeitung in den gesamten deutschsprachigen Handel bringen – inklusive ISBN-Nummer und Listung in Deutschland, Österreich, der Schweiz und auf allen wichtigen Online-Plattformen. Allerdings darin wichtige Dinge wie Lektorat, Covergestaltung und Satz nicht enthalten – das musste ich selbst übernehmen.

Dabei hat mir das Autorenprogramm Papyrus sehr geholfen, mit dem ich das Manuskript so aufbereiten konnte, dass es veröffentlichungsreif war. Für das Cover habe ich mit einem befreundeten Grafiker zusammengearbeitet: Wir haben ein paar Ideen ausgetauscht, er hat einen Entwurf erstellt, und den fand ich dann ziemlich passend. Anschließend habe ich alles hochgeladen, die 40 Euro bezahlt – und war überrascht, wie schnell es ging. Nach nur ein paar Tagen war das Buch nicht nur auf Amazon, sondern auch in jeder Buchhandlung bestellbar.

Ohne Verlag hattest du auch beim Marketing keinerlei Unterstützung – keine Lesetourneen, keine Werbung, keine Anzeigen, nichts. Das Buch war zwar im Handel verfügbar, aber niemand wusste davon. Wie bist du stattdessen vorgegangen, um Leute darauf aufmerksam zu machen?

Tatsächlich ist das neben der professionellen Aufbereitung des Buchs der zweite große Unterschied zwischen einer Verlagsveröffentlichung und dem Self-Publishing: Als Self-Publisher hast du kaum eine Chance, ernsthafte Sichtbarkeit zu bekommen. Ein Verlag übernimmt für dich Pressearbeit, kontaktiert Blogger:innen, sorgt für Rezensionen und organisiert vieles mehr – all das fiel bei meinem Krimi weg. Zwar gibt es Communities und Plattformen speziell für Self-Publisher, auf denen man sich austauschen und Reichweite aufbauen kann. Aber dafür fehlt mir schlicht die Zeit – und ehrlich gesagt auch die Lust, das Buch aufwendig zu vermarkten.

Viele der bisherigen Käufer:innen kenne ich persönlich – und viele haben mir dann auch geschrieben, dass sie das Buch spannend fanden, was mich natürlich freut. Es zeigt, dass es nicht komplett nur für die Schublade war. Und ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt: Es passiert wohl hin und wieder, dass ein Buch im Self-Publishing von einer Literaturagentur oder einem Verlag entdeckt wird. Ein bereits veröffentlichtes Buch – mit durchdachter Story, ansprechendem Cover und guter Verpackung – kann manchmal überzeugen. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen.

Welche weiteren Tipps hast du für Hobby-Autor:innen, die mit dem Gedanken spielen, ein Buch zu schreiben und veröffentlichen?

Wenn man denkt, ein Buch ist fertig, geht es eigentlich oft gerade erst damit los: Wirklich gute Bücher durchlaufen viele Phasen und gehen durch zahlreiche Hände. Dafür braucht es Durchhaltevermögen und ein dickes Fell, besonders im Umgang mit dem eigenen Text. Eitelkeit hilft nicht weiter. Ich kann allen, die ein Buch schreiben oder darüber nachdenken, nur raten: Geht damit raus! Zeigt euren Texten anderen, holt euch Feedback. Es ist besser, mögliche Schwächen frühzeitig zu erkennen, als später davon überrascht zu werden.

Es bringt auch nichts, alleine im eigenen Kopf festzustecken und sich ständig zu fragen, ob das Buch jemanden interessieren könnte. Stattdessen ist es wichtig, die Probe aufs Exempel zu machen: Gebt euer Buch Freund:innen zum Lesen, und sprecht wenn möglich auch mit Verlagsleuten oder Menschen aus der Branche darüber, die schon erste Erfolge hatten. Diese Mischung aus persönlichem und professionellem Feedback ist enorm wertvoll. Natürlich bleibt das Schreiben selbst am Ende eine einsame Aufgabe, aber der Austausch zwischendurch hat mir immer unglaublich wichtige Impulse gegeben.

Worauf bis du mit Blick auf deine Autorentätigkeit besonders stolz?

Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass ich meine beiden Bücher überhaupt fertiggestellt habe. Besonders beim Krimi war das keine Selbstverständlichkeit, denn während des Schreibens habe ich mich oft gefragt: ‚Wofür mache ich das eigentlich?‘ Ich habe viel Zeit und Kraft investiert, ohne zu wissen, ob daraus jemals etwas wird. Das war beim Werder Bremen-Fanbuch ganz anders: Von Anfang an war klar, dass es veröffentlicht wird, und das gab mir eine völlig andere Motivation – inklusive klarer Deadlines. Diesen Druck hatte ich bei meinem Krimi nicht. Umso schöner finde ich es, dass ich es dennoch geschafft habe, auch dieses Buch zu Ende zu bringen – rein aus eigener Motivation heraus.

Das komplette Gespräch zum Nachhören gibt es in Folge #33 des Podcasts „Geschichten aus dem Leben“, zum Beispiel auf Spotify.

Beitragsbild: unsplash/ Kimberly Farmer

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