Die lesende Frau am Handy (Juni)

Wir spulen mehr als 100 Jahre vor und wechseln den Kontinent. Mit Joana Choumalis „Die Traujungfern“ sprengen wir nicht nur ein wenig das Thema. Hier sind nämlich gar keine Bücher zu sehen. Wir sehen drei Frauen am Handy. Doch auch am Handy kann man lesen, weswegen es dieses Bild hier rein geschafft hat.

Les Demoiselles d’Honneur – Joana Choumali (2019)

Joana Choumali kommt von der Elfenbeinküste und hat es sich in ihrer künstlerischen Praxis zur Gewohnheit gemacht, jeden Morgen um fünf aufzustehen und für ihre Reihe „Alba’hian“ (Morgengrauen) durch die Straßen zu laufen und Fotografien von dem zu machen, was sie zwischen 5 und 7 Uhr sieht. Danach arbeitet sie mit Collagen, Stickereien und Fotomontage, um aus den Fotografien ihr Werk zu erschaffen. Bei diesem Bild sehen wir drei Brautjungfern, die sich, wie bei vielen Hochzeiten üblich, bereits in den frühen Morgenstunden (wahrscheinlich beim Friseur) fertig gemacht haben und nun wahrscheinlich darauf warten, dass die Braut fertig ist. Wir sehen Fäden, die von ihren Telefonen weg gehen. Jeder dieser Fäden könnte für eine Kommunikation mit einer anderen Person stehen oder eine Information, die man aus dem Internet aufruft. Denn vor einer Hochzeit gibt es sicherlich noch viel in letzter Minute zu klären und zu überlegen. Die Frauen sind dabei jede für sich und stehen doch in Kommunikation mit der ganzen Welt. Lesen ist schließlich nicht nur Bildung, sondern auch maßgeblich für den Austausch. Es wird viel per Telefon geschrieben, man teilt sich mit, man updated sich, bleibt in Kontakt. So ist das Lesen auch ein wichtiges Mittel der sozialen Verbindung und zentral im Leben verankert.

Dieser Artikel erscheint in unserem Kunstkalender für das Jahr 2025 zum Thema „Lesende Frauen“. Hier alle (bisherigen) Artikel in der Reihe:

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