So langsam werden die Tage wieder kürzer, die Nächte kühler und die Blätter verfärben sich Tag für Tag ein bisschen bunter. Der Sommer geht zu Ende, der Herbst steht bereits in den Startlöchern. Ich kann die Herbstluft schon riechen. Diese Übergangszeit finde ich eigentlich ganz schön. Mit dem Herbst beginnt für mich die cozy-Jahreszeit. Endlich wieder Tee und Kerzen, wie meine Mama immer so schön sagt. Mit dem Zurückziehen ins Gemütliche ergibt es sich, dass ich mich an die schönen Stunden im Sommer zurückerinnere. Dies soll heute in diesem Beitrag geschehen: Wenn ich an die heißen Sommertage im August denke, dann kommt mir vor allem ein Ort in den Sinn, der beste Ort des Sommers: Das Freibad!
Ich liebe das Freibad. Ich mag es, mich in das klare Wasser zu stürzen und meine Bahnen zu ziehen, mich danach auf die Wiese zu legen, ein gutes Buch zu lesen, mich zu sonnen und mir eine leckere Portion Pommes zu holen, die nur so vor Paprikasalz trieft. Der Geruch nach Chlor, Sonnencreme und Frittenfett ist für mich der Geruch des Sommers und ich verbinde dies mit Freiheit. Ich genieße die Sonne auf der Wiese und wenn es zu heiß wird, geht es ab ins kühle Becken. Unter Wasser ist der Lärm vom Beckenrand nicht mehr zu hören.
Ein demokratischer Ort
Und hinter dem Freibad steckt sehr viel mehr als ein bloßer Freizeitort – es ist sogar ein richtig kultureller Ort. Fangen wir doch mal beim Namen an, hinter dem so viel mehr steckt. Zum einen liest man da natürlich das Bad unter freiem Himmel raus. Doch es steckt auch das Bad der Freiheit drin. Denn Freibäder sind ganz schön demokratische Orte. Sie sind Orte der Begegnung. In ihnen werden die sozialen Strukturen aufgebrochen. Auch wenn die Eintrittspreise in den letzten Jahren wirklich schon fast ins Unverschämte explodiert sind, so kommen hier viele verschiedene Menschen zusammen. Und trotz der Vielfalt der Menschen – egal ob Alter, Geschlecht, Herkunft, Glaube, etc. – alle haben die gleiche Intention: Abkühlung und Urlaubsfeeling. Im Freibad kommen wir als gleichberechtigte Gesellschaft zusammen. Es gibt keine Trennung für verschiedene Klassen. Wir alle teilen das Wasser miteinander. Und egal, ob Nicht-Schwimmer*innen oder Sport-Schwimmer*innen: Wir haben alle den gleichen Platz. In Freibädern gibt es, anders als in Hallenbädern, nahezu gleich große Becken bzw. Wasserverteilungen für alle. Neben dem großen Sportbecken gibt es immer auch ein großes Planschbecken, das nicht so tief ist.
Kleine Geschichte der Freibäder
Vor gut 100 Jahren erlebte Deutschland einen regelrechten Bauboom von Freibädern. Nach dem ersten Weltkrieg waren alle Menschen vor dem Gesetz gleich und dies schuf die Grundlagen für das Konstrukt Freibad. Der damalige Zeitgeist zeigt sich auch heute noch in der Architektur der Bäder mit der gleichen Verteilung der Wasserfläche für alle Kenntnisstufen. Und seitdem gibt es auch das Ideal, dass wir uns alle im Freibad gleichberechtigt begegnen. Das Freibad ist ein bisschen Luxus für alle. Als meist städtisches Phänomen bietet es allen Schichten Urlaubsfeeling und Abkühlung an heißen Sommertagen. Es ersetzt das Meer vor der eigenen Haustür. In anderen Kulturkreisen, die gar nicht so weit entfernt sind von unserem, wie beispielsweise in den USA oder in Frankreich, gibt es kaum Freibäder, hier gehören private Pools zum Status der Eliten und werden damit zum kapitalistischen Symbol des Sommers.
Freibäder in der Popkultur
Freibäder sind auch immer wieder wichtige Ort der Popkultur. Es gibt Festivals in Freibädern, Serien und Filme werden immer wieder dort gedreht und auch in vielen Büchern sind sie wichtige Orte für die Handlung. Ich bin ein großer Fan von Freibadbüchern, die ich auch sehr gerne in Freibädern lese.

Eines meiner liebsten Freibad-Bücher ist „Im Freibad“ von Libby Page. Ein guter Sommerroman mit ein bisschen Herzschmerz, viel Freundschaft und einer großen Leidenschaft für Freibäder. Schon seit letztem Jahr steht Caroline Wahls Debütroman „22 Bahnen“ auf der Bestsellerliste. Die junge Autorin, die dafür unzählige Preise abräumte, spannt um das Freibad und die Liebe zum Schwimmen eine unglaubliche Geschichte, die den Zusammenhalt zweier Schwestern in den Vordergrund rückt (und auch ein bisschen die Liebe).
Auch in der Architektur und der der Kunst, vor allem in der Fotografie, spielen die leuchtend blauen Becken eine wichtige Rolle, denn sie sollen bestmöglich in Szene gesetzt werden.
Mein Freibad-Fazit
Für mich ist das Freibad wirklich einer der besten Orte und ich kann es allen nur empfehlen, die letzten schönen Spätsommertage zu nutzen und noch einmal ins kalte Nass zu tauchen, bevor dann der Herbst so richtig losgeht. Genießt die Freiheit und den Pommesgeruch!
Beitragsbild: Populärkollektiv / Valeska Martin
